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Historische Blamage: Der vielsagend stille Abgang des Joachim Löw

Nach dem 0:2 gegen Südkorea lässt Bundestrainer Joachim Löw seine Zukunft offen. Dafür ergreifen seine Spieler für ihn Partei.

Die deutsche Elf beim letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea

Als dieses WM-Aus, von dem es in zehn Jahren noch heißen wird, es sei historisch gewesen, endgültig besiegelt war, als Südkoreaner tanzten wie kleine rote Flummis und Männer wie Niklas Süle apathisch in ihrer Hälfte verharrten, groß wie ein Kirchturm die Enttäuschung, da ist er langsam losgelaufen. Regungslos hatte er die letzten Minuten als Bundestrainer in diesem Turnier verfolgt und niemand weiß ja, ob es am Ende nicht auch die letzten Minuten einer großen Epoche gewesen sind. Nun also ging Joachim Löw hinüber zu Südkoreas Coach Shin Tae-yong und gratulierte ruhig und verbindlich. Den Arm legte er um die Schulter des Kollegen, es galt jetzt, Anstand und Würde zu wahren, und niemand wird Löw einmal nachsagen können, dass er nicht auch verlieren kann. 

Und eine große Niederlage ist es ja gewesen, dieses 0:2 gegen Südkorea, so viel schwerer wird sie wiegen als all die Semi-Finalniederlagen zuvor. Der Assistenztrainer Thomas Schneider kreuzte dann noch seinen Weg, danach ging Löw kurz aufs Feld, noch immer verkniff er sich jede Regung, er hat sich ja im Zaum wie kein Zweiter. Doch es gab nichts mehr zu tun, also machte er kehrt, er war dieser Mannschaft kein Trostspender, nicht jetzt, viel zu tief saß die eigene Enttäuschung. 

Also schritt Löw gemäßigten Schrittes durch all die Spieler und Betreuer, die dieser Szenerie den Charme eines Wimmelbildes verliehen, ein kurzer Händedruck noch mit einem Betreuer, ein paar Stufen hinunter in den Spielertunnel. 

Dann war er weg. 

Für immer? 

Joachim Löw erbat sich ein paar Stunden

Ein paar Minuten später auf der Pressekonferenz sah man ihm an, wie es in ihm mahlte. Und sie kam dann auch schnell, die Frage, ob es ein Morgen als Bundestrainer geben könne nach einem Aus, das eine mächtige Hypothek darstellen wird. "Wie es weiter geht, darüber muss man in Ruhe sprechen", erklärte Löw, sein Gesicht glänzte, es war heiß in Kasan an diesem Abend, ein passender Rahmen. Er trifft ja grundsätzlich keine Entscheidungen im Affekt, doch nicht Wochen will er dieses Mal ins Land gehen lassen. Er schien schon zu wissen, dass ihm die Zeit nicht bleiben wird. Schon Sekunden nach dem WM-Aus flogen die ersten Kommentare durchs Netz. Also erbat er sich ein paar Stunden, wenigstens das.

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Er wollte das Aus nicht schönreden, er verwies nicht auf die Großchancen von Mario Gomez, von Leon Goretzka, von Mats Hummels. Die Verantwortung wollte er übernehmen für dieses Turnier, in dem seine Elf nicht Halt gefunden hatte. Viel zu bräsig war sie losgelaufen auf diesem Vorrundensprint, er muss sich das ankreiden lassen. Am Ende fehlten Glaube und Energie, er hat diese Elf dieses Mal nicht vitalisieren können. 

Dieses Vorrunden-Aus, das gehörte allein ihnen

Er wollte keine Ausreden geltend mache, sie alle taten es hernach im Bauch der Katakomben nicht. Nicht die Erdogan-Debatte, die so schwer auf dieser Elf lag. Nicht die Medien, die ihnen viel zu kritisch berichtet hatten. Dieses Vorrunden-Aus, das gehörte allein ihnen. Und sie wussten es. Einen starken Auftritt legten sie hin, zumindest in dieser Hinsicht, die stärkste Halbzeit des Turniers, sie kam, als alles vorbei war. 

Wird Löw wiederkommen, in München, im September? 

"Wir sollten ihm Zeit lassen. Ich gehe davon aus, dass er im September die Sachen richtig angeht", erklärte der Teammanager Oliver Bierhoff, das WM-Aus war noch keine Stunde alt. Auch Thomas Müller oder Mats Hummels sprachen sich für ihren Trainer aus. Doch über all diesen Bekenntnissen lag das Gefühl, dass da eine große Generation gefallen war. Löw wusste es. 

Sein Blick war auch deshalb – leer.

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