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Kommentar

Holstein Kiel: Liebe DFL, zeig', dass du den Fußball liebst: Lass Kiel in ihrem Stadion spielen!

duKiel steht gerade Kopf. Nur noch zwei Relegationsspiele trennen den Klub vom Aufstieg in die Bundesliga. Doch statt das kleine Fußballmärchen zu fördern, macht die DFL den Spielverderber. Ein Kommentar.

Blick auf das Vereinswappen am Kieler Stadion

Umstrittene DFL-Entscheidung: Sollte Holstein Kiel aufsteigen, dürfte der Verein nicht im eigenen Stadion spielen

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Wichtiger Hinweis: Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Textes hat die DFL Holstein Kiel nun doch eine "Ausnahmegenehmigung auf Widerruf" erteilt. Die komplette Begründung der DFL finden Sie hier.

Ich muss zwei Dinge vorwegnehmen: Ja, ich bin gebürtiger Kieler und ja, ich bin seit meiner Jugend eingefleischter Fan von . Dadurch ist die folgende Meinung emotional maximal aufgeladen. Doch wenn ich mir die bundesweiten Reaktionen zur Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) – oder nennen wir es besser "Verbot" – angucke, dann werde ich mit diesem Kommentar vielen Menschen aus der Seele zu sprechen.

Nicht, weil ganz Deutschland über Nacht zu Kiel-Fans geworden ist, sondern weil es eigentlich um die Fragen geht, wohin der deutsche Fußball künftig steuern wird und welche Geschichten er in Zukunft noch schreiben kann.

"Der wohl attraktivste Offensiv-Fußball, den die 2. Bundesliga in den letzten Jahren gesehen hat"

Aber nun zur Sache. Für alle, die nicht wissen, worum es überhaupt geht: Die Kieler Sportvereinigung ist gerade dabei, ein kleines Fußballmärchen zu schreiben. Nach trostlosen und harten Jahren in der Regionalliga Nord und mehreren Jahren in der 3. Liga hatte es der Verein von der Ostseeküste im letzten Sommer geschafft, nach 36 Jahren wieder in die 2. Liga aufzusteigen. Als Außenseiter mit einem Mini-Etat hat Kiel sich in den vergangenen Monaten mit dem attraktivsten Offensiv-Fußball (71 geschossene Tore in 34 Spielen), den die 2. Bundesliga in den vergangenen Jahren gesehen hat, bis auf den dritten Platz gekämpft. Dazu sei gesagt, dass vor der Saison nur wenige Kiel den Klassenerhalt in der starken Liga zugetraut hatten. Nun müssen die Kieler Sprotten "nur" noch eine letzte Hürde nehmen: zwei Relegationsspiele gegen den VfL Wolfsburg. Klingt alles wie ein Märchen? Ist es für uns Kieler auch. Nur leider gibt es in Märchen bekanntlich immer auch Bösewichte: Bühne frei für die DFL.

"Das Böse" hat einen Namen: die DFL

Denn während die Kieler Fußballer jahrzehntelang wegen der großen Erfolge des THW Kiel (lange Zeit so etwas wie der FC Bayern der Handball-Bundesliga) unterging, macht sich in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt seit einigen Monaten eine ungehemmte Fußball-Euphorie breit. Das war nicht immer so. Vor wenigen Jahren noch stand ich bei Regionalliga-Spielen regelmäßig mit 2000 bis 3000 Fans im Stadion. Nun boomt das Interesse am Kieler Fußballwunder. Dauerkarten gingen weg wie warme Semmeln. Jedes Heimspiel ist ausverkauft.

Und das ist auch schon Dreh- und Angelpunkt des (vermeintlichen) Problems: Das von den Fans so geliebte Holstein-Stadion, immerhin eines der ältesten und traditionsreichsten Stadien Deutschlands, ist nach Ansicht der DFL zu klein. Man brauche 15.000 Plätze. Davon bitte 8000 Sitzplätze, so die DFL. Das Problem? Unser Stadion mit aktuell knapp 12.000 Plätzen ist eigentlich schon für die 2. Liga zu klein. Deshalb hat sich der Verein entschieden, sofort nach Ende der aktuellen Saison einen Teil des Stadions neu zu bauen. Mitte 2019 sollen die umfangreichen und für den kleinen Verein sehr teuren Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein. Das Holstein-Stadion hätte dann eine Kapazität von 15.000 Plätzen. Für die Zeit des Umbaus hätten vorübergehend aber nur 10.000 Fans in der Fußball-Arena Platz.

Kieler Fans halten Transparent hoch

Kieler Fans protestieren beim letzten Heimspiel gegen die DFL-Entscheidung

DPA

Tradition oder Rekorde? Entscheidet euch!

Und kurz vor dem Durchmarsch der Kieler Störche, kurz vor der Sensation durch den Underdog des Bundesliga-Unterhauses, habt ihr, liebe DFL, doch tatsächlich die Dreistigkeit, unserem Verein mögliche Bundesliga-Spiele im Heimstadion zu untersagen. Ganz nach dem Motto: Regel ist Regel und daran wird auch nicht gerüttelt. Das ist einfach nicht fair. Seit Monaten tut der Verein wirklich alles, was in seiner Macht steht, um bei der DFL eine Lizenz zu bekommen. Vergebens. Der Verband stellt sich stur.

Die Konsequenz: Die Mannschaft und Tausende ihrer Anhänger stehen vor 34 Auswärtsspielen – in Hamburg, wenn es schlecht läuft sogar im rund 200 Kilometer entfernten Rostock oder Hannover. Ist das tatsächlich euer Ernst? Wollt ihr einem kleinen Traditionsverein das wirklich antun?

Liebe DFL, sende das richtige Signal! 

Das Fußballmärchen hat schon jetzt einen kleinen Knacks bekommen. Denn statt über die starke Saison wird aktuell leider über Ausweichstadien diskutiert. Und als wäre der Imageschaden der nicht schon groß genug – es sei an euer (kaum vorhandenes) Verhältnis zu den deutschen Ultras erinnert –, stellt sich die Liga jetzt abermals quer. Worum geht's euch wirklich? Zuschauerrekorde? Ja, die sind mit einem Verein wie Holstein Kiel nicht zu holen. Bleibt die Frage: Was seid ihr bereit, dafür zu opfern? Wie weit wollt ihr für eure Zahlen und den Kommerz gehen? Jede Regel hat eine Ausnahme. Und wenn es die noch nicht gibt, dann ist es höchste Zeit, sie endlich zu schaffen.

Liebe DFL, sendet das richtige Signal und gebt kleinen Vereinen wie Holstein Kiel die Möglichkeit, die wirklich schönen Geschichten des Fußballs zu schreiben. Es wäre das richtige Zeichen, um zu zeigen, dass es im deutschen Profifußball nicht nur noch um Kommerz und die Jagd nach Zuschauerrekorden geht. Liebe DFL, zeig', dass du den Fußball liebst: Lass' die KSV Holstein Kiel in ihrem Stadion spielen!


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