HOME

Meisterschaftsrennen: Werder stolpert zum Titel

Fast-Meister Werder Bremen verpasste die endgültige Titelentscheidung und zeigte nach dem Bayern-Patzer gegen Dortmund selbst Nerven: Gegen Hannover 96 reichte es zu Hause nur zu einem enttäuschenden 0:0.

Der SV Werder Bremen hat den "Big Point" im Bundesliga-Titelrennen vergeben und die Gunst der Stunde nach dem Patzer von Verfolger Bayern München nicht genutzt. Einen Tag nach dem 0:2 des Titelverteidigers in Dortmund kam der Spitzenreiter gegen Hannover 96 über ein 0:0 nicht hinaus und baute den Vorsprung bei fünf ausstehenden Spielen "nur" auf acht Punkte aus.

"Nicht den besten Tag"

"Heute hatten wir eine große Möglichkeit, wir haben zwei Punkte verloren", anaysierte Werder-Abwehrspieler Valerien Ismael enttäuscht. Auch Kapitän Frank Baumann redete die Leistung nicht schön. "Wir hatten nicht unseren besten Tag", meinte der Nationalspieler und sprach ein grundsätzliches Problem in den eigenen Reihen an: "Es ist für uns in der Rückrunde nicht mehr so einfach. Im Moment haben wir nicht den nötigen Zug zum Tor."

Sturmlauf in der zweiten Halbzeit

In der Tat agierte Werder vor 43 500 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion nie im Stile einer Spitzenmannschaft. Erst in der Schlussphase, als Trainer Thomas Schaaf seine wirkungslosen Stürmerstars Ailton und Ivan Klasnic vom Feld holte, drängten die Gastgeber auf den Sieg. Doch Hannover verteidigte mit Mann und Maus und einem überragenden Torhüter Marc Ziegler das Remis, das weitere Luft im Abstiegskampf bedeutet.

Den "Matchball" vor Augen, zeigte Werder wie schon vor zwei Wochen gegen den SC Freiburg (1:1) vor der erwartungsfrohen heimischen Kulisse Nerven. Es fehlte im Spiel der Gastgeber lange Zeit an Bewegung und Ideen, um den massiven Abwehrriegel der Gäste zu überwinden. Einfallslos suchte der Spitzenreiter sein Glück immer wieder durch die Mitte und verfing sich dabei regelmäßig in der geschickt stehenden Gäste-Verteidigung.

Ailton kam nicht zum Zug

Von Spielmacher Johan Micoud, der seit Wochen seiner Bestform hinterherläuft, gingen auch diesmal keine zündenden Ideen aus. Der Franzose vergab auch die einzige Torchance in der ersten Halbzeit, als er in der 14. Minute freistehend aus 13 Metern knapp am Tor vorbeizielte. Stürmerstar Ailton stand klar im Schatten seines zwanzig Zentimeter größeren Bewachers Per Mertesacker. Der erst 19- jährige Gymnasiast, von Lienen ins Zentrum der bis vor kurzem noch schwächsten Bundesliga-Abwehr beordert, bot eine Klasse-Leistung gegen den Führenden der Torschützenliste.

Hannover rührte Beton an

Nach 71 trostlosen Minuten hatten Ailton und Klasnic auch die Geduld von Schaaf überstrapaziert. Der Coach holte das Duo vom Feld und brachte mit Nelson Valdez und Angelos Charisteas den zweiten Sturm. Sechs Minuten später hätte sich der Schachzug fast ausgezahlt, doch den Kopfball von Valdez aus nur drei Metern parierte Ziegler mit einem tollen Reflex. Zuvor hatte der Keeper bereits zwei Großchancen von Krisztian Lisztes zunichte gemacht.

Hannover verdiente sich das Remis mit einer mannschaftlich geschlossenen Leistung, investierte aber praktisch nichts in die Offensive. Dennoch hatten die Gäste eine Möglichkeiten zum Siegtreffer, als Idrissou (69.) freistehend quer zum Tor statt ins Netz köpfte.

Wissenscommunity