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International: Neues aus der Süper Lig

Schwarzer Stahl, das ist die Welt von Kardemir Karabükspor, der Malochermannschaft aus der Abstiegszone. An diesem Metall biss Fenerbahce sich die Zähne aus. Ein Funktionär plant derweil ein Comeback, und Eric Gerets sah sich ganz unverbindlich ein Gala-Spiel an... Neues aus der Süper Lig.

Die türkische Süper Lig hat am letzten Wochenende ihre Geschichten nicht nur auf den Fußballfeldern geschrieben. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Geschehnisse auf und neben den Stadien des Landes.

Match der Woche

Die Überraschung des 26. Spieltages ist unser Match der Woche. Von Kardemir Karabükspor hat man in Europa bisher wenig gehört, gesehen oder erwartet. Der Club aus der westlichen Schwarzmeerregion besteht seit Ende der 1960er Jahre und hat noch nicht viel gerissen im türkischen Fußball. Zur Zeit spielt man in der fünften Saison überhaupt in der höchsten türkischen Liga. Wie immer geht es gegen den Abstieg.

Prägend für Provinz und Region ist das große Stahlwerk in der Provinzhauptstadt Karabük. Es überrascht daher nicht, dass der Vereinsname Kardemir mit „schwarzer Stahl“ zu übersetzen ist. Wir haben es also mit Malochern zu tun - neben, aber auch auf dem Platz. Der Star der Kämpfer-Truppe ist dessen Trainer Bülent Korkmaz. Einst eine Art Libero im legendären Halbfinal-WM-Team der Türken aus dem Jahr 2002. In diesem Zusammenhang noch viel wichtiger: Korkmaz bestritt alle 428 Liga-Spiele seiner Karriere für Galatasaray. Umso engagierter dürfte seine Ansprache ans Team vor der Partie gegen seinen „Lieblingsgegner“ Fenerbahce gewesen sein.

Das Team scheint sehr gut zugehört zu haben. Karabükspor nutzte die Unzulänglichkeiten des ewigen Meisterschafts-Favoriten, um dessen Schwarzmeer-Trauma und Auswärtsschwäche zu verfestigen. Die letzten drei Auswärtspartien gingen verloren, allesamt gegen Underdogs. Der Derby-Sieg gegen Besiktas in der letzten Woche dürfte kaum beruhigend auf die Anhänger einwirken.

Denn in diesem Jahr wird die türkische Meisterschaft in einer Play-Off-Runde unter den ersten vier Teams der Süper Lig ausgespielt - in Hin und Rückspiel! Weniger interessant war daher die Tatsache, dass die Tore Karabüks durch Cernat und Birol aus individuellen Fehlern von Stoch und Serdar resultierten. Alex de Souzas Elfmeter-Fehlschuss nur eine Minute nach seinem Anschluss-Treffer zum 1:2 schmerzte die Kanarienvögel immens. Im taktischen Verhalten des Rekordmeisters bei Auswärtspartien wird nun seitens Presse und Anhängerschaft der Grund für die Niederlagen gesucht.

Der Spieltag in der Übersicht

An sich ist die Diskussion über die Fener-Taktik der richtige Ansatz, sollte man meinen. Der einzige, der das anders zu sehen scheint, ist Trainer Aykut Kocaman. Zur Verwunderung trug besonders sein Rochade-Spielchen mit Caner bei. Diesen ließ er auf rechts beginnen, zog ihn dann in der ersten Hälfte auf links. Ab der 46. Minute beorderte Kocaman seinen Spieler wieder auf die rechte Seite, um ihn dann in den letzten 20 Minuten zum linken Verteidiger umzufunktionieren. Insgesamt stellten die Beobachter bei Fener ein Pressing fest, bei dem nicht alle Spieler mitmachten. Die Stars Sow, Alex und Stoch hielten sich tatsächlich fein zurück, wenn es darum ging, den Ball so schnell wie möglich in die eigenen Reihen zu bekommen.

Anders hingegen Galatasaray. Die Löwen von Trainer Fatih Terim besiegten Kayseri zu Hause mit 1:0, feierten ihren siebten Sieg in den letzten zehn Spielen und konnten die Führung in der Tabelle auf sechs Punkte ausbauen. Schütze des Goldenen Treffers am Goldenen Horn war Felipe Melo. Der brasilianische Mittelfeld-Akteur wird somit immer mehr zu einer der prägenden Figuren in den Reihen Cim Boms.

Prägend war bei der Partie der Schwarzen Adler von Besiktas bei Sivasspor höchstens der späte Gegentreffer, den die Istanbuler nach Führung durch Sivok hinnehmen mussten. Nach drei Niederlagen in Folge konnte man zwar mal wieder einen Punkt ergattern. Den Ansprüchen des Istanbuler Traditionsclubs genügt das aber nicht. Man bleibt somit auf dem dritten Rang in der Tabelle, kann sich aber nicht entscheidend von den Verfolgern absetzen.

Am hartnäckigsten erweist sich hierbei die Mannschaft der Rückrunde. Trabzonspor fegte mit 4:1 wie ein Schwarzmeer-Wirbelwind über Gaziantepspor hinweg. Das Auge des Wirbelwindes war mal wieder Burak Yilmaz. Zwei Treffer steuerte der angeblich von ausländischen Clubs umworbene Sturmführer bei. Somit sind die Weinrot-Blauen in der Rückrunden-Tabelle weiter auf Platz eins und dürfen hoffen, die Play-Offs um die Meisterschaft nach einer sehr durchwachsenen Hinrunde doch noch zu erreichen. Vater des Erfolges ist sicherlich Coach Senol Günes, der sich unter der Woche über eine weitere Ehre freuen durfte.

