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Interview mit Marcell Jansen: "Es ist schwer, das Geschäft zu verstehen"

Seit der EM weiß er, wie sich ein Sündenbock fühlt: Marcell Jansen über die Härte der Branche, Weihnachten bei der Großfamilie und den Wechsel vom FC Bayern zum HSV, mit dem Jansen am Donnerstagabend im Uefa Cup gegen Unirea Urziceni antritt.

Herr Jansen, haben Sie in Hamburg schon eine Bleibe gefunden?

Nee, da war noch keine Zeit, ich war ja auf Länderspiel-Reise. Meine Freundin Julia löst gerade alles auf in München und schaut sich in Hamburg um. Sie war früher eine sehr gute Reiterin, und ihr Traum ist jetzt, in der Nähe unserer Wohnung einen Reitstall mit kleiner Restauration zu pachten. Das wäre super für uns.

Sie würden selbst mit ausmisten?

Ja, sicher, wir haben ja zwei Pferde, zwei Hunde, und ich bin gerne an der frischen Luft. Ich komme aus einem Dorf, meine Freundin kommt aus einem Dorf, wir verbringen zwar einen Teil unserer Freizeit gerne mit Freunden in der Stadt, aber auf dem Land fühlen wir uns einfach wohl.

Und nun sind Sie als der Fußballstar in die Geschichte eingegangen, der im Funkloch lebte und der Bundestrainer Joachim Löw nicht informieren konnte, dass er den FC Bayern verlässt. Sind Sie aus der Zeit gefallen?

Was sollte ich machen? Bei uns in Aying, wo wir neben einem Pferdestall wohnten, hatte ich keinen Empfang. Wenn ich vom Festnetz aus anrief, war meine Nummer unterdrückt, und der Trainer hat nicht abgenommen. Ich wusste nicht, wie man diese Nummernunterdrückung ausstellt.

Sagen Sie mal: Wieso kehrt man als 22-jähriger Nationalspieler dem FC Bayern den Rücken, der doch gerade die Zukunft erobert?

Mein Bauchgefühl sagte mir einfach: wechseln. Ich hatte meine Perspektive offen angesprochen. Was ich von Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann gehört habe, hat mich nicht überzeugt, der HSV wollte mich unbedingt, und dann war ich eben weg.

So einfach?

So einfach, ja. Mittwoch auf dem Weg zum Training dachte ich: Ich spiele noch lange in München, tags darauf war alles anders.

Und dann ging es so schnell, dass Sie sogar Ihre Fußballschuhe vergaßen.

Am Mittwochabend war klar, dass ich nach Hamburg fliegen würde. Dann Donnerstagmorgen zum Baumarkt, Umzugskartons kaufen, von den Mitspielern bei Bayern verabschieden. Die Schuhe sind dabei nicht mitgekommen.

Wenigstens eine schlaflose Nacht gehabt?

Nee, ich bin da locker. Ich tu keinem was, ich bin immer offen und ehrlich. Mein Vater ist Warenannahmeleiter bei Kaiser's, ich komme aus gesunden, normalen Verhältnissen. Von meiner Entscheidung war ich überzeugt.

Sie waren einer der umschwärmten jungen Bayern-Stars - werden Sie nicht das P1 vermissen, die legendäre Promi-Disco?

Oh, ich war, glaube ich, nur zwei-, dreimal abends in München unterwegs. Wenn man nicht immer ausgeschlafen sein müsste, wäre das was anderes. Muss man aber sein.

Wie fühlt es sich an, wenn man neun Millionen Euro Ablöse gekostet hat?

Daran denke ich gar nicht. Ich gehe auf den Platz und mache mein Ding. Man muss Sachen außen vor lassen können. Wir haben beim HSV eine starke Mannschaft, wir wollen diesen Samstag Leverkusen schlagen, wir wollen richtig was erreichen, das ist klar. Das ist auch wichtig, denn ich bin total ehrgeizig. Besonders geprägt hat mich aber der Abstiegskampf in Mönchengladbach. Wenn Existenzen in Gefahr sind, da hört der Spaß auf. Bei der Borussia hingen damals Arbeitsplätze von uns Spielern ab.

