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HSV feuert seinen Trainer: Glückwunsch, Thorsten Fink!

Der HSV hat sich nach fünf Spieltagen von Thorsten Fink getrennt. Das 2:6 in Dortmund und ein Privatflug nach München waren die Auslöser. Hat Fink seinen Rauswurf provoziert? Man könnte ihn verstehen.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Die Nacht muss kurz gewesen sein für Thorsten Fink. Am späten Montagabend hatte Sportdirektor Oliver Kreuzer den 45-Jährigen in einem persönlichen Gespräch über seine Entlassung als Trainer des HSV informiert. Bereits am frühen Dienstagmorgen nahm Fink gegenüber einem lokalen Radiosender Stellung dazu. Er sei stolz, hier gewesen zu sein, sagte er. Und auch das hier: "Ich haben einen tollen Verein trainiert." Der HSV? Ein toller Verein? Nun ja. Was man eben so sagt, wenn's vorbei ist.

Fink weilte bis Dienstagfrüh in München. Er war zu Hause bei seiner Familie. Erst am Vormittag flog er zurück in die Hansestadt, um sich von der Mannschaft zu verabschieden. Es ist nur eine Vermutung, aber Fink wird der Abschied im Zweifel nicht schwer fallen. Vielleicht ist er sogar ganz froh. Er hat in seinen 23 Monaten in Hamburg ja nichts aufgebaut. Es bleibt nichts von ihm. Doch, halt: ein paar saftige Pleiten. Ein unglaubliches 2:9 gegen die Bayern zum Beispiel in der Rückrunde der vergangenen Saison. Das war eine historische Hinrichtung. Nie zuvor hat der HSV in der Bundesliga-Historie eine höhere Pleite kassieren müssen. Oder jetzt gerade am Wochenende: das 2:6 in Dortmund.

Privatflug nach München als Provokation?

Für Fink war das jüngste sportliche Desaster der Anfang vom Ende. Die Entlassung hatte sich schon länger abgezeichnet. Das Verhältnis zwischen ihm und Sportchef Kreuzer galt zuletzt als belastet. In den vergangenen Tagen konnte sich davon auch die Öffentlichkeit eindrucksvoll überzeugen. Fink und Kreuzer trugen beispielsweise öffentlich einen Streit über den Verbleib der aussortierten Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic im Trainingsbetrieb aus. Er habe Kreuzer per E-Mail über seine Entscheidung informiert, die beiden wieder zu integrieren: "Wenn ich das so will, dann wird das auch so gemacht", ließ Fink verlauten. Bei Kreuzer stießen die Aussagen jedoch auf taube Ohren. "Für Mancienne und Rajkovic gibt es keine Rückkehr aufs Spielfeld. "Das ist mit Thorsten klar besprochen", wies der Sportdirektor seinen Trainer daraufhin in die Schranken. Schulterschluss in schwierigen sportlichen Zeiten sieht anders aus.

Gänzlich in Ungnade fiel Fink dann schließlich wegen seines privaten Flugs am Tag nach der Dortmund-Schmach zur Familie nach München. "Zugegebenermaßen ist das etwas unglücklich, die Entscheidung getroffen zu haben, zur Familie zu fliegen", kritisierte Kreuzer. In der Tat wirkte der Ausflug wie eine Provokation des Trainers. Wollte er seinen Abgang damit etwa selber beschleunigen? Nur noch mal kurz zur Erinnerung: Es war Thorsten Fink selbst, der nur wenige Tage zuvor den inzwischen an Schalke ausgeliehenen Dennis Aogo an den Pranger gestellt hatte, als dieser an den zwei trainingsfreien Tagen nach Mallorca geflogen war.

Überall Dilettanten

Kontinuität. Das ist es, was sie sich in Hamburg so sehr wünschen. Thorsten Fink, vom ehemaligen Sportdirektor Frank Arnesen, noch so einem fleischgewordenen Missverständnis an der Elbe, im Oktober 2011 geholt, sollte endlich eine neue Ära einleiten. In seiner ersten Saison rettete der Ex-Profi der Bayern den HSV immerhin vor dem Abstieg. In der darauffolgenden Spielzeit verfehlte er mit Platz sieben knapp die Europa League. Das liest sich gar nicht mal schlecht, aber Fink hat es nie geschafft, die Mannschaft zu stabilisieren. Das ist der Hauptvorwurf an ihn. In schöner Regelmäßigkeit gab es nach starken Leistungen immer wieder schlimme Einbrüche. Auf einen Auswärtssieg in Dortmund folgte zum Beispiel eine Heimpleite gegen Augsburg. Fink hat auch keinen Spieler besser gemacht. Der hoch veranlagte Maxi Beister neigt immer noch zur Selbstüberschätzung. Der Trainer hat ihm diesen Hang nie austreiben können.

Aber Fink hat es auch schwer gehabt. Die Erwartungen im Umfeld und unter den Fans sind beim zu Selbstüberschätzung und Großmannssucht neigenden HSV traditionell hoch – und gehen fast immer an der Realität vorbei. Der ahnungslose Aufsichtsrat gleicht einem Dilettanten-Stadl. Das macht das Arbeiten für einen Trainer in Hamburg nicht unbedingt leichter. Kurzum: Fink hatte zu keiner Zeit jemanden an seiner Seite, der den Club mit Kompetenz und Weitsicht neu und erfolgreicher hätte aufstellen können. Und daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern. Sollte er seinen Rauswurf wirklich selbst provoziert haben, müsste man ihm jetzt eigentlich gratulieren. Der HSV steht nicht nur sportlich, sondern auch finanziell am Abgrund. Es ist ein kaputter Verein. Wer will den schon trainieren?

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