Nach der Barca-Klatsche Klinsmann vor dem Aus?


Trauer, Schock und Wut beim FC Bayern. Nach der verheerenden 0:4-Klatsche in Barcelona spricht Präsident Karl-Heinz Rummenigge von einer "Lektion" und entschuldigt sich bei allen Bayern-Anhängern. Die Zukunft von Trainer Klinsmann scheint indes ungewisser denn je.

Karl-Heinz Rummenigge schwankte zwischen Wut und Trauer, Franz Beckenbauer schimpfte über die größte Bayern- Katastrophe: Nach der historischen Europapokal-Pleite des FC Bayern München beim FC Barcelona droht das Projekt des nach dem 0:4 schwer gezeichneten Jürgen Klinsmann nach nicht einmal zehn Monaten ein unrühmliches Ende zu nehmen. "Wir sind ein stolzer Club. Dieser Stolz ist heute Abend zum Teil - speziell in der ersten Halbzeit - mit Füßen getreten worden", sagte ein schwer atmender Vorstandschef Rummenigge im Hotel Rey Juan Carlos bei seiner nächtlichen Bankettansprache. "Ich weiß nicht, was ich mehr bin - schockiert, traurig oder wütend über das, was wir heute Abend hier gesehen haben."

"Das Fürchterlichste, was ich je vom FC Bayern gesehen habe"

Dem 1:5 in der Liga gegen Wolfsburg folgte nun das 0:4 im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Barcelona - derartig gedemütigt wurde der glorreiche Club vielleicht noch nie in seiner mehr als 46 Jahre langen Europacup-Historie. "Eine Katastrophe. Die erste Halbzeit war das Fürchterlichste, was ich je vom FC Bayern gesehen habe", begriff Beckenbauer das Aufeinandertreffen zweier Fußball-Welten überhaupt nicht. "Es wurde zuletzt genug geredet, doch die Spieler haben es nicht kapiert." Über die Treffer von Lionel Messi (9. Minute und 38.), Samuel Eto’o (13.) und Thierry Henry (43.) konnte der "Kaiser" in der pechschwarzen Bayern-Stunde dagegen nur staunen.

Tränen bei Udo Lattek

Dass die hilf-, mut- und chancenlosen Münchner am Mittwochabend im Camp Nou nicht zweistellig untergingen, war mehr als den eigenen Fähigkeiten den spanischen Hochgeschwindigkeits-Fußballern zu verdanken, denn die stellten nach der Pause das Toreschießen ein. "Ich habe unseren alten Freund Udo Lattek in der Halbzeit gesehen: Er hat geweint. Ich weiß nicht, ob es Tränen der Wut oder Tränen der Traurigkeit oder Trauer waren. Aber es war signifikant für das, was wir heute Abend leider hier gesehen haben", erklärte Rummenigge im Saal Mare Nostrum und bat die rund 400 Gäste um Verzeihung. "Ich muss mich bei allen, die dem FC Bayern nahe stehen, entschuldigen, das ist ein ganz bitterer Moment, den wir heute Abend erleben."

"Retten, was zu retten ist"

Zwar betonte der Vorstandschef, man solle "rational" bleiben und keine "spontanen, unsinnigen Entscheidungen" treffen - aber sportliche Argumente für eine weitere Zukunft mit Trainer Klinsmann gibt es kaum. Vieles hat der 44-Jährige angepackt, geglückt ist ihm für den Erfolg in der laufenden Saison praktisch nichts. Der FC Bayern ist als Double-Gewinner aus dem Vorjahr mit der Lektion durch Barca in der Champions League so gut wie ausgeschieden, im DFB-Pokal ist die Mannschaft auch nicht mehr dabei und in der Bundesliga droht der aktuelle Tabellenvierte wie vor zwei Jahren die Königsklasse zu verpassen. "Wir müssen retten, was zu retten ist, das heißt: In den acht Spielen in der Bundesliga müssen wir jetzt trotzdem versuchen, unsere Ziele zu erreichen", formulierte Rummenigge eine Kampfansage, die stark nach Durchhalteparole klang.

Nie zuvor haben sich Manager Uli Hoeneß und Rummenigge so eng an einen Coach gebunden wie an Klinsmann. Doch im Zweifel wird dem ehemaligen Bundestrainer das wohl nicht helfen, denn es zählt allein der sportliche Erfolg. Alles hat der 44-Jährige seinem Ziel untergeordnet, den FC Bayern wieder an die europäische Spitze heranzuführen - Barcelona ist derzeit Lichtjahre entfernt. "Das ist ein Moment, wo man einiges einstecken muss. Das ist nicht angenehm, aber als Trainer muss man sich der Kritik stellen", sagte Klinsmann, der kurz nach dem Spiel wie ein angeschlagener Boxer wirkte. "Ich denke, dass ich die Mannschaft sehr wohl erreiche." Sein Motto "als Kämpfer": "Helm auf und durch".

Darf Klinsmann bleiben, gibt es ein Endspiel gegen Frankfurt

Falls Klinsmann, dessen Torwart-Wechsel von Michael Rensing zu Jörg Butt keinen Erfolg hatte, bleiben darf, werden die nächsten Bundesliga-Partien für ihn zum Endspiel. Das erste steht am Samstag gegen Eintracht Frankfurt an. Denn jetzt geht es für die Bayern nur noch um Schadensbegrenzung. Spätestens wenn das Minimalziel Platz zwei und damit die direkte Qualifikation zur Champions League gefährdet ist, bleibt den Bayern-Bossen eigentlich keine andere Wahl. "Unmittelbar nach dem Spiel hat es keinen Sinn, Grundsatzdiskussionen zu führen. Wir werden jetzt darüber schlafen und das Spiel analysieren".

Christian Kunz/DPA DPA

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