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International: Fünf überschätzte Spieler

"Zu teuer" und "ruft seine Leistung oft nicht ab", lauteten vor kurzem die Urteile von Jürgen Klopp über Lukas Podolski. Wir haben fünf Beispiele für Fußballer gefunden, auf die in den Augen unserer Redakteure diese Aussagen passen. Und Lukas Podolski ist dabei.

Jeder Sport-Interessierte kennt mindestens einen Fußballer, der in seinen Augen völlig überschätzt wird. Spieler, die von den Medien in den Himmel gehoben werden, aber die in sie gesetzten Erwartungen letztlich nicht erfüllen. Die sogar auf hohem Niveau spielen, aber den letzten Schritt nie machen konnten. Fünf Redakteure haben sich ihre Musterbeispiele dieser Kategorie ausgesucht.

Zlatan Ibrahimovic

Henning Schulz: "Für mein Empfinden bin ich der Stärkste von allen", wurde Ibrahimovic erst kürzlich wieder anlässlich der Wahl zum Weltfußballer des Jahres zitiert. "Ich brauche definitiv keinen Goldenen Ball, um zu demonstrieren, dass ich die Nummer eins bin", zitierte laola1.at den Schweden. An Selbstvertrauen hat es Zlatan noch nie gemangelt, aber die Diskrepanz zwischen Selbstempfinden und tatsächlicher Leistung ist bei ihm so groß, wie bei keinem anderen Spieler der Welt.

In Barcelona hatte er die große Chance, Titel en masse zu holen und sich als Stürmer im besten Club-Team der Welt zu beweisen - und versagte komplett. Aber nicht ohne die Schuld bei anderen zu suchen, anstatt bei sich selbst. Lionel Messi und Coach Josep Guardiola seien Schuld gewesen, dass es für ihn nicht klappte bei Barca, offenbarte Ibrahimovic in seiner Autobiografie. Wahrhaft große Spieler aber machen alleine den Unterschied und führen auch ihre Nationalmannschaft gerne mal zu unbekannten Höhen, wie zum Beispiel Diego Forlán mit Uruguay es tat. Bei Ibrahimovic klappte dies weder mit dem Club, noch mit der schwedischen Nationalmannschaft.

Theo Walcott 

Sven Kittelmann: Es gibt Spieler, die in jungen Jahren so sehr mit Vorschusslorbeeren überhäuft wurden, dass eine gute Karriere schnell mit dem Label "ewiges Talent" versehen wird. Michael Sternkopf ist das Musterbeispiel, auch Lars Ricken gehört dazu. Bei Theo Walcott sollte das Urteil eigentlich noch ausstehen, doch angesichts des großen Brimboriums um seine Verpflichtung von Arsenal im zarten Alter von 17 Jahren und seiner gleichzeitigen Berufung ins Nationalteam kann man vorerst sagen: Erwartungen nicht erfüllt.

Ja, er ist schnell und ja, man kann nicht von einer verkorksten Karriere reden. Doch Walcott scheint zu wenige Topspiele zu haben. Angesichts seiner Erfahrung könnte man von dem erst 22-Jährigen dazu durchaus erwarten, auch mal das Ruder in einem Spiel an sich zu reißen. Seine Schnelligkeit kann ihm keiner nehmen, die Spielübersicht muss er weiterhin noch lernen, um ein ganz Großer zu werden und die lang gehegten Erwartungen erfüllen zu können.

Robinho

Marcus Krämer: Ich muss zugeben, meine Meinung über Robinho ist schon seit über zwei Jahren fest in Stein gemeißelt, allerdings hat er seitdem auch nur wenig getan, um mich zu einem Umdenken zu bewegen. Im April 2009 spielte Robinho noch bei Manchester City, war mit dem neureichen Club – ich will gar nicht erst davon anfangen, wie vor dem Wechsel innerhalb von Tagen City und nicht mehr der FC Chelsea zu seinem Lieblingsclub wurde – in der Europa League beim HSV zu Gast und bot eine an Arroganz und Überheblichkeit kaum zu überbietende Leistung.

Mittlerweile ist der Brasilianer beim AC Mailand gelandet und holte mit den Rossoneri im Sommer den Scudetto. Ganz erfolglos ist er demnach nicht, aber viel mehr als seinen doppelten Übersteiger hat er doch nicht zu bieten. Robinho ist zwar schnell und besitzt auch eine gute Schusstechnik, aber er ist auch leicht auszurechnen und vor allem fehlt ihm die Konstanz für eine ganz große Karriere.

Lukas Podolski 

Malte Asmus: Auf die Gefahr hin, jetzt als "Vaterlandsverräter" zu gelten - Podolski ist für mich der Inbegriff des völlig überschätzten Spielers. Der Hype um ihn ist deutlich größer, als er aufgrund seiner sportlichen Leistung eigentlich sein dürfte. Natürlich ist er ein guter Fußballer, hat enormes Potenzial, spielt eine starke Hinrunde, ist mit Abstand der beste Spieler in Köln. Aber soll das etwa ein Qualitätssiegel sein? Sorry, aber von einem Spieler mit fast 100 Länderspielen, der mal Rekordnationalspieler werden könnte und - wenn wir noch ein paar Mal gegen Liechtenstein und San Marino spielen - vielleicht sogar Rekordtorschütze, erwarte ich deutlich mehr.

Vor allem endlich einmal auch über einen langen Zeitraum konstant gute Leistungen. Und dann sollte er nicht nur Führungsspieler eines Mittelklasse-Teams sein und nur dort brillieren, wo man den roten Teppich ausrollt und ihn mit Samthandschuhen anfasst. Bei Bayern hatte Podolski gezeigt, dass er das nicht kann oder bisher nicht konnte. Aber er ist ja noch jung und hat Zeit genug, mich erneut zu überraschen - wie vor einigen Tagen. Denn eine derart schlagfertige Replik, wie er sie auf die Kritik von Jürgen Klopp parat hatte, hätte ich Poldi auch nicht zugetraut.

David Luiz

Michel Massing: Kennen Sie David Luiz? Das ist der sympathische Lockenkopf von Chelsea, der wie Sideshow Bob von den Simpsons aussieht und überall auf dem Spielfeld zu finden ist, nur nicht da, wo er eigentlich spielen soll. Wenn Sie glauben Lucio hätte einen ausgeprägten Offensivdrang gehabt, dann schauen sie sich mal Sideshow Bob, Entschuldigung, David Luiz an. Aber nun zu den Fakten. David Luiz wechselte für 30 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Chelsea. Er ist dort in dieser Saison ein ständiger Unsicherheitsfaktor. Nicht nur aufgrund der taktischen Änderungen (hochstehende Viererkette) ist die Chelsea-Defensive nicht mehr das, was sie einmal war.

Im gesamten Chelsea-Kader hat Luiz die schlechtesten Tacklingwerte (Quelle: whoscored.com). Zu seinen Schwächen gehören neben dem Tackling auch das Kopfballspiel und vor allem das Stellungsspiel. Für einen Abwehrspieler sind das schon eklatante Defizite. TV-Experte Gary Neville hatte vor kurzem auf Sky-Sport kritisiert: "Er bewegt sich, als ob ihn ein Zehnjähriger auf der PlayStation steuert." Man muss Luiz zugutehalten, dass er stark im Passspiel und gut in der Balleroberung beim Pressing agiert. Dennoch bin ich der Meinung, dass sich ein Abwehrspieler einer der Top-Mannschaften der Welt so viele Schwächen in den primären Defensivtugenden nicht leisten kann.

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