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HSV: Durchhalteparolen und "null Toleranz"

Die Führung des HSV macht auf hart: Mit Thomas Doll, einer "Null-Toleranz"-Politik gegenüber den Spielern und frischem Personal will der Hamburger SV den Absturz in die Zweitklassigkeit verhindern.

"Wir müssen alles, aber auch alles in den nächsten 17 Spielen dem Erfolg unterordnen", sagte Clubchef Bernd Hoffmann nach der wohl schwierigsten Entscheidung seiner Amtszeit. Denn auch wenn die drängendste Frage nach wochenlangem Hickhack endlich beantwortet ist, hat sich an der prekären Situation des Fußball-Bundesligisten nichts geändert. "Ab jetzt zählen nur noch nackte Ergebnisse, um den Verbleib in der Liga zu sichern", unterstrich Hoffmann noch einmal.

Mit seinem einstimmigen Votum für Doll wählte der vierköpfige Vorstand am Mittwoch die "kleine Lösung", um das Bundesliga- Gründungsmitglied wieder auf Kurs zu bringen: Reparaturarbeiten statt Führungswechsel. So wird zum vorgezogenen Trainingsauftakt am 27. Dezember mit Michael Schröder ein weiterer Co-Trainer zum Team stoßen, der sich vor allem um verstärktes Individualtraining kümmern wird. Daneben sollen Korrekturen in der medizinischen Abteilung für ein Ende der beispiellosen Verletzungsserie sorgen. Bei schweren Blessuren gilt nun das Vier-Augen-Prinzip zur besseren Beurteilung.

Mahnende Worte

Doch vor allem eines machte die HSV-Führung unmissverständlich klar: Mit dem Festhalten an Doll bekam das Team seinen Willen - und hat im Gegenzug nun keine Ausreden mehr. "In allererster Linie ist die Mannschaft in der Pflicht - und zwar nicht zu 120 Prozent beim Plakate malen, sondern mit 120 Prozent bei der Arbeit auf und neben dem Platz", sagte Hoffmann in Anspielung auf die Pro-Doll-Aktion der HSV-Profis zu Wochenbeginn. Zugleich kündigte er an, dass es für die häufig disziplinlosen Spieler "keinen Zentimeter Toleranz" mehr gebe. "Für Mätzchen zu Lasten der Gruppe gibt es keinen Raum", betonte er.

Kapitän Rafael van der Vaart zeigte sich erleichtert. "Das ist das beste für die Mannschaft. Wir können froh sein, weiterhin einen solchen Coach wie Thomas Doll zu behalten", sagte er dem "Hamburger Abendblatt" (Donnerstag). Voraussichtlich wird der HSV auch personell noch nachlegen, wenngleich Hoffmann betonte, dass bei der Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch weder ein Beschluss gefasst noch über Zahlen gesprochen worden sei. Offenkundig haben die Hanseaten weiter Interesse am Gelsenkirchener Torhüter Frank Rost und wollen darüber hinaus noch einen Stürmer und einen Verteidiger verpflichten.

Letzte Chance nach der Winterpause

Doll selbst habe sich "kämpferisch, optimistisch und aufs Ziel fokussiert" präsentiert, berichtete Hoffmann; an einen Rückzug habe der Trainer zu keiner Zeit gedacht. Dass der 40-Jährige im Amt bleiben darf, hat er neben der Unterstützung durch das Team vor allem den widrigen Umständen zu Saisonbeginn zu verdanken, für die Hoffmann und Sportchef Dietmar Beiersdorfer eine Mitverantwortung einräumten. "Wir wollen den Trainern die Möglichkeit einer optimalen Vorbereitung geben, die sie vor der Saison nicht hatten", sagte Beiersdorfer auch im Hinblick auf die späten und umstrittenen Transfers im Sommer.

Doch vor allem Beiersdorfer selbst, der sich klar pro Doll positioniert und das Konzept für den Klassenverbleib gemeinsam mit dem Trainer ausgearbeitet hat, steht nun unter Druck. Aus dem Aufsichtsrat dringen Signale, wonach der Sportchef künftig verstärkt beobachtet werden soll. Weitere Fehlgriffe darf er sich ebenso wenig leisten wie Doll einen Fehlstart des Vorletzten in die Bundesliga- Rückrunde. "Die einzige Wahrheit, die mich jetzt noch interessiert, sind die 13 Punkte, die wir erst haben", sagte Hoffmann - und vermied es, Doll eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Saisonende zu geben.

Christian Kamp/DPA

DPA / DPA

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