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Fußball-WM: Was alles schief gelaufen ist - Fünf Thesen zum WM-Aus der DFB-Elf

Turniermannschaft. Eine Maschine. Ein Panzer. Das ist der Ruf, der dem DFB-Team vorauseilt - bis jetzt. Denn in Russland fliegt die Elf schon in der Vorrunde raus. Eine Fehleranalyse zum historischen WM-Aus.

Stürmer Timo Werner steht beim WM-Spiel gegen Südkorea auf dem Platz und schlägt die Hände vor sein Gesicht

Timo Werner kann es nicht fassen: Die DFB-Elf verliert gegen Südkorea und fliegt bei der WM raus

Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft scheitert als Titelverteidiger in der WM- – und teilt damit das Schicksal der vergangenen Weltmeister Frankreich, Italien und Spanien. Aber was ist beim deutschen WM-Aus schiefgelaufen?

Schalter nicht umgelegt

Kann sich noch jemand erinnern, dass die deutsche Elf vor Turnieren gute Testspiele hingelegt hätte? Wahrscheinlich nicht. Neu ist allerdings, dass die Mannschaft dann im Turnier kein anderes Gesicht gezeigt hat. Bislang stand unter "Turniermannschaft" die DFB-Elf im Lexikon. Das könnte sich nun ändern. Denn wenn bislang auf etwas Verlass war, dann darauf, dass die deutsche Mannschaft gut ins Turnier startet und sich anschließend steigert. Das war in nicht der Fall.

Sattheit

Beim Confed-Cup-Sieg 2017 stand im Grunde eine Nachwuchsmannschaft auf dem Platz. Die meisten etablierten Profis hatten für das nachrangige Turnier abgesagt. Deswegen kämpfte sich eine hungrige DFB-Elf bis zum Confed-Cup-Sieg. Obwohl Spieler wie Leon Goretzka, Timo Werner oder Jonas Hector auch im entscheidenden WM-Spiel gegen Südkorea auf dem Platz standen, fehlte die Gier. Die DFB-Elf wirkte in der gesamten Vorrunde satt – und nicht hungrig, den die dritte Titelverteidigung der WM-Geschichte zu schaffen. Das Trainerteam um Jogi Löw hat es nicht geschafft, in der Mannschaft eine Balance zwischen den Weltmeistern von 2014 und den Confed-Cup-Siegern von 2017 hinzubekommen.

Übertriebene Debatte

Ja, Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben einen Fehler gemacht, als sie mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für ein Foto posiert haben. Die Debatte über die Aktion war notwendig, aber die Intensität und Dauer waren übertrieben. Der hat die Debatte unterschätzt, dann versucht, sie schnell zu beenden und sie insgesamt schlecht gemanagt.

Besonders für die AfD war das ein gefundenes Fressen, die ja eh findet, eine Mannschaft mit Spielern wie Boateng, Özil und Gündogan sei keine deutsche Nationalmannschaft. Was für ein Schwachsinn. Dann noch die Frage hochjubeln, wer die Nationalhymne mitsingt, und schon kommt beim Team an, dass die deutschen Fans nicht geschlossen hinter der Mannschaft stehen. Wie soll da ein Teamgefühl aufkommen? Und für wen soll man sich also richtig reinhängen? Insofern: Danke für das WM-Aus, AfD!

Auf dem Platz

Spielerisch fehlte es an Einigem: Es hat sich nie eine funktionierende Achse herauskristallisiert. Hummels fehlte verletzungsbedingt im Spiel gegen Schweden, Boateng war gegen Südkorea gelb-rot-gesperrt. Im Mittelfeld hatte Toni Kroos mit dem Freistoßtor gegen Schweden nur diesen einen Moment, in dem er sein ganzes Können zeigte. Im Grunde hat nur Mats Hummels seine Normalform erreicht. Alle anderen Spieler blieben weit unter ihren Möglichkeiten.

Die deutsche Elf beim letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea

Von der gewohnten Dominanz der war entsprechend wenig zu sehen. Dass die Gruppengegner den Favoriten Deutschland ganz genau analysieren und sich eine Taktik zurechtlegen, ist ja nun wahrlich keine Überraschung. Trotzdem wirkte es so, als habe das deutsche Team keinen Matchplan gegen tief stehende Gegner. Oder sie haben es nicht geschafft, den Plan umzusetzen. Besonders im Angriff herrschte absolute Ideenlosigkeit.

Kein Mut

Verunsicherung. Das war der stärkste Eindruck, den die deutschen Spieler bei der WM hinterlassen hat. Immer schön um den gegnerischen Strafraum herumspielen. "Selbst aufs Tor schießen? Nein, mach Du das lieber!" Und schon folgte ein Pass zum Mitspieler, der aber auch nicht besser postiert war. Oder der Ballverlust, der den nächsten gegnerischen Konter einleitete – und das Nervenflattern im deutschen Team verstärkte. Keine Spur von der Leichtigkeit des Sommermärchens 2006 oder gar der WM in Brasilien.

Fazit

Es gibt nicht den einen Grund, der zum Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft geführt hat. Es sind viele Mosaiksteinchen, die nicht gepasst haben. Ob Jogi Löw die Scherben noch zusammenfegt, um daraus ein neues Bild zu machen? Das müssen die nächsten Tage zeigen.

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