Wie geht man mit der Verantwortung um?

Ich will mir nichts vorwerfen müssen. Ich trainiere gut, lebe gesund. Dann habe ich ein ruhiges Gewissen.

Sie sind einer der wenigen Fußballprofis, die unverstellt wirken. Die ungefiltert reden.

Vielleicht, weil ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Ich war ja vor dem Jahr in München 14 Jahre lang in Mönchengladbach. Viele meiner Freunde kenne ich, seit ich laufen kann. Die sagen, dass ich derselbe bin wie früher. Auch meine Familie, all meine Tanten und Onkel. Mein Papa hat neun, meine Mama sechs Geschwister, wir sind schon 'ne Großfamilie. Weihnachten komm ich zum Beispiel zur Tür rein, und da ist alles wie immer. Man kann eh nur zwei Schnitzel essen, sagt man bei uns am Niederrhein.

Bei der EM wurden Sie schwer kritisiert, doch Sie haben sich nicht verkrümelt.

Warum auch? Ich bin da, wenn ich von Journalisten gefragt werde. Aber klar ist auch: Ich habe keine besondere Unterstützung von den Medien erhalten, nie.

Das haben Sie nach der Pleite gegen Kroatien zu spüren bekommen?

Richtig. Da machst du vorher 27 gute Länderspiele, dann verschuldest du dieses Tor, machst einen Fehler, okay, und sofort kommen Experten aus der Ecke und sagen: na ja, der Jansen.

Das tat weh?

Klar. Intern spürte ich aber Rückhalt, von den Trainern. Was ich eben nicht mache: Ich lasse mich nicht locken, egal, ob ich 19 oder 22 bin und mehr oder weniger Geld auf dem Konto habe, ich mache nicht bestimmte Geschichten mit Medien, um bessere Noten zu bekommen.

Tun das andere Spieler?

Sagen wir mal, es gibt Auffälligkeiten bei dem einen oder anderen. Ich kritisiere das nicht, ich sage nur: Ich mache so was nicht. Bei mir ist viel passiert in den letzten Jahren. Ich habe jetzt fast 100 Bundesligaspiele, war bei der WM, der EM, erlebe in Hamburg den dritten Traditionsverein. Am Anfang habe ich gedacht: Man muss im Fußballgeschäft brutal viel einstecken. Jetzt lache ich mich über manche Dinge kaputt. Manche Spielkritiken zum Beispiel.

Sind Sie heute glücklicher als vor Ihrer Profi-Karriere?

Die Frage beantworte ich nicht so gern.

Weil die Frage zu groß ist?

(überlegt) Wenn man seinem Weg treu bleibt und weiß, worauf es im Leben ankommt, ist man selbst verantwortlich für sich. Und auch für die Antwort.

Das klingt jetzt sehr rational.

Es ist nicht so leicht, das Geschäft zu verstehen. Man muss bewusst leben. Einen Leitrahmen haben. Es versucht ja inzwischen jeder Fußballer, besonders zu sein. Sei einfach, und du bist in diesem Beruf schon besonders. Das ist mein Leitspruch.

Aber fühlen Sie sich als Profi glücklich?

Ja. Nur habe ich mittlerweile gesehen, wie das ist, wenn die Maschine anspringt. Wenn man, wie ich nach dem Kroatien- Spiel, von fast allen Seiten auf die Fresse bekommt. Das hat mich nach vorne gebracht. Ich sagte mir: Die Kritik stimmt. Aber: Es ging um ein Fußballspiel, nur um ein Spiel. Ich will das nicht schönreden, aber die greifen sich eben den Jüngsten raus. Das hat meinen Blick geschärft. Ich dachte eigentlich auch, meine gute zweite Halbzeit im Finale bringt mir wieder was ein, Pluspunkte. Aber das zählte nicht.

Sind Sie noch enttäuscht, wütend?

Ich bin froh, dass es so kam. Das hätte ich sonst in zehn Jahren nicht gelernt. Ich habe auf die Schnelle kapiert, was läuft.

Interview: Wigbert Löer

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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.