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Start ins Länderspieljahr: Der radikale Löw: Coach wirft drei Bayern-Weltmeister aus DFB-Team

Mit neuer Radikalität treibt Jogi Löw den Umbruch in der Fußball-Nationalmannschaft voran. Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels, die drei Weltmeister von 2014, spielen in den  Planungen des Bundestrainers keine Rolle mehr.

Blick in eine vergangene Ära: Bundestrainer Joachim Löw (r.) beim Training der Nationalmannschaft im September 2016 mit Mats Hummels (l.) und Thomas Müller

Blick in eine vergangene Ära: Bundestrainer Joachim Löw (r.) beim Training der Nationalmannschaft im September 2016 mit Mats Hummels (l.) und Thomas Müller

Joachim Löw trifft kurz vor dem Start ins Länderspieljahr die härtesten Personalentscheidungen seiner Amtszeit und mustert gleich drei ehemalige Weltmeister aus. Der Bundestrainer plant schon für die am 24. März beginnende EM-Qualifikation nicht mehr mit den Münchnern Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. "Ich danke Mats, Jérôme und Thomas für die vielen erfolgreichen, außergewöhnlichen und einmaligen gemeinsamen Jahre", wird Löw in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes zitiert. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über die überraschende Entscheidung des DFB-Chefcoaches berichtet.

Der Bundestrainer treibt nach dem WM-Vorrunden-Aus im Vorjahr in Russland und dem Abstieg in der Nations League mit der Ausmusterung der erfahrenen Nationalspieler Müller (100 Länderspiele), Boateng (76) und Hummels (70) den Umbruch im DFB-Team so radikal voran wie nie zuvor seit seinem Amtsantritt 2006. In der Nationalmannschaft gelte es nun, "die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben. Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist", sagte Löw.

Joachim Löw hatte vorher schon Khedira aussortiert

Schon unmittelbar nach dem historischen WM-Desaster im Vorjahr in Russland hatte er Sami Khedira, der ebenfalls 2014 mit Weltmeister geworden war, verabschiedet.

Es sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen, "den Spielern und Verantwortlichen des FC Bayern meine Überlegungen und Planungen heute persönlich zu erläutern", bemerkte Löw nach einem Treffen in München, bei dem auch Manager Oliver Bierhoff und Assistenztrainer Marcus Sorg dabei waren. "Sie sind alle weiterhin Spieler auf Weltniveau, die in ihrem Verein ganz vorne mitspielen und Erfolge garantieren. Sie sind große Spieler, die für eine große Zeit der Nationalmannschaft stehen. Sie haben über Jahre hinweg unendlich viel für Deutschland und die Nationalmannschaft geleistet", sagte der Bundestrainer über Müller (29 Jahre), Boateng (30) und Hummels (30).

Löw Reaktionen Twitte

Das deutsche Nationalteam startet am 24. März in Amsterdam gegen die Niederlande in die EM-Ausscheidung. Zuvor trifft die Mannschaft in einem Test am 20. März in Wolfsburg auf Serbien.

DFB-Präsident Reinhard Grindel lobte Löw für seinen harten Kurs beim Personalwechsel. "Ich begrüße es, dass Jogi Löw den Umbruch unserer Nationalmannschaft jetzt weiter entschlossen voranbringt. Der Beginn der Qualifikation für die Euro 2020 ist genau der richtige Zeitpunkt für personelle Veränderungen", wurde Grindel am Dienstag vom Deutschen Fußball-Bund zitiert.

Berti Vogts: Wenige Kandidaten für den großen Umbruch

Der frühere Fußball-Bundestrainer Berti Vogts sieht Löw dagegen in Not. "Die bittere Wahrheit ist: Für einen großen Umbruch gibt es im Moment wenige geeignete Kandidaten", schrieb Vogts in einer am Dienstag veröffentlichten Kolumne für "T-Online.de". Zwar seien Jungstars wie die Leverkusener Julian Brandt und Kai Havertz sowie Serge Gnabry vom FC Bayern und Leroy Sané (Manchester City) sehr talentiert, könnten die DFB-Auswahl aber noch nicht führen.

Antoine Griezmann

Ansonsten habe sich in dieser Saison kein Spieler durch konstante Top-Leistungen einen Stammplatz im Nationalteam verdient, urteilte Vogts. "Zwischen den jungen Talenten und der Weltmeister-Generation klafft eine bedenkliche Lücke", befand der 72-Jährige, der von 1990 bis 1998 Bundestrainer war.

Eine Reihe der aktuellen Stammkräfte in der Löw-Auswahl mache derzeit so weiter wie beim WM-Vorrunden-Aus in Russland, kritisierte Vogts. Er habe "den Eindruck, dass einige deutsche Führungsspieler satt sind. Dabei haben sie doch noch einige Jahre in ihrer Karriere vor sich. Das wäre sehr bedenklich", schrieb der Ex-Weltmeister.

Quellen: Kolumne von Berti Vogts bei T-OnlineTerminplan der Nationalmannschaft

anb / DPA

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