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Länderspiel gegen Italien: Löw verbittet sich Debatte um Einsatzzeiten

Natürlich hat Joachim Löw den Liga-Hit zwischen Dortmund und Bayern im Hinterkopf. Große Rücksicht plant er jedoch nicht: Erst einmal sollen die Stars der Titelrivalen im Nationaltrikot brillieren.

Joachim Löw wurde energisch. Jetzt sind Länderspiele und nicht Fußball-Bundesliga, stellte der Bundestrainer klar, auch wenn das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München längst in aller Munde ist. "Die Spieler sind mit ihren Gedanken nicht bei dem Spiel Dortmund gegen Bayern", versicherte Löw am Mittwoch in München, "sondern eher die Verantwortlichen."

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke durfte sich im Anschluss sogar direkt angesprochen fühlen. "Es darf mir jetzt niemand kommen und sagen, es soll dieses oder jenes am Freitag in Italien oder danach am Dienstag in England passieren oder ich soll Spieler schonen", stellte Löw unmissverständlich fest.

Es war ohne Namensnennung eine Replik auf Watzke, der in der "Sport-Bild" eine Gleichbehandlung beider Topclubs bei der Belastung der jeweiligen Nationalspieler in den anstehenden zwei Länderspielen angemahnt hatte. "Ich bin mir sicher, dass vor dem Topspiel gegen Bayern mit der gesamten Situation sensibel umgegangen wird. Deswegen gehen wir davon aus, dass beide Vereine gleich behandelt werden", hatte Watzke erklärt. Im DFB-Aufgebot für die beiden Partien stehen sechs Münchner und fünf Dortmunder Profis.

Schongang ist verboten

Löw hat den brisanten Liga-Hit am 23. November natürlich auch im Hinterkopf. Für Dortmund steht in dem Heimspiel noch mehr auf dem Spiel als für den Tabellenführer aus München, denn bei einem Sieg würden die Bayern auf sieben Punkte davonziehen. "Wenn irgendmöglich, habe ich immer versucht, gewisse Rücksichten in manchen Situationen auf Vereine zu nehmen und vor allem auf Spieler", bemerkte Löw. Das wird auch dieses Mal der Fall sein, weil er möglichst alle eingeladenen Akteure in den beiden Länderspielen einsetzen möchte.

Diktieren lassen will sich der DFB-Chefcoach aber von außen nichts. "Es wird völlig unerheblich sein, wie lange und wann ein Spieler spielt", meinte Löw. Immerhin lägen vier Tage zwischen dem zweiten Länderspiel am kommenden Dienstag in London gegen England und dem Bundesliga-Gipfel. "Die Spieler sind in einem guten Rhythmus. Da sollte es jeder schaffen, sich in vier Tagen zu regenerieren."

Auch wenn die WM zeitlich noch weit entfernt ist, sind Italien und England für Löw die letzten großen Tests vor der Nominierung für das Turnier in Brasilien. Schongang-Fußball hat er deswegen verboten - auch den Stars aus München und Dortmund. "Jeder muss sich in den Länderspielen wieder beweisen. Eine WM muss man sich auch erarbeiten und erkämpfen. Ich erwarte, dass sie hier Gas geben." Und nicht erst wieder am Samstag in einer Woche vor 80.000 Zuschauern in Dortmund.

Gomez und Klose als Sorgenkinder

Eine ganz andere Baustelle ergibt sich für Löw im Sturm. Selbst der so gelassene Bundestrainer wird langsam unruhig, weil seine Topstürmer Klose und Mario Gomez so häufig fehlen. Im neuen Jahr müsse sich das ändern, sonst würde ihm das "Magenschmerzen bereiten", sagte Löw. Eine Knie- und eine Fußverletzung hatten Klose 2013 zuvor gestoppt. Konkurrent Gomez absolvierte in der gesamten erfolgreichen WM-Qualifikation (10 Spiele) nicht eine Minute.

Klose werde nach der "schmerzhaften" Bandverletzung an der Schulter bis zu drei Wochen benötigen, bis er wieder "voll belastbar" sei, berichtete Löw. 2013 ist damit fast gelaufen für den deutschen Rekordschützen (68 Länderspieltore). Verdienste allein werden auch Klose nichts nützen, wie Löw ganz allgemein bemerkte: "Bei einer WM ist man nicht automatisch dabei, eine WM muss man sich erkämpfen."

Klaus Bergmann und Jens Mende/cjf/DPA / DPA

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