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Neue Innenverteidigung gesucht: Nach Löws Ausbootung: Diese Kandidaten könnten auf Hummels und Boateng folgen

Die Aufregung um die Aussortierung dreier Weltmeister durch Nationalcoach Jogi Löw ist groß. Viele sorgen sich vor allem um die Defensive? Wer soll die Lücke in der Innenverteidigung schließen? Kriegen wir jetzt immer die Hucke voll? Ist die EM-Quali in Gefahr?

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Ab jetzt ist Umbruch-Zeit in der Nationalmannschaft. Nachdem Jogi Löw entschieden hat, künftig ohne die drei Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng auszukommen, wird es spannend. Ist die Nationalelf noch stark genug, um den Super-Gau zu verhindern: das Verpassen der Qualifikation für die EM 2020? Wer soll überhaupt verteidigen, wenn Hummels und Boateng nicht mehr dabei sind?

Dass sich das DFB-Team nicht für eine WM- oder EM-Endrunde qualifiziert, ist für die deutschen Fans kaum vorstellbar. Denn das ist bisher noch nie passiert. Allerdings war eine deutsche Mannschaft vor dem Turnier in Russland auch noch nie in einer WM-Vorrunde gescheitert. Zum ersten Mal seit langer Zeit herrschen Zweifel und Unsicherheit rund um die Nationalmannschaft. Löws plötzliches Aussortieren verdienter Stars hat dieses Gefühl noch vergrößert - vor allem in Hinblick auf die Innenverteidigung.

Wer folgt auf Hummels und Boateng?

Denn trotz aller unbefriedigenden Leistungen in den Länderspielen nach der WM galten Hummels und Boateng bis gestern immer noch als Bestbesetzung in dem Bereich. Und das, obwohl die beiden 30-Jährigen schon in der halbjährlich vom Fachmagazin "kicker" erstellten Rangliste des deutschen Fußballs im Januar nur noch zur Kategorie "Erweiterter Kreis" gezählt wurden. Das hat Löw nun schlagartig verändert - und während in der Offensive scheinbar reichlich Alternativen zu Thomas Müller vorhanden sind, scheinen sich in der Defensive Lücken aufzutun.

Doch auch für Hummels und Boateng gibt es Alternativen. Das sind die Kandidaten:

Niklas Süle (FC Bayern München)

Der 23-jährige Ex-Hoffenheimer dürfte Haupt-Profiteur der Demission seiner Club-Kameraden sein. Süle ersetzt bei den Bayern längst etatmäßig einen der beiden in der Abwehr des Rekordmeisters und er wird dies aller Voraussicht nach auch bei Jogi Löw künftig tun. Dass auch er die Weltklasse erreichen kann, muss er allerdings noch beweisen. Dazu wird er bald Gelegenheit haben. Süle hat aktuell 16 A-Länderspiele, in denen er ein Tor schoss.

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach)

Formal war der 25-jährige Gladbacher in der jüngsten "kicker"-Rangliste der beste deutsche Innenverteidiger in der Bundesliga. Als einziger wurde er in der Kategorie "Internationale Klasse" geführt. Durch seinen Wechsel von Dortmund an den Niederrhein hat Ginter laut Urteil vieler Experten einen großen Entwicklungsschritt gemacht und Qualitäten als Führungsspieler entwickelt. Auch in der Nationalelf überzeugte er als Außenverteidiger oder in der Dreierkette durchaus. Ginter stand in der Abwehrreihe des Confed-Cup-Siegerteams von 2017 und wurde 2014 Weltmeister, allerdings ohne eine Minute gespielt zu haben. Er hat 23 Länderspiele.

Antonio Rüdiger (FC Chelsea)

Der 26-jährige Ex-Stuttgarter dürfte zur ersten Wahl für die Nachfolge von Hummels und Boateng gehören. Er hat sich in der starken Premier League etabliert und gehört zur Stammbesetzung der "Blues". Für ihn spricht nicht nur sein robustes Auftreten, sondern auch, dass er in England ständig gefordert wird und mit dem Londoner Topclub auch regelmäßig international spielt. Wie Ginter gehört er zu der Truppe, die 2017 den Confed Cup gewonnen hat. Rüdiger ist bisher 29-Mal für Deutschland aufgelaufen und hat ein Tor erzielt.

Thilo Kehrer (Paris St. Germain)

Der 22-jährige Ex-Schalker ist erst nach der WM in Russland zum Kreis der A-Nationalmannschaft gestoßen. Die DFB-Jugendmannschaften hat er alle durchlaufen und gehört zur Europameister-Mannschaft von 2017. In seinen bisher vier A-Länderspielen wusste er zu gefallen, ohne besonders zu glänzen. Der Wechsel von den Knappen zum französischen Spitzenclub Paris St. Germain hat seine Entwicklung gefördert. In dem erstklassig besetzen Kader hat er sich etabliert und auch bereits Champions-League-Luft geschnuppert. Da er auch auf den Außenpositionen und im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, gehört er zu den Hoffnungsträgern für Löw.

Shkodran Mustafi (FC Arsenal)

Der 26-jährige gebürtige Bad Hersfelder ist zuletzt von Jogi Löw nicht mehr berücksichtigt worden und gehörte auch nicht zum WM-Kader in Russland. Warum ist nicht ganz klar. Der Deutsch-Albaner half 2014 in Brasilien den Titel zu holen und gehört zu den Confed-Cup-Siegern von 2017. Wie Rüdiger beim FC Chelsea hat sich Mustafi bei Arsenal in der Premier League etabliert und gehört zum Stammpersonal der Abwehr der "Gunners". Zudem hat er in Italien (Sampdoria Genua) und Spanien (FC Valencia) weitere internationale Erfahrung gesammelt. Ob der Umbruch in der Nationalmannschaft ihn wieder ins Blickfeld von Jogi Löw rückt, ist derzeit unklar, doch spricht schon allein seine Erfahrung auf hohem Niveau für ihn. Bisher hat Mustafi 20 Länderspiele, in denen er zwei Tore erzielte.

Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen)

Der 23-jährige Hamburger gehört seit Jahren zur Stammbesetzung der Innenverteidigung von Bayer 04. Einige Male berief Jogi Löw ihn auch schon ins A-Team, wo er bei seinen vier Einsätzen allerdings noch nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte. Dank seiner konstant guten Leistung in der Bundesliga und in den Europacup-Spielen der Rheinländer ist der Deutsch-Ivorer dennoch ständig im Blickfeld der Nationalmannschaft. Durch das Aus von Hummels und Boateng dürfte das nun noch häufiger passieren. Seine internationale Klasse konnte Tah aber noch nicht nachhaltig nachweisen.

Und sonst? Für eine Nationalmannschaft, die höchste Ziele anstrebt, drängen sich kaum Talente auf. Aus der aktuellen U21 ist lediglich Timo Baumgartl (VfB Stuttgart) in der Liga aufgefallen. Aus der U19 haben bisher nur Josip Stanisic vom FC Bayern und der Gladbacher Jordan Beyer gezeigt.

Jogi Löw hat den Umbruch in der Nationalelf ausgerufen. Dass das DFB-Team an die vielen großen Erfolge der Vergangenheit wird anknüpfen können, dürfte vorerst fraglich bleiben.

Löw-Biograf Mathias Schneider im Interview

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