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Kommentar: Erfolgsspur trotz Rumpel-Remis

Gegen Zypern zitterten sich die deutschen Kicker zu einem dürftigen Unentschieden. Am Ende eines denkwürdigen Fußball-Jahres steht aber die Erkenntnis, dass sich das Team auf einem viel versprechenden Weg befindet - dank Jogi Löw.

Von Klaus Bellstedt

Es war der schwächste Auftritt der Nationalmannschaft nach der WM. Im letzten EM-Qualifikationsspiel des Jahres erstolperte sich das DFB-Team auf Zypern ein glückliches Remis. Die WM-Helden wirkten platt und ausgelaugt. Bis auf Kapitän Ballack, dem Torschützen zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung, und vielleicht noch Clemens Fritz erreichte keiner Normalform. Vielleicht spielten trotz aller Warnungen des Trainerstabs, den Weltranglisten-80. bloß nicht zu unterschätzen, auch Einstellungsprobleme eine Rolle. Wer weiß das schon? Ursachenforschung sollen andere betreiben.

Fakt ist, dass der eher dürftige Auftritt zum Abschluss der Länderspiel-Saison die Erinnerung an ein denkwürdiges Jahr nicht trüben wird - und nicht trüben kann. 14 Siege innerhalb eines Kalenderjahres gelangen einer deutschen Nationalmannschaft zuletzt 1935. Man kann Trainer Jogi Löw also nur zustimmen, wenn er von einem "sehr guten Jahr" spricht. Rechnen konnte man damit nicht unbedingt. Hatten doch schon viele nach dem 1:4-Fiasko im Frühjahr gegen Italien mit dem Schlimmsten gerechnet: Einem Ausscheiden der Nationalmannschaft nach der WM-Vorrunde.

Mitfavorit auf den EM-Titel

Was folgte, war der Beginn eines Sommermärchens, das erst im Halbfinale und wieder gegen Italien so brutal endete. Nach dem Wechsel von Klinsmann zu Löw träumten nur die Optimisten davon, dass die Welle der Euphorie diese Mannschaft weiter tragen würde. Niemand hätte sich nach diesem Jahrhundertereignis über einen Absturz der WM-Helden - wohin auch immer - wundern können. Doch wieder kam es anders - auch und vor allem wegen Jogi Löw.

Der nahtlose Übergang gelang eindrucksvoll. Unter ihrem neuen Cheftrainer legte die deutsche Mannschaft, die weiterhin als Sinnbild für Spielfreude und Teamgeist steht, eine Serie von sechs Spielen ohne Niederlage (bei fünf Siegen) hin. Aber was noch viel wichtiger erscheint: Das Team steht immer noch am Anfang seiner Entwicklung, das Potenzial scheint noch längst nicht voll ausgeschöpft. In zwei Jahren bei der EM in Österreich und der Schweiz sollte die Löw-Truppe ihrem Leistungs-Zenit ganz nahe sein. Schon jetzt zählt Deutschland deshalb bei den Fachleuten zu den Topfavoriten auf den Titel.

Aufgeladene Akkus nach der Winterpause

Vielleicht war das schmeichelhafte Remis auf Zypern diesbezüglich sogar ganz förderlich. Sozusagen als rechtzeitiger Schuss vor den Bug für die Spieler. Wenn man denn so will. Fest steht jedenfalls, dass man sich um die Nationalmannschaft keine Sorgen machen muss. Nach der Winterpause werden Ballack und Co. mit mehr Power zurückkehren und die kommenden Aufgaben im Sinne der Mannschaft erfüllen. Jogi Löw braucht für die Umschreibung dieser Erfolgsformel nur zwei Worte: "Högschde Disziplin!". Wir freuen uns drauf.

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