Mann der Woche

Auf Platz 51 in der Rangliste der besten Trainer des Jahrhunderts findet sich laut International Federation of Football History & Statistics, kurz IFFHS, ebenjener Senol Günes wieder. Basis der Rangliste sind die alljährlichen Weltwahlen in den Kategorien Vereinstrainer und Nationaltrainer. Nun mutet der Platz 51so an, als sei er nicht wirklich was wert - wenn man bedenkt, dass Felix Magath viel weiter vorn positioniert ist, wird manch einer sagen, diese Statistik ist das Papier nicht wert.

In der Türkei fand allerdings folgender Umstand besondere Beachtung: Während der immer sehr bescheiden daher kommende ehemalige Nationaltrainer Günes auf Rang 51 geführt wird, landete der in seinem Anspruch unter den ersten fünf anzusiedelnde Fatih Terim auf Platz 70 - gemeinsam mit Klaus Topmöller. Sowohl Terim als auch Günes führten die türkische Nationalmannschaft in das Halbfinale eines großen internationalen Turniers. Pech nur für Herrn Terim, dass sein größter Erfolg als Vereins-Coach, der UEFA-Cup-Sieg mit Galatasaray im Jahr 1999/2000 gar nicht in die Wertung einfloss. Es handelt sich hierbei schließlich um die Wertung in der Kategorie „Trainer des Jahrhunderts“!

Aufreger der Woche

Pech in der Rangliste - Pech auch im Verein? Terims Woche schien komplett den Bach hinunterzuwandern, als es plötzlich hieß, er solle von Eric Gerets abgelöst werden. Doch woher kam das Gerede? Der Trainer-Guru rieb sich in den letzten Wochen mit den Vorständen der Löwen. Mal ging es um Neuzugänge, mal um die Spielweise des Teams.

Am letzten Samstag tauchte beim Heimspiel gegen Kayseri dann Ex-Coach Gerets auf und verfolgte in einer der vereinseigenen Logen das Geschehen auf dem Rasen. Der Belgier war beim Afrika-Cup mit seinen Marokkanern früh ausgeschieden. Manch ein Beobachter sah in all diesen Indizien die Ablösung Fatih Terims kurz bevorstehen. Jedoch sowohl Gerets als auch Terim als auch die Vereinsspitze dementierten jegliche Spekulation und wiesen sie weit von sich.

Von einer dicken Freundschaft war die Rede, von höchster gegenseitiger Wertschätzung. Wir erinnern uns an einen ähnlichen Fall in der Bundesliga. Mirko Slomka besuchte während seiner Arbeitslosigkeit Spiele seines jetzigen Arbeitgebers Hannover 96. Er beteuerte damals, nur interessierter Beobachter zu sein. Dennoch bekam er später den Job, als Bergmann entlassen wurde. Ein Schelm, der sich in einem der beiden Fälle etwas Böses dabei dachte und denkt.

Gerücht der Woche

Mehmet Ali Aydinlar wird wieder Präsident der TFF. Keine zwei Wochen ist es her, dass er als Präsident des türkischen Verbandes zurücktrat. Es sind die Nachwehen des Manipulationsskandals, die den türkischen Fußball weiterhin erschüttern. Aydinlar sprach sich zunächst für ein hartes Vorgehen gegen alle Teams aus, die involviert waren. Dann schien er eine gemäßigtere Position einnehmen zu wollen. Plötzlich hieß es, die TFF wolle auch Besiktas und Trabzonspor aus dem laufenden europäischen Wettbewerb nehmen.

Diese Spekulationen brodelten in der Öffentlichkeit und brachten dem Spitzenfunktionär eine extrem schlechte Presse ein. Seine Reaktion war der Rücktritt und Beschwerden über die miese Behandlung. Nun soll er bei der Wahl am 27. Februar doch wieder antreten und den türkischen Fußball von den Negativ-Schlagzeilen befreien. 14 Club-Chefs aus der ersten Liga haben sich zusammengetan, um ihn zu überzeugen. Ob es gelingt, werden wir berichten. Das einzige, wovon man sicher ausgehen kann, ist, dass die Aufarbeitung des Skandals ein extrem langwieriger Prozess wird.

Frage der Woche an Emre, den Fener-Fan

sportal.de: Nach der doch sehr überraschenden Niederlage gegen Karabükspor beträgt der Abstand zu Galatasaray nun schon sechs Punkte. Warum glaubst du, dass Dein Club noch immer der Titelfavorit ist? Was stimmt nach der dritten Auswärtspleite in Folge noch optimistisch?

Emre, der Fener-Fan: „Also für mich sind es nach wie vor nur drei Punkte Abstand auf Gala. Der Sieg zu Hause gegen Cimbom am 31.Spieltag ist reine Formsache. Da ich außerdem davon ausgehe, dass Gala einige Wochen an der derben Niederlage gegen uns zu knabbern hat, werden wir schließlich auch die Play-Offs dominieren und letztlich Meister. Es läuft also alles nach Plan, es gibt gar keinen Grund, nervös zu werden.“

Serkan Agci und Bülent Yaman

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