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Anonyme Meinungsumfragen: 14 Tage im Weißen Haus – Umfragen sehen Donald Trump auf der Erfolgsspur

Proteste, Streit mit Richtern, in TV-Umfragen verliert Trump an Zustimmung. Aber: In anonymen Umfragen legt der umstrittene Präsident zu. Und: Noch nie haben so viele Amerikaner an einen Wirtschaftsaufschwung geglaubt wie unter Donald Trump.

Donald und Melania Trump am Wochenende in Trumps Mar-a-Lago-Resort in Florida

Donald und Melania Trump am Wochenende in Trumps Mar-a-Lago-Resort in Florida

In den meisten Meinungsumfragen sackt US-Präsident Donald Trump mächtig ab – noch nie war ein Präsident zu Beginn seiner Amtszeit so unbeliebt wie er, heißt es dann.  Ein Erdrutsch nach 14 Tagen im Amt – kaum zu erklären, wie er die Wahl gewonnen hat. Aber was, wenn es diesen Stimmungsumschwung gar nicht gibt, gibt Steven Shephard im US-Magazin "Politico" (Donald Trump might be more popular than you think)  zu bedenken. Das Problem: Genau dieselben Meinungsforscher mit exakt denselben Methoden hatten zuvor berechnet, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen werde. Mit einer Sicherheit nahe 100 Prozent.


Die schüchternen Trump-Fans

Ein bekanntes Problem sind die heimlichen oder schüchternen Trump-Wähler. Sie verbergen ihre Ansichten. In Umfragen, die klassische Telefoninterviews mit einem menschlichen Gegenüber benutzen, schneiden Trump und seine Initiativen schlecht ab. Bei einer automatisierten Telefonumfrage oder einer Internetbefragung sieht das ganz anders aus.

Wenn man sich anonym zu Trump bekennen kann, legt der Präsident zu. Sichtbar wird diese Diskrepanz, wenn man die Umfragen der TV-Anstalten mit den Daten des Rasmussen-Reports – einem etablierten Meinungsforschungsinstitut - vergleicht. Rasmussen setzt auf automatisierte Umfragen. Allerdings nicht wegen Donald Trump. Das Institut stellt im Wochenrhythmus eine Unmenge an Erhebungen an, mit menschlichen Interviewern wäre das nicht zu bezahlen.

In der anonymen Welt von Rasmussen performt Donald Trump recht solide. Der angeblich so unbeliebte Präsident erreicht dort mehr als 50  Prozent Zustimmung. Berater John McLaughlin arbeitete für die Wahlkampagne von Trump. Er sagt: "Bei Online-Befragungen sind die Leute ehrlicher, weil sie nicht mit einem Menschen sprechen." Und dann gibt es einen zweiten Faktor: Entscheidend ist, wer eigentlich befragt wird. "Eine Umfrage unter allen Erwachsen gibt gute Ergebnisse, wenn auch jeder zur Wahl gehen würde. Das machen die Leute aber nicht."

Wer wählt wirklich?

 Der Rasmussen-Report filtert die vermutlichen Wähler heraus, andere Umfragen richten sich allein an registrierte Wähler – aber viele Umfragen holen die Meinung auch von den Nicht-Wählern ein. Nicht nur beim Rasmussen-Report kann Trump punkten: Auch in der Internet-Umfrage von "Politico" und dem Meinungsforschungsinstitut Morning Consult unter registrierten Wählern kommt der US-Präsident gut weg. 49 Prozent bewerten seine Arbeit dort positiv, 41 negativ.

Sicher ist, dass die Trump-Berater die Probleme traditioneller Umfragen kennen. Trumps Pressesprecher Sean Spicer sind die Werte der anonymen Umfragen wohl bekannt. Das Trump-Team bereitet sich auf vier Jahre Wahlkampf vor.  "Der Präsident versteht, dass dies hier ein Marathon und kein Sprint ist. Wenn er fortfahren wird, Arbeitsplätze zu schaffen und das Land zu beschützen, werden die Umfragewerte ihm Recht geben", verkündet Spicer.

Trumps Pressesprecher: Sieben Akte ohne Gnade - das große Theater des Sean Spicer


Hohes Zutrauen in die Wirtschaft

Der aktuelle Rasmussen-Report vom 3. und 4. Februar zeigt einen Präsidenten im Aufwind und keinen gerupften Adler. Er kommt auf 54 Prozent Unterstützung für Donald Trump gegenüber 46 Prozent Ablehnung. Im Vergleich zur Vorwoche legt der US-Präsident zu.  Auch bei den Einzel-Entscheidungen muss er keine Niederlage hinnehmen. Trotz aller Proteste wird der Einreisebann von 52 Prozent unterstützt.

Viel entscheidender als diese Werte zu einzelnen Maßnahmen und Personalentscheidungen ist das Zutrauen in die Wirtschaftsmacht der USA. 50 Prozent der Befragten glauben, dass die amerikanische Wirtschaft im nächsten Jahr stärker sein wird als jetzt. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als im Oktober vergangenen Jahres – der Wert unter Präsident Barack Obama damals lag bei 34 Prozent.

Das ist ein phänomenaler Anstieg. Der Wert von 50 Prozent wurde seit dem Start dieser Umfrage im Jahr 2009 noch nie erreicht. Da wundert es kaum, dass auch die Zukunft der nächsten Generation rosiger gesehen wird.

Für endgültige Aussagen ist es zu früh, aber die Daten legen nahe, dass die ersten zwei Wochen im Weißen Haus für Donald Trump nicht so desaströs verlaufen sind, wie gemeinhin angenommen wird.


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