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Meinung

Verabschiedung von Hummels und Co.: So geht man nicht mit Weltmeistern um!

Joachim Löw hat relativ überraschend drei Bayern-Stars aus der Nationalmannschaft geworfen. Den Umbruch einzuleiten ist richtig, die Art und Weise aber stillos. 

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Worte wie Hammer oder Paukenschlag werden in den Medien oft überstrapaziert. Aber das, was Joachim Löw am Dienstag durchgezogen hat, kann nicht anders beschrieben werden. Der DFB-Trainer schmeißt mit Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels gleich drei Stars des FC Bayern München aus seinem Kader. Löw danke ihnen "für die vielen erfolgreichen, außergewöhnlichen und einmaligen gemeinsamen Jahre", ließ er verlautbaren. "Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben. Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist", betonte der Bundestrainer. 

Sportlich kann man sicher darüber streiten, ob es wirklich schon genügend adäquaten Nachwuchs in der Innenverteidigung gibt, um mit Hummels und Boateng gleich beide Stammkräfte auszusortieren. Auch bei Müller zeigte die Formkurve zuletzt nach oben. Nichtsdestotrotz ist die Entscheidung an sich konsequent und richtig. Löw musste aus der Katastrophen-WM irgendwann echte Konsequenzen ziehen. Bisher hatte es lediglich Khedira erwischt.

Joachim Löw führt seine Weltmeister vor

Die Art und Weise ist allerdings unwürdig. Zwar ist auch diese Formulierung überstrapaziert, aber: Die drei Herren haben sich um den deutschen Fußball verdient gemacht. Sie sind Weltmeister – und das nicht in der zweiten Reihe. Hummels, Boateng und Müller gehörten zur tragende Säule des Erfolgs von 2014. Joachim Löw ist ihnen zu ewigem Dank verpflichtet. Hat er doch mit einer der besten Generationen der deutschen Fußball-Geschichte lediglich einen Titel geholt. Ohne die drei wäre er heute vermutlich titel- und arbeitslos.

Kurzum: So geht man mit Weltmeistern nicht um. Er hätte sich "natürlich einen anderen Abschied für uns gewünscht", formuliert es Boateng arg zurückhaltend. Natürlich respektiere er den neuen Kurs. Man möchte ihn fast anschreien: Jetzt reg' Dich doch mal wenigstens auf, wenn man sowas mit Dir macht!

Dabei wäre es so einfach gewesen: Wenn Löw sie schon aus seiner Mannschaft haben will, hätte er doch hinter den Kulissen das Gespräch mit ihnen suchen können. So hätten die drei zumindest die Wahl gehabt, selbst ihren Rücktritt zu verkünden. Platz machen für die nächste Generation, Größe zeigen, Gesicht wahren. So aber werden sie von Löw vor den Kopf gestoßen und vom Hof gejagt. Es wirkt, als hätten sie den Moment verpasst, mit Anstand abzutreten. Das ist eines Weltmeisters unwürdig, aber vor allem ist es eines Weltmeister-Trainers unwürdig.

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