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International Neues aus der Süper Lig


Für Besiktas ist die Saison nach der bitteren Derbyniederlage fast gelaufen. Für Theofanis Gekas hat sie gerade erst begonnen. In Ankara lief ein Fanatiker Amok, und Emre, der Fener-Fan ist optimistich. Aber das ist er ja eigentlich immer. Neues aus der Süper Lig.

Wie immer lagen in der türkischen Süper Lig an diesem Wochenende Freud und Leid dicht beieinander. Wir stellen Gewinner und Verlierer eines hektischen Spieltags vor. 

Match der Woche

Für unser Match der Woche kommt nur das erste Derby des Jahres in Frage. Fenerbahce empfing Besiktas im heimischen Sükrü-Saracoglu-Stadion. Die Vorzeichen im 330. Aufeinandertreffen konnten nicht unterschiedlicher sein. Während die Kanarienvögel mit der Bestbesetzung planen konnten, stutzten gleich acht Ausfälle die Spannweite der Schwarzen Adler. Darunter prominente Namen, wie die von Ricardo Quaresma, Roberto Hilbert, Mehmet Aurelio und Hugo Almeida.

Erwartungsgemäß dominierte Fener zu Beginn die Begegnung und verdiente sich die Führung durch Yobo. Leider ließen sich einige Akteure auf dem Feld von der hitzigen Stimmung einiger Chaoten auf den Rängen anstecken und das temporeiche Spiel erlitt einen gewaltigen Bruch. Drei Gelbe Karten (Simao, Emre und Kavlak) und einen lauwarmen Pausentee später beruhigten sich die Gemüter aber wieder und man konnte wieder spielerisch von sich reden machen.

Nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer ein anderes Spiel. Besiktas bestimmte nun das Geschehen und drückte auf den Ausgleich. Aber wie schon bei der Niederlage gegen Mersin und in Kayserispor ließ man alle Chancen ungenutzt. Ex-Werderaner Fabian Ernst vergab auch beste Möglichkeiten und ließ den schwarzen Anhang wehmütig vom anderen, treffsicheren Ex-Werderaner Hugo Almeida schwadronieren. Im letzten siegreichen Duell hatte sich Almeida gegen Gaziantepspor gleich zweifach in die Herzen der Fans geschossen. Den Schlusspunkt setzte diesmal aber Feners Neuzugang Moussa Sow. Der 10-Millionen-Mann aus Lille sorgte in der Nachspielzeit mit seinem ersten Treffer für den 2:0-Entstand.

Der Spieltag in der Übersicht

Zerplatzende Träume waren an diesem Wochenende in Trabzon zu beobachten. Im letzten Jahr wäre der Schwarzmeer-Club beinahe am Grünen Tisch zum Meister erklärt worden - der weiterhin schwelende Bestechungsskandal um Fenerbahce war die Ursache. Dieses Jahr, so der Wunsch der fanatischen Anhänger und der Club-Oberen, wollte und sollte man dank eigener sportlicher Dominanz den Meistertitel in den Schwarzmeer-Himmel recken. Doch bisher lief die Saison enttäuschend. Da die Hoffnung jedoch zuletzt stirbt, lautete die Rechnung folgendermaßen:

Galatasaray setzt sein Formtief fort, Fener unterliegt im Derby gegen Besiktas und man selber haut Antalyaspor vom Rasen. Denkste! Eine 2:1-Niederlage in Antalya setzte allen Rechenspielen ein jähes Ende. Mustafa Yumlu konnte den frühen Rückstand, erzielt durch Mehmet Boyraz, zwar noch ausgleichen. Doch nach dem Elfmetertreffer durch Tita musste Trabzon die Heimreise an die Schwarzmeerküste ohne Punkte antreten. 12 Punkte Rückstand auf den Erstplatzierten Galatasaray  lassen nur noch die allergrößten Trabzonfans von der Meisterschaft träumen.

CimBom hat seinerseits seine Vormachtstellung mit einem 2:1-Sieg in Gaziantep bestätigen können. Dass dabei ausgerechnet Rückkehrer Necati Ates die Löwen mit seinem Ausgleich zum 1:1 zurück ins Spiel brachte, machte die Begegnung reif fürs Märchenbuch. Manch einer musste dabei an die Rückkehr Zidans nach Mainz denken. Den Buchdeckel machte der Schwede Johan Elmander drauf.

Ein weiterer großer Verlierer dieses Spieltags sind die Schwarzen Adler von Besiktas. Sie haben nicht nur das prestigeträchtige Derby gegen Fenerbahce verloren. Nach der zweiten Niederlage in Folge ist auch der Anschluss an Spitzenreiter Galatasaray futsch. Mit neun Punkten Abstand kann sich der Gymnastik Klub aus Istanbul von allen Titelträumen verabschieden.

Mann der Woche

"Ein Grieche erobert Chicago" lautete einst der Titel einer US-Serie, die in den 90er Jahren die Zuschauer an die Fernsehsessel fesselte. "Ein Grieche erobert Samsun" ist jetzt ein Remake, das an der türkischen Schwarzmeerküste aufgeführt wird. Wie im Original kommt der Grieche in eine ihm völlig fremde Kultur und erobert die Herzen der Zuschauer im Sturm.

