Interview Joseph Blatter "Hallo, wenn ein Huhn geschlachtet wird"


Er ist der mächtigste Mann des Weltfußballs: Fifa-Präsident Sepp Blatter. Im Interview spricht der Schweizer über seinen Kummer wegen des Planungsstands für die WM 2010 in Südafrika und über die zunehmende Eskalation der Gewalt.

Wie ist der Planungsstand für die WM in Südafrika 2010? Was bereitet Ihnen den meisten Kummer?

Blatter: "Im Moment sind es die Unterkunft und der Transport. Die Stadien werden jetzt gebaut, das ist klar. Wir haben unser eigenes Team da unten, und die Tatsache, dass wir Horst R. Schmidt da haben, ist für uns mehr als die halbe Miete, aber die Unterkunft und das Transportsystem machen mir Sorgen. Es gibt zu wenig Flugzeuge und zu wenig Busse. Unser offizieller Partner (Emirates) würde gern Flugzeuge anbieten, aber dann eben auch Landerechte haben, aber da wäre der Partner von South African Airways nicht damit zufrieden - die Lufthansa, aber das sind logistische Dinge, die wir sicher lösen können."

Was ist mit dem Thema Sicherheit? Südafrika gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt.

Blatter: "Wenn man weiß, wo etwas passiert, kann man die notwendigen Vorkehrungen treffen. Ich sag es mal böse, im Moment macht man ein großes Hallo, wenn irgendwo in Südafrika ein Huhn geschlachtet wird. In den USA ist es auch gefährlich. Die WM findet auf jeden Fall in Südafrika statt."

Die WM 2014 geht nach Südamerika. Danach wären Nordamerika oder Ozeanien dran. Sie selbst wollten aber wieder von der Rotation abgehen.

Blatter: "Wir haben die Rotation bis 2014 festgelegt. Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder, die Rotation geht weiter oder - und das werde ich jetzt präsentieren - man soll es offen lassen. Dann gibt es auch etwas mehr Bewegung."

Bei Bewerbungen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele regiert inzwischen Kostengigantismus. Befürchten Sie eine ähnliche Entwicklung bei der WM-Vergabe?

Blatter: "Nein, bei uns gibt es auch nicht so einen Riesenrummel um die Vergabe einer WM. Der Fußball wird weniger politisiert als Olympia."

Was könnte denn das IOC vom Fußball lernen?

Blatter: "Ich werde mich mit dem IOC-Präsidenten zusammensetzen und genau über diese Themen reden. Ich habe die Lösung nicht, aber ich möchte ihm vorschlagen, wie wir das machen. Wir machen es eigentlich einfach. Bei uns muss ein Kandidat die Infrastruktur haben. Wir würden nicht in ein Land gehen, dass noch nie Fußball gespielt hat und bei Null anfangen muss und noch keinerlei Einrichtungen hat. Das würde viele Kandidaten schon ausschließen."

Und was halten Sie von einer Doppelbewerbung?

Blatter: "Ich bleibe nach wie vor bei der Überzeugung, dass, wenn ein Verband das alleine organisieren kann, es viel besser ist als zwei. Korea und Japan war eine sportpolitische Entscheidung, und dann haben wir zwei Weltmeisterschaften gehabt, eine in Korea und eine in Japan. Das würde ich nicht mehr machen."

Wie beurteilen Sie die Chancen für Deutschland, die Frauen-WM 2011 zu bekommen?

Blatter: "Das ist eine gute Bewerbung. Wenn Deutschland eine Bewerbung macht, ist es immer eine gute Bewerbung. Ich habe die anderen Bewerbungen noch gar nicht gesehen. Ich habe mit dem DFB und Franz Beckenbauer über das Thema gesprochen, da ist schon was los. Wenn man den Erfolg der WM 2006 in Deutschland bei den Frauen wiederholen kann, würde das den Frauen-Fußball weit voranbringen. Die Chancen von Deutschland stehen gut."

Was ist im Moment für Sie im Weltfußball die größte Sorge?

Blatter: "Die größte Sorge ist für mich die Eskalation der Undiszipliniertheiten und der Gewalt. Das hat man gegen Ende der Spielzeiten in Europas Top-Ligen gesehen und zwar nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch wenn Spieler aufeinander losgehen. Da stimmt etwas nicht. Die gesellschaftliche Verantwortung beginnt bei den Spielern und bei den Trainern. Da wird es von unserer Seite aus mehr Druck und mehr Dialog geben. Außerhalb Europas beschäftigt mich die Sicherheit in den Stadien."

Ist das Ihre letzte Amtsperiode?

Blatter: "Das kann ich nicht sagen. Jetzt mache ich erstmal diese. Ich mache meine Arbeit und dann sehen wir weiter. Ich kann das jetzt noch nicht sagen, sonst wäre ich ja im Leerlauf. Ich kann nicht im Leerlauf sein. Ich muss auf dem Spielfeld sein."

Sven Busch/DPA DPA

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