HOME

Entlassung beim VfB Stuttgart: Wie Markus Weinzierl vom gefeierten Trainer zum Problemfall wurde - wie so viele andere auch

Markus Weinzierl war vor drei Jahren einer der Shootingstars unter den jungen Trainern. Doch seit er Augsburg verlassen hat, ist er auf Schalke und in Stuttgart gescheitert - ihm geht es wie vielen anderen Trainern.

Wird ihn die Bundesliga wiedersehen? Trainer Markus Weinzierl ist jetzt wieder arbeitlsos

Wird ihn die Bundesliga wiedersehen? Trainer Markus Weinzierl ist jetzt wieder arbeitlsos

DPA

Markus Weinzierl ist der siebte Trainer, der in der laufenden Bundesliga-Saison entlassen wurde. Und er ist der zweite Trainer, den der VfB Stuttgart in dieser Saison entlassen hat. Allein diese Tatsache sagt viel über den Zustand des schwäbischen Klubs aus, der seit geraumer Zeit auf dem Relegationsplatz dahinsiecht. Und wenn es dumm läuft, steigen die Stuttgarter am Ende der Saison sogar ab, denn der Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg beträgt nur mickrige drei Punkte. 

Weinzierl hatte seinen Dienst erst im Oktober beim VfB angetreten, dessen Vereinsmotto etwas martialisch "furchtlos und treu" lautet. Zum Leidwesen des Trainers erwiesen sich seine Spieler bei der 0:6-Niederlage gegen Augsburg (die bayerischen Schwaben) nicht als "treu und fruchtlos", sondern als verängstigt und fußlahm. Man könnte aufgrund der gezeigten Leistung auch behaupten, dass die Spieler gegen den Trainer gespielt hätten, obwohl aktive und ehemalige Profis gerne behaupten, dass das nie der Fall sei.

Weinzierls Bilanz in Stuttgart ist verheerend

Doch ob man die desolate Niederlage gegen die Augsburger nun als absichtliche Arbeitsverweigerung interpretiert oder nicht, Weinzierl sammelt "keine Argumente" für sich, wie er nach der Pressekonferenz nach dem Spiel zugab. Mit nur einem Sieg in 15 Spielen ist seine Bilanz verheerend. Seine Entlassung ist die logische Konsequenz.

Das Scheitern in Stuttgart ist bislang der Tiefpunkt in der Karriere des 44-Jährigen. Ihm ergeht es im Moment wie so vielen anderen Trainern, die erst mächtig gehypt werden, weil sie Erfolg bei kleineren Vereinen haben oder den Aufstieg in die Bundesliga schaffen - und dann auf ihren nächsten Stationen, meist bei größeren Vereinen, scheitern oder für einige Jahre in die Dauerrotation gehen, um dann ganz von der Bildfläche zu verwinden. Wer sich einen Überblick verschaffen will, surft die Rubrik "Verfügbare Trainer" von "transfermarkt.de" an. Dort stehen Namen wie Heiko Herrlich, Jens Keller, André Breitenreiter, Tayfun Korkut oder Thorsten Fink. Und jetzt der von Markus Weinzierl.

Sein guter Ruf stammt aus seiner Zeit beim FC Augsburg, wo er vier Jahre äußerst erfolgreich arbeitete. Dort formte er aus einem Abstiegskandidaten einen Europa-League-Teilnehmer. In der Saison 2014/15 führte er die Augsburger auf den fünften Platz - der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte wie für Weinzierl selbst. Ein Jahr zuvor hatte ihn die Spielergewerkschaft zum Trainer des Jahres gekürt, vor Jürgen Klopp und Pep Guardiola. Das macht deutlich, welches Ansehen der junge Trainer damals genoss.

Auf Schalke scheiterte Markus Weinzierl an den Ansprüchen

Doch dann heuerte er auf Schalke an. Oder besser: Der neue Manager der Königsblauen, Christian Heidel, holte den angesagtesten Mann unter den jungen Trainern. Weinzierl war Heidels erste Wahl und sollte die Königsblauen in ein Erfolgsteam formen, so wie wie es ihm in Augsburg gelungen war. Champions League hieß das Ziel. Doch daraus wurde nichts. Schalke wurde unter dem neuen Trainer nur Zehnter, in der Europa League reichte es bis zum Viertelfinale, wo Schalke gegen Ajax Amsterdam rausflog. Am Ende musste Weinzierl nach einem Jahr gehen. Die Mannschaft stagnierte unter ihm in ihrer sportlichen Entwicklung. Oder die Ansprüche waren zu hoch - das ist, wie so oft, Interpretationssache.

Video: Look like Ronaldo

Und jetzt also Stuttgart. Was ihm in Augsburg gelang, schaffte er beim VfB erneut nicht. Es hatte nie den Anschein, dass Weinzierl in Stuttgart angekommen wäre. Er wirkte in seinen Äußerungen immer kühl, vielleicht zu kühl und distanziert für einen Verein, der in der Krise steckt. Auch die Egos in der Mannschaft bekam er nicht in den Griff. Der kroatische Nationalspieler Borna Sosa beschwerte sich während einer Länderspielreise in einem Interview heftig über die Zustände beim VfB und fühlte sich benachteiligt, weil er von Weinzierl nicht eingesetzt wurde - das ist immer ein Zeichen dafür, dass es in der Mannschaft nicht stimmt. Und es ist die Hauptaufgabe des Trainers, die Egos zu managen. Die "Bild"-Zeitung sprach davon, dass Weinzierl die "Mannschaft verloren" und "wilde Aufstellungen" ausprobiert hätte - auch das ist meist ein Zeichen von Ratlosigkeit.

Möglicherweise ist Weinzierl auch in dieser kritischen Phase seiner Karriere angelangt, weil er sich für die falschen Klubs entschied. Schalke und Stuttgart sind Vereine mit hohem Trainerverschleiß, notorisch unruhig und oft mit übersteigerten Anspruchshaltungen. Das Gegenbeispiel ist aktuell Ralph Hasenhüttl. Der frühere Trainer des VfB Leipzig wurde genauso in den Himmel gelobt und galt als ernsthafter Kandidat bei den Bayern, aber Hasenhüttl sagte ganz offen, dass er sich das nicht zutraue. Er trainiert nach einer Auszeit den englischen Abstiegskandidaten FC Southampton und führte die Mannschaft aus der Abstiegszone. Er sitzt fest im Sattel.

Quellen: "Bild", "Süddeutsche Zeitung", "sportschau", "Stuttgarter Nachrichten" "transfermarkt.de"

Wissenscommunity