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Kabinen-Zoff bei Real Wie Mesut Özil sich einmal mit José Mourinho anlegte

Mesut Özil und José Mourinho
Mesut Özil und José Mourinho im Jahr 2010 bei Real Madrid
© Javier Soriano/AFP
Mesut Özil plaudert in einem neuen Buch ungewöhnlich offenherzig über Interna aus der Umkleidekabine. Ein besonders amüsantes Kapitel beschreibt, wie der Weltmeister sich bei Real Madrid von seinem Trainer José Mourinho aus der Reserve locken ließ.

Als großer Redner ist Mesut Özil nicht bekannt. Umso erstaunlicher ist, wie offen der Weltmeister in seinem neuen Buch "Die Magie des Spiels" Anekdoten aus seiner Karriere ausplaudert. Die "Bild"-Zeitung veröffentlicht vorab Auszüge, in denen Özil erzählt, wie sich einst die Bayern um ihn bemühten, warum er von Pep Guardiola enttäuscht war - und wie er sich in der Umkleidekabine von Real Madrid mit seinem Startrainer José Mourinho zoffte.

Özil war damals ein junger Spieler, zwar hochtalentiert, aber auch "schnell satt, schnell zufrieden", wie er heute selbst sagt: "Als ich nach Madrid kam, hatte ich ein bisschen diese Einstellung, dass Schönspielerei reichen würde." Aber diese Einstellung hat Mourinho ihm offenbar auf seine eigene Art ausgetrieben.

Mesut Özil: "Wie sehr ich Mourinho gerade hasse"

In einer Halbzeitpause soll sich die portugiesische Trainer-Ikone den deutschen Nationalspieler so richtig vorgeknöpft haben. "Du denkst, zwei schöne Pässe reichen“, habe Mourinho ihn angeschrien, erinnert sich Özil. „Du bist dir zu fein dafür, in Zweikämpfe zu gehen. Du denkst, dass du so gut bist, dass fünfzig Prozent genug sind." Wie zwei Boxer beim Stare-Down hätten sich Spieler und Coach daraufhin gegenüber gestanden. "Wie sehr ich ihn gerade hasse", beschreibt Özil seine damaligen Gedanken. "Dabei liebe ich Mourinho eigentlich."

Aber Mourinho habe nicht locker gelassen: "Ich will, dass du in Zweikämpfe gehst wie ein Mann." Dann habe er das Zweikampfverhalten des Deutschen vor versammelter Mannschaft parodiert, indem er auf Zehenspitzen mit eng angelegten Armen und gespitzten Lippen durch die Kabine gehüpft sei. Daraufhin habe Özil dem Trainer sein Trikot vor die Füße geworfen und zurück geschrien: "Wenn du so geil bist, dann spiel du doch."

Mourinho habe über diese Reaktion nur gehässig gelacht, sich Zentimeter vor Özil aufgebaut und mit plötzlich ganz ruhiger Stimme gesprochen: "Was möchtest du? Dich unter die schöne, warme Dusche verkriechen? Dir die Haare schamponieren? Allein sein? Oder willst du deinen Mitspielern, den Fans da draußen und mir beweisen, was du kannst?" Anschließend habe er den Deutschen mit den Worten "Wein doch! Heul doch!" zum Duschen geschickt.

Mourinho: "Ich will für euch alle immer nur das Beste"

Wie Özil weiter schreibt, zog er die richtigen Schlüsse aus dem Zoff. Er verstand, dass Mourinho ihm nur die Lässigkeit austreiben wollte. Özil entschuldigte sich später bei seinen Mitspielern dafür, dass er sie im Stich gelassen hatte - und bei seinem Trainer, der darauf nur grinsend erwiderte: "Ich lasse dich nicht in Ruhe, bis du dein Potenzial ausgeschöpft hast." Vor dem nächsten Spiel habe sich der Trainer dann vor dem Team bei Özil für seinen Auftritt und seine Wortwahl entschuldigt: "Über den Rest haben wir gesprochen. Ich will für euch alle immer nur das Beste. Und manchmal kapiert man nur, was das Beste für einen ist, wenn man es deutlich vor den Kopf gestoßen bekommt."

tim

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