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Fußball-WM in Südafrika: Friedrich und Mertesacker - günstige Verbindung

In der Nationalmannschaft gibt es kurz vor WM-Beginn ein Kommunikationsproblem. Nur gut, dass die beiden Innenverteidiger Mertesacker und Friedrich davon nicht betroffen sind. Von Klaus Bellstedt, Centurion

Der DFB tut für seine Nationalspieler alles. So wurden im Hotel Grande Velmore an jedes Mannschaftsmitglied neue Mobiltelefone, ausgestattet mit südafrikanischen Telefonkarten, verteilt. Und weil der Verband die Spieler vor Beginn der WM nicht überfordern wollte, wurden sämtliche wichtige Nummern auch schon eingespeichert. Das Dumme daran: Die Dinger funktionieren in der steppenartigen Einöde des Hotel-Komplexes nicht. „Mit den Handys ist das so eine komplizierte Sache“, berichtete Innenverteidiger Arne Friedrich auf der Pressekonferenz. „Meine Freundin zu Hause in Berlin kann ich mit dem neuen Handy gut erreichen, aber hier untereinander geht gar nichts.“

Friedrichs Innenverteidiger-Kollege Per Mertesacker wusste Ähnliches zu berichten: „Bis auf meine Mutter, die nicht nachvollziehen kann, dass ich eine neue Handynummer habe, konnten mich von zu Hause aus alle gut erreichen. Nur hier unter uns Spielern ist es unmöglich. Da funktioniert es nicht.“ Da der gebürtige Niedersache in Diensten von Werder Bremen aber nicht auf den Kopf gefallen ist, präsentierte er sogleich einen Lösungsansatz: „Ich rufe die Kollegen, die ich sprechen möchte, einfach direkt auf ihren Zimmern über das interne Hoteltelefon an. Dafür brauche ich das Handy nicht.“

Den Abstieg abhaken

Vier Tage vor dem ersten WM-Spiel am Sonntag gegen Australien funktionieren also die Handys der deutschen Nationalspieler nicht richtig. Nun ja, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel wenn die Innenverteidigung dieser Mannschaft nicht funktionieren würde. Mertesacker und Friedrich: Sollte nichts Außergewöhnliches mehr passieren, wird dieses Duo am Sonntag in Durban das Innenverteidiger-Pärchen bilden. Dass der Bremer Hüne in der Startelf stehen würde, damit konnte man rechnen - mit Friedrich nicht unbedingt.

"Ich habe schwere Zeiten in Berlin hinter mir und bin mit keinen großen Erwartungen in die WM-Vorbereitung gegangen", betonte Friedrich. "Mental und körperlich fühle ich mich aber eigentlich schon ab der Rückrunde sehr gut." Friedrich verwies auch auf eine Entwicklung in seiner Persönlichkeitsstruktur: "Ich habe viele Phasen durchgemacht und habe nun ein gesundes Selbstvertrauen." Ein weiteres Faustpfand auf dem Weg in die WM-Startelf dürfte Friedrichs Erfahrung sein: "Der Berliner ist seit acht Jahren ununterbrochen im Kreis der Nationalmannschaft dabei und kommt auf insgesamt 69 Länderspiele. Bundestrainer Löw braucht solche Spieler. Sie bilden das Gerüst dieser jungen, unerfahrenen Truppe."

Friedrich fühlt sich wohl in der Innenverteidigung

Dass Friedrich in der Nationalmannschaft nun neben Per Mertesacker in der Innenverteidigung und nicht auf der rechten Außenbahn gelandet ist, kommt dem 31-Jährigen entgegen: "Ich fühle mich dort wohler, als außen. Ich bin nicht Philipp Lahm, der 90 Minuten rauf und runter läuft.“ Und auch neben dem auf dieser Position alt eingesessenen Mertesacker fühlt sich Friedrich wohl. Wobei er am Dienstag im Hotel Grande Velmore ausdrücklich hervorhob, dass es sich in der deutschen Innenverteidigung um keine Chef-Angestellten-Konstellation handeln würde: "Per ist nicht mein Chef. Wir tragen beide große Verantwortung im Bereich Organisation."

Mertesacker, der bereits 60 Länderspiele auf dem Buckel hat, sprach von "guten Erfahrungen", die er mit Friedrich gemacht habe. Von einer möglichen Chefrolle im DFB-Abwehrverbund wollte auch der 25-Jährige nichts wissen: "Es ist wichtig, dass beide den Ton angeben. Wenn man eine Viererkette professionell praktiziert, dann braucht man keinen Taktgeber." Mertesacker betonte, dass er mit seinem Nebenmann auf einer "kommunikativen Wellenlänge" liege. In der Innenverteidigung ist Kommunikation untereinander fast genauso wichtig wie beispielweise das Stellungsspiel oder ein richtig getimter Kopfball. Gut, dass Mertesacker und Friedrich bei ihrer Kommunikation auf dem Platz nicht auf ihre neuen DFB-Handys angewiesen sind.

P.S.: Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Von Klaus Bellstedt

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