Manipulations-Skandal Star-Torwart droht WM-Ausschluss


2004 war er noch Welttorhüter des Jahres, jetzt droht Gianluigi Buffon der große Absturz. Italiens Nationalkeeper soll auf Spiele gewettet haben, an denen er selbst beteiligt war. Das Trainingscamp der "Azzurri" musste Buffon bereits verlassen.

Italiens Nationaltorwart Gianluigi Buffon droht wegen unerlaubter Wetten der Ausschluss von der Fußball-WM in Deutschland. Der Torwart von Juventus Turin soll entgegen seiner bisherigen Aussagen noch in diesem Januar gewettet haben, vermutet die Staatsanwaltschaft in Parma. Der 28-Jährige musste deshalb am Mittwoch das Trainingslager der "Azzurri" bei Florenz verlassen und zum Verhör nach Parma. Der italienische Fußball-Skandal überschattet damit die WM-Vorbereitung der Italiener immer mehr.

Am 16. Januar dieses Jahres hat Buffon nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Turin 10 000 Euro an seinen Freund Paolo Pelizzoni überwiesen. Gegen den ermitteln die Staatsanwälte ebenfalls wegen unerlaubter Wetten und Sportbetrugs. Die Staatsanwälte prüfen, ob Pelizzoni in Buffons Auftrag Wetten abgeschlossen hat. Buffons Anwalt wies die Vorwürfe zurück. Buffon habe, wie schon in Turin ausgesagt, seit Einführung des generellen Wettverbots für Fußballer im Herbst 2005 keinerlei Wetten mehr abgeschlossen. Und auch zuvor will Buffon nie auf Spiele gesetzt haben, an denen er selbst beteiligt war.

Möglicherweise ausländische Schiris in der Serie-A

Nationaltrainer Marcello Lippi beklagte am Mittwoch die schwierige Situation der "Azzurri", die sich kaum noch vom Skandal freimachen können. Nachdem seine in den Abhörprotokollen festgehaltene Handynummer in italienischen Zeitungen veröffentlicht worden war, sei er sogar mehrfach von Fremden angerufen worden, berichtete der Nationaltrainer. "Dies ist eine Schande", schimpfte Lippi, der seine Persönlichkeitsrechte verletzt sieht und mit einer Klage droht.

Unterdessen bastelt der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, bereits an Notfallplänen für die kommende Saison. Sollten zahlreiche in den Manipulations-Skandal um Ex-Juve-Manager Luciano Moggi verstrickte Schiedsrichter vom Sportgericht aus dem Verkehr gezogen werden, überlegt Rossi, ausländische Schiedsrichter für die Serie A anzuwerben.

Zidanes Vertrag bei Juve wird geprüft

Bei Juventus Turin scheint man sich derweil an den letzten noch im Amt verbliebenen Kopf des Rekordmeister zu klammern: Fabio Capello. Dem Trainer sei bei Juve zusätzlich der Posten des Technischen Direktors angeboten worden, berichtete die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Capello tat die Meldung jedoch als "bloße Zeitungsgeschichte" ab. Anstatt bei Juve zum Retter in der Not aufzusteigen, scheint Capello eher über seinen Abschied von dem vom Zwangsabstieg bedrohten Club nachzudenken.

Die Staatsanwaltschaft Turin weitete ihre Ermittlungen wegen mutmaßlichen Bilanzfälschungen unterdessen gegen 71 italienische Fußballclubs, darunter 16 von 18 Serie-A-Vereinen, aus. Allein bei Juventus Turin werden 41 Spielerverträge auf Unregelmäßigkeiten hin überprüft. Darunter auch der des früheren Juve-Stars Zinedine Zidane.

DPA


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