Kommentar Gefährliche Euphorie


Bayern und Leverkusen fiedeln ihre Gegner vom Platz, auch Werder und der HSV lösen souverän ihre Pflichtaufgaben. Jetzt stehen vier deutsche Klubs im Uefa-Pokal-Achtelfinale. Ist die Bundesliga schon wieder eine Macht in Europa? Mitnichten!
Von Klaus Bellstedt

Die deutsche Uefa-Pokal-Bilanz in dieser Woche liest sich beeindruckend - keine Frage. Nicht eine einzige Niederlage mussten die fünf Bundesliga-Starter einstecken. Es gab Siege - zum Teil sogar glanzvolle - für Bayern, Werder und Leverkusen zu feiern. Nur der HSV und Nürnberg spielten Remis, wobei lediglich das 2:2 des Clubs gegen Lissabon schwerwiegende Folgen, sprich, das Ausscheiden, nach sich zog. Keine andere Liga hat so viele Teams im Achtelfinale des Uefa-Pokals unterbringen können wie die Bundesliga.

Sollten wir Deutschen uns ob des Siegeszuges in Europa nicht eigentlich in den Armen liegen und trotzig allen ewigen Nörglern am deutschen Fußball mit nackten Ergebnisargumenten das Maul stopfen? Gott bewahre! Sich durch die Erfolge jetzt blenden zu lassen, das wäre fast schon fahrlässig. Gegner vom Kaliber FC Zürich, Aberdeen oder Braga dürfen - mit Verlaub - kein Maßstab für Bundesliga-Spitzenmannschaften sein. Siege sind da selbstverständlich. Einzig der Auftritt von Bayer Leverkusen beim 5:1 über das türkische Spitzenteam Galatasaray Istanbul war richtig beeindruckend und ist in der Wertigkeit viel höher einzuschätzen.

Wie stark die Bundesliga wirklich ist, wird erst die nächste Runde zeigen. Für Werder geht es dann vor 51.000 fanatischen Fans im Ibrox Park gegen die Glasgow Rangers, auf den FC Bayern wartet die belgische Traditionsmannschaft RSC Anderlecht. Sollten auch diese Hürden ähnlich souverän gemeistert werden, darf man sich auch mal wieder auf die Schultern klopfen, aber bitte: schön still und heimlich. Wir sprechen hier immer noch vom Uefa-Pokal...


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