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Englands Spieler des Jahres: Warum Kanté der derzeit beste Mittelfeldspieler der Welt ist

Die großen Namen des Fußballs sind oft die Torschützenkönige und brillianten Vorlagengeber. Doch 2017 ist in England Spieler des Jahres: N'Golo Kanté vom FC Chelsea, ein laufstarker Zerstörer. Und das zu Recht. Er ist der Spielertyp der Zukunft.

Die Maschine im Mittelfeld des FC Chelsea: N'Golo Kanté

Die Maschine im Mittelfeld des FC Chelsea: N'Golo Kanté

Das Video dauert nur knapp 20 Sekunden, aber es zeigt eindrucksvoll, wie wichtig N'Golo Kanté für das Spiel des FC Chelsea ist. Gleich dreimal stoppt er in dieser kurzen Zeit den Konter des angreifenden Teams: am gegnerischen Sechszehner, kurz vor der Mittellinie und in der eigenen Hälfte. Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit fegen 1,68 Meter geballte Zweikampfstärke über das halbe Feld. Kanté ist das Gegenstück zu den feinfüßigen Aufbauspielern vor der Abwehr. Zu den Thiagos, Kroos und Gündogans dieser Welt. Kanté ist ein Zerstörer - und er zerstört mit einer beispiellosen Hingabe und Laufbereitschaft. "Manchmal sagen wir uns 'Ich muss jetzt nicht verteidigen, N'Golo ist ja da", verriet sein Mitspieler Eden Hazard einst. 

Einen Zerstörer auf die "Sechs" - also ins defensive Mittelfeld - zu stellen, ist keine neue Idee. Vor nicht allzu langer Zeit galt diese Position noch als "Abräumer" vor der Abwehr, bespielt von Arbeitstieren wie Gennaro Gattuso, die ohne jede Gnade in jeden Zweikampf gingen. Doch in der jüngsten Vergangenheit ist die Sechs vermehrt zum Hoheitsgebiet der Edeltechniker geworden. Hier wird das Spiel initiiert, werden die Angriffe eingeleitet. Kanté ist die logische Konsequenz dieser Entwicklung, denn er ist Zerstörer und Aufbauspieler in Personalunion.

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N'Golo Kanté: Vom Flügelflitzer zum Wadenbeißer

Ursprünglich war der 26-jährige Franzose nämlich ein offensiver Flügelspieler. Klein, schnell und dribbelstark - das sind die optimalen Voraussetzungen für die Außenbahnen. Erst als er 2014 in die französische erste Liga wechselte, entdeckte sein Trainer Kantés Talent in der Balleroberung und versetzte ihn vom Flügel ins defensive Zentrum. "Bis dahin hatte ich diese Fähigkeit bei mir nicht erkannt", sagt Kanté selbst. 

2015 wechselte er dann für neun Millionen Euro nach England zu Leicester City, wo er entscheidend zum überraschenden Meistertitel beitrug. Nach nur einer Saison ging es dann direkt für 36 Millionen weiter zu Chelsea. Auch dort ist er mit vier Punkten Vorsprung im Saisonendspurt wieder auf Meisterkurs. Sollte er am Ende den Premier-League-Titel holen, wäre er erst der zweite Spieler in der Geschichte, dem dies nacheinander mit zwei verschiedenen Klubs gelang.

Herz und Motor des Spiels von Chelsea

Kantés unfassbare Geschwindigkeit macht ihn für jeden Angreifer zu einem unangenehmen Gegenspieler - und bei Ballgewinn kann er blitzschnelle Konter fahren. Er läuft nicht übers Feld, er sprintet. Immer. Nach vorne, genauso wie nach hinten. "Er kann 10 Stunden rennen", scherzen seine Kollegen. "Er ist ein unfassbarer Teamspieler", schwärmt sein Trainer. Kantés Passquote seit seinem Wechsel nach London kratzt an den 90 Prozent, sogar in der gegnerischen Hälfte. Er stand für Chelsea bei jedem Saisonspiel in der Startelf, außer nach einer Gelbsperre. Er spielte immer durch, bis auf eine Auswechslung in der 78. Minute. Kanté ist das Herz und der Motor des Spiels von Chelsea. Er vereint die Qualitäten des zweikampfstarken Wadenbeißers mit denen des dribbelstarken und passsicheren Taktgebers. Er ist quasi die klassische Doppelsechs - nur braucht man lediglich einen Spieler aufzustellen. Er rennt ja eh für zwei.

Die logische Konsequenz seines kometenhaften Aufstieges in der Premier League folgte dann am Sonntag: Da erhielt Kanté die Auszeichnung "Spieler des Jahres" in England - gewählt von seinen Profikollegen. Er setzte sich in der Endausscheidung gegen namhafte Konkurrenz durch: Eden Hazard, Harry Kane, Romelu Lukaku, Zlatan Ibrahimovic und Alexis Sánchez. "Eine große Ehre", nannte das der stets bescheidende kleine Franzose, der in 33 Ligapartien lediglich zwei Torbeteiligungen vorzuweisen hat. Auch deutet Kanté eine neue Entwicklung an: Es muss eben nicht immer die Tor- oder Vorlagenmaschine sein, die zum wichtigsten Spieler einer Mannschaft wird.

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