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Corona in der Premier League: Jürgen Klopp hat eine Botschaft für Liverpools Fans – ein Thema spricht er dabei lieber nicht an

Jürgen Klopp hat in der Corona-Krise eine emotionale Message an die Fans des FC Liverpool gerichtet. Die sportliche Tragik, die eine Verschlimmerung der aktuellen Situation für den Verein bereithalten könnte, erwähnt er aber mit keinem Wort.

Jürgen Klopp

Jürgen Klopp: Botschaft an die Fans des FC Liverpool

Jürgen Klopp muss in den letzten Tagen etwas geahnt haben. Wahrscheinlich hat er als einer der Ersten gesehen, wie die dunklen Wolken über der makellosen Saison seines FC Liverpool aufzogen. Denn in den Tagen, bevor die Premier League ihren Spielbetrieb mindestens bis zum 3. April offiziell aussetzte, reagierte der deutsche Trainer der "Reds" in der Öffentlichkeit gleich mehrfach sichtlich gereizt.

Einen Journalisten, der ihn auf das Coronavirus ansprach, blaffte er an, dass seine Meinung als Fußballtrainer zu dem Thema nun wirklich nicht von Belang wäre. Den Fans, die ihm beim Einlaufen ins Stadion vor dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Atletico Madrid die Hand zum Abklatschen hinhielten, zischte er ein deftiges "Nehmt die Hände weg, ihr verdammten Idioten!" entgegen. Und nach der Niederlage gegen Madrid nörgelte er an der vermeintlich destruktiven Spielweise des siegreichen Gegners herum.

Jürgen Klopp: Seine Anspannung ist nachvollziehbar

Klopps Anspannung ist aus seiner Sicht des Profisportlers absolut nachvollziehbar: Dem FC Liverpool fehlen noch zwei Siege zur ersten Meisterschaft seit 30 Jahren. Erst vor wenigen Tagen war die beispiellose Siegesserie des Teams in Watford gerissen, am Titelgewinn bestanden, nüchtern betrachtet, trotzdem keine realistischen Zweifel mehr.

Doch seit die englische Premier League am Freitag wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus einen Stopp des Spielbetriebs bis zum 3. April verkündet hat, gibt es auch Spekulationen über eine Annullierung der Saison. Es wäre eine dramatische Wendung, wenn Liverpool kurz vor dem Ende einer der dominantesten Spielzeiten eines Klubs in der Geschichte des englischen Fußballs durch höhere Macht doch noch aus allen Titelträumen gerissen würde.

Klopp weiß das, und deshalb hat er sich mit einem offenen Brief auf der Homepage des Vereins an die Fans gewendet. In dem Schreiben wirbt er eindringlich um Verständnis für die Spielabsagen: "Ich habe bereits gesagt, dass Fußball immer das Wichtigste unter den unwichtigen Dingen ist", so Klopp. "Heute sind Fußball und Fußballspiele überhaupt nicht mehr wichtig."

Natürlich möchte man nicht vor einem leeren Stadion spielen und man möchte nicht, dass Spiele oder Wettbewerbe ausgesetzt werden: "Wenn dies jedoch dazu beiträgt, dass eine Person gesund bleibt – nur eine –, dann werden keine weiteren Fragen gestellt."

Mit keinem Wort erwähnt Klopp dabei den Elefanten im Raum: Welch sportliche Tragik es für die leidenschaftlichen Fans des LFC bedeuten könnte, wenn der Rest der Saison abgesagt würde. Vielleicht verschweigt der Trainer diesen Umstand, weil er allzu offensichtlich ist. Weil er die Fähigkeit zur Empathie besitzt. Weil er selbst die weitere Entwicklung der dynamischen Lage abwarten möchte. Oder weil er lieber nicht darüber nachdenken will.

Die großen Dramen in Klopps Karriere

Klopp hat in seinem fußballerischen Leben viele große Dramen durchlebt: knapp verpasste Aufstiege mit Mainz 05, das BVB-Wunder gegen Malaga, die Patzer von Liverpools Keeper Loris Karius im Champions-League-Finale 2018, die historische Aufholjagd gegen den FC Barcelona in der vergangenen Saison. Seine Karriere bietet schon jetzt Stoff für eine Hollywood-Trilogie oder eine Netflix-Serie. Mindestens.

Doch selbst diese Ereignisse würden noch in den Schatten gestellt werden, wenn das Coronavirus den Meistertitel des FC Liverpool in dieser Saison tatsächlich verhindern würde. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass Klopp diesmal wahrscheinlich noch bewusster sein dürfte als in allen zuvor genannten Momenten, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt als Fußball.

tim

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