Der Hauptdarsteller ist uns nicht unbekannt. Theofanis Gekas stürmt seit letzter Woche für Samsunspor und zerlegte gleich in seinem ersten Spiel am letzten Mittwoch den haushohen Favoriten Fenerbahce in seine Einzelteile. Alle drei Treffer zum 3:1 steuerte der Ex-Frankfurter im Alleingang bei. Sein Bewegungsradius war dabei nicht größer als der, mit dem er in der Bundesliga für Furore sorgte. Zwei Tore schoss er förmlich aus dem Stand, das dritte war ein Elfer.

In Deutschland reichte das in der zweiten Liga nur noch für die Rolle des Reservisten, in der Türkei schießt man so schon mal einen Spitzen-Club ab. Aber es ist noch zu früh, um daraus einen allgemeingültigen Vergleich abzuleiten. Wir werden unseren Mann der Woche weiter intensiv beobachten.

Übrigens, von "Ein Grieche erobert Chicago" wurden acht Staffeln gedreht. In Deutschland war die Serie allerdings nur mit der ersten Staffel wirklich erfolgreich. Und bei Samsuns nächstem Spiel am Montagabend in Karabük wurde leider schon wieder der andere Gekas gesehen, der gar nicht ins Spiel fand…

Aufreger der Woche

Den einen oder anderen Gewaltfilm zu viel scheint der Verrückte gesehen zu haben, der vor der Mitgliederversammlung von Ankaragücü am Sonntag wahllos in die Menge schoss. Dabei soll der unerkannt verschwundene Schütze laut widersprüchlicher Angaben der türkischen Medien vier bis acht Personen verletzt haben. Einigkeit herrscht darin, dass keiner der Verletzten in Lebensgefahr schwebt.

Der Letztplatzierte der Süper Lig kommt somit weiterhin nicht zur Ruhe. Der Abstand zum rettenden Ufer scheint unerreichbar groß zu sein. Und auch der neue Vorstand um einen gewissen Muhammet Ilıcan steht sogleich in der Kritik. Der neue Vorsitzende musste sich auf der Versammlung den Vorwurf gefallen lassen, kein Anhänger des Vereins zu sein. Er entgegnete, es gehe gar nicht darum, seit wann man Fan des Clubs sei, sondern vielmehr, dass man ihm helfen wolle. Eingefleischte Supporter wünschen sich von ihrem Präsidenten sicherlich mehr Stallgeruch - nicht nur in der Türkei.

Gerücht der Woche

Stallgeruch wünscht man sich natürlich auch in den Nationalmannschaften. Wir erinnern uns an den Nationalspieler Paulo Rink, dessen Berufung Berti Vogts 1998 eine Menge Ärger einbrachte. Ähnlich war der Fall gelagert, als man in der Türkei einen Brasilianer namens Marco Aurélio als Mehmet Aurelio einbürgerte. Dieser konvertierte zwar zum Islam, wurde aber dennoch nicht von allen Seiten herzlich im Nationalteam begrüßt.

Etwas völlig anderes scheint es aus türkischer Sicht jedoch zu sein, wenn man versucht, Talente mit türkischen Wurzeln zu einem Einsatz in der Nationalmannschaft im Herkunftsland ihrer Eltern zu überzeugen. Der Streit zwischen DFB und TFF schwelt seit Jahren. Berühmteste Objekte der Begierde bisher: Mesut Özil, Nuri Sahin, die Altintop-Brüder, Mustafa Dogan.

Nun kommt ein neuer Name hinzu, bei dem der türkische Verband verlautbaren lässt, zumindest einen Punktsieg gelandet zu haben. Cüneyt Köz ist 19 Jahre alt, Innenverteidiger und spielt in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München. Kein Geringerer als der neue türkische Nationaltrainer Abdullah Avci soll den Jungspund in einem persönlichen Gespräch davon überzeugt haben, für die U 21 der Türkei zu spielen. Unsere Prognose: Diese Art von Abwerbeversuchen wird uns noch einige Jahre beschäftigen.

Frage der Woche an Emre, den Fener-Fan

sportal.de: Wie hast du das Spiel gegen das doch stark ersatzgeschwächte Besiktas gesehen? Hast du nach dem Gekas-Debakel eine Leistungssteigerung ausmachen können?

Emre, der Fener-Fan: "Bei Derbyspielen zählt einzig das Ergebnis und nicht, ob dieses auch verdient sei. Am Ende der Saison interessiert es doch keinen, dass Fener beim 2:0 Sieg gegen Besiktas nicht den allerbesten Fußball spielte. Bei Istanbuler Derbys zählt einzig das Ergebnisprinzip und nicht etwa das Leistungsprinzip.

An das Spiel in Samsun kann ich mich nicht mehr erinnern."

Serkan Agci und Bülent Yaman

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