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Italien beim Confed Cup blamiert: "Italien - eine Schande!"

Trainer Marcello Lippi zeigte Nerven, Luca Toni sprach von einem "Desaster", und der sonst so stolze Kapitän Fabio Cannavaro schlich mit hängendem Kopf aus dem Loftus Versfeld Stadion von Pretoria: Fußball-Weltmeister Italien beklagt nach dem blamablen Aus beim Confederations Cup in Südafrika das Ende einer Ära.

Der stolze Weltmeister Italien ist beim Confederations Cup von Brasilien vorgeführt und gedemütigt worden. "Alt und geschlagen: Die Helden sind k.o. - das traurige Ende des Märchens von Berlin. Ein Jahr vor der WM muss die Nationalelf erneuert werden", kommentierte die Zeitung "La Repubblica" das blamable 0:3 (0:3) gegen Titelverteidiger Brasilien. "Wir sind im Moment nicht konkurrenzfähig, so wie unsere Liga", sagte Torwart Gianluigi Buffon.

"Wir waren Mumien, und wir bleiben Mumien"

"Italien - eine Schande!", titelte "Corriere dello Sport". "Italienische Finsternis. Wir waren Mumien, und wir bleiben Mumien" schrieb die "La Gazzetta dello Sport" in Anspielung auf die Pleite zuvor gegen Ägypten. Verbandspräsident Giancarlo Abete macht sich für die WM jedoch "keine Sorgen" und meinte: "Das war zu hässlich, wir sind verdientermaßen ausgeschieden. Man sollte aber jetzt nicht mit den Weltmeistern abrechnen, sie sind nicht zu alt. Das Problem war, dass sie nicht in Form waren."

Mit grimmiger Miene erschien Lippi am Sonntagabend bei der Pressekonferenz. Während draußen in der Arena ein paar brasilianische Fans im Siegesrausch eine Kopie des WM-Pokals schwenkten, schien die goldene Aufschrift "italia" auf der grauen Trainingsjacke des Nationaltrainers bereits verblasst. Warum er nicht mehr junge Spieler bringe und den Generationswechsel beim vierfachen Weltmeister vorantreibe? "Junge Spieler, junge Spieler!", bläffte er die Journalisten an. "Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Giuseppe Rossi war bei allen drei Spielen dabei. Ich kann doch nicht alle ins kalte Wasser werfen."

Trotzig erklärte der 61-Jährige: "Wir sind raus und das tut uns sehr leid, aber wir gehen unseren Weg weiter. Die Zukunft wird anders sein." Warum er die Mannschaft nicht in der Halbzeit wachgerüttelt habe? "Wachrütteln! Wachrütteln! Wachrütteln! Ihr sagt immer, wachrütteln. So einfach funktioniert das nicht."

Luca Toni der große Verlierer

Zu den großen Verlierern in der Squadra Azzurra gehörte Luca Toni: Der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig spielte zwar erstmals bei der Mini-WM von Anfang an, machte gegen seinen Bayern-Kollegen Lucio aber keinen Stich, wurde ausgewechselt und muss nun um seine WM-Teilnahme bangen. "Toni ist nur noch ein Gespenst des einstigen Mittelstürmers", urteilte die "La Gazzetta dello Sport". Der Angreifer gab sich wenigstens selbstkritisch: "Wir sind ausgeschieden, weil wir nicht fit waren. Der Confed-Cup muss uns eine Lehre sein. Wir sind nicht mehr das Italien der Weltmeisterschaft. Wir müssen arbeiten, um wieder auf so ein Niveau zu gelangen."

Der Rekord-Weltmeister Brasilien hatte sich seinen ersten trainings- und reisefreien Tag seit drei Wochen am Montag redlich verdient. "Das Wichtigste ist, dass sich die Mannschaft entwickelt. Immer wenn wir über einen längere Zeitraum zusammen arbeiten können, erzielen wir gute Ergebnisse. Die erste Halbzeit war exzellent", sagte Superstar Kakà. Der künftige 65- Millionen-Euro-Mann von Real Madrid hatte zusammen mit dem ebenfalls pfeilschnellen Robinho und dem Doppel-Torschützen Luis Fabiano die italienische Abwehr nach Herzenslust auseinandergenommen.

Luis Fabiano vom FC Sevilla, der seine Treffer Nummer zwei und drei seinen Töchtern Giovana und Gabriella widmete und nun unbedingt Torschützenkönig werden will, hielt sich vor dem Halbfinale am Donnerstag (20.30 Uhr) in Johannesburg erst gar nicht mit Höflichkeitsbekundungen an Gastgeber Südafrika auf. "Ich glaube nicht, dass es jetzt noch Überraschungen gibt. Die Sensationsmannschaft waren die USA. Das Endspiel werden mit Sicherheit Brasilien und Spanien bestreiten."

Nationaltrainer Carlos Dunga kann nun auf eine Serie von sechs Siegen verwiesen - und auf seine unverkennbare Handschrift, die Brasilien ein Jahr vor der WM trägt: schnörkelloser, blitzschnell vorgetragener Angriffsfußball und ungewohnte Zweikampfstärke. Kaum vorstellbar, dass ein Ballzauberer wie Ronaldinho jemals in diese Mannschaft zurückkehren wird. "Wenn wir dem Gegner wehtun können, dann machen wir das", sagte Dunga - und lächelte.

Ulrike John und Bernhard Krieger/DPA / DPA

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