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WM in Russland: Löws Risiko mit Neuer - selbst die Fans sehen ihn nicht als Nummer eins

Wenn sich die Nationalelf mit den Spielen gegen Spanien und Brasilien auf die WM vorbereitet, wird einer fehlen: Für Manuel Neuer wird die Zeit knapp. Selbst wenn er fit wird, geht Löw ein Risiko mit ihm ein. Sein starker Rivale ist mittlerweile auch bei Fans die Nummer eins.

Manuel Neuer

Immer volles Risiko: Manuel Neuer vor knapp einem Jahr im Spiel gegen Real Madrid

In dem berühmten Panini-Sammelalbum ist er auf jeden Fall dabei: Manuel Neuer, Nationalkeeper und Weltmeister, gehört für die italienischen Macher des Bilder-Heftchens zum deutschen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland. Die Panini-Redakteure gehen allerdings bei jedem Heft, das sie vor Europa- und Weltmeisterschaften herausbringen, ein Risiko ein. Denn das Sammelalbum kommt vor den offiziellen Kader-Nominierungen auf den Markt, die erst im Mai bekannt gegeben werden. Laut Redaktionsleiter Fabrizio Melegari hält sich die Fehlerquote mit etwa zwölf Prozent im Rahmen.

Ob Panini mit Neuer richtig liegt, ist im Moment vollkommen offen. Seit September des vergangenen Jahres kuriert der bald 32-Jährige einen Mittelfußbruch aus - es war die dritte Fraktur innerhalb eines Jahres. Die Verletzung wurde auch dadurch verursacht, dass Neuer jedes Mal vom Ehrgeiz getrieben zu schnell wieder zwischen den Pfosten stand. Diesmal gehen der Keeper und die Verantwortlichen des FC Bayern kein Risiko ein. Der malade Knochen wurde mit einer Metallplatte zusammengeschraubt.

Keiner weiß, ob Manuel Neuer rechtzeitig fit wird

Das Problem ist: Der Heilungsprozess lässt sich nur schwer vorhersagen. Die letzte Wasserstandsmeldung kam von Bayern-Trainer Jupp Heynckes: „"Er macht weiter sein Fitnessprogramm und ist jetzt bei 80 Prozent. Man wird sehen, ob er Anfang April auf dem Trainingsplatz steht", sagte er vergangene Woche. Seit Monaten absolviert der Rekonvaleszent nur ein Fitnesstraining.

Solche Prognosen gab es in der Vergangenheit häufiger. Ursprünglich hatte Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge das Comeback für den Januar angekündigt. Bundestrainer Joachim Löw war pessimistischer. Er glaubte, dass Neuer im "Februar, März wieder vollumfänglich trainieren kann." Auch das war eine Fehleinschätzung.

Am 12. Mai endet die Bundesliga-Saison, eine Woche später steigt das Pokalfinale in Berlin und eine weitere Woche danach das Champions-League-Finale in Kiew. Dazwischen (am 15. Mai) wird Löw den vorläufigen Kader der Russland-Fahrer benennen. Sollte Neuer also im Lauf des Aprils wieder fit werden, könnte er sogar Spielpraxis vor der WM sammeln und würde seinen Platz als angestammte Nummer eins im deutschen Tor wieder einnehmen.


Ter Stegen ist in bestechender Form

Aber was passiert, wenn Neuer erst kurz vor der WM fit wird? Für den Bundestrainer könnte eine Nominierung zu einem Risiko werden. Schließlich hätte der Neuer eine komplette Saison nicht gespielt - das ist selbst für einen erfahrenden Weltklasse-Mann ziemlich viel.

Die Entscheidung würde erschwert durch die Tatsache, dass Konkurrent Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona in bestechender Form ist. Er gilt mittlerweile als mindestens so gut wie Neuer, weil er alle Anforderungen an einen modernen Keeper erfüllt. Er zeigt unglaubliche Reflexe auf der Linie, beherrscht den Strafraum, hat eine gut Spieleröffnung und überdurchschnittliche fußballerische Fähigkeiten – genau wie Neuer. Fans schwärmen in regelmäßigen Abständen vom Ex-Gladbacher. Sogar die deutschen Fans sehen ter Stegen im Moment vorn. In einer Umfrage des Fußball-Magazins "kicker" stimmten 97 Prozent für ter Stegen und 91 Prozent für Neuer bei der Frage, welche Spieler mit zur WM sollen.

Ob Löw, der für seine Nibelungentreue gegenüber Spielern wie Podolski oder Schweinsteiger bekannt ist, das Risiko mit Neuer eingehen würde, und das auf der neuralgischen Position zwischen den Pfosten? Löw hat in der Vergangenheit die Ausnahmestellung Neuers stets betont. Aber er wiederholt wie ein Mantra, dass es für ihn bei der WM ausschließlich Leistung und Spielpraxis zählen. Löw will den WM-Titel von 2014 unbedingt verteidigen, als erster Nationaltrainer überhaupt. Er wird jedes Risiko ausschließen. Da würde er selbst einen Neuer auf die Bank setzen.

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