HOME

Nationalelf: Der Löwe tritt ins Licht

Mit der Erfolgsserie der Nationalelf ist Bundestrainer Löw aus dem Schatten von Vorgänger Klinsmann getreten. 2007 will er die Kicker entscheidend voranbringen. Bereits im März steht die erste harte Prüfung gegen Tschechien in der EM-Qualifikationsgruppe D an.

Der große Schatten seines Vorgängers ist verschwunden: Joachim Löw wird am Ende eines aufregenden Fußball- Jahres bei Fans und den eigenen Spielern nicht mehr als Nachfolger von Jürgen Klinsmann, sondern als neuer Nationalmannschafts-Chef wahrgenommen. "Er ist in der Arbeit noch selbstbewusster und dominanter geworden, seit er Cheftrainer ist", urteilte Kapitän Michael Ballack auf der letzten Länderspielreise des Jahres über den 46-jährigen Löw, der Klinsmanns Linie nicht nur fortgesetzt, sondern in vier Monaten schon viele eigene Akzente gesetzt hat. "Und die Ergebnisse zeigen, dass er eine unglaublich gute Arbeit macht", ergänzte Ballack vor der Partie gegen Zypern.

"Ich bin immer offen für neue Dinge"

Mit der Löwschen Erfolgsserie in diesem Herbst hat sich das Interesse mehr und mehr auf den neuen Bundestrainer fokussiert. Das große Ziel von Löw ist es, dieses Niveau in der deutschen Nationalelf wieder "dauerhaft" zu halten. "Er weiß, wie er die Leute ansprechen und führen muss, findet immer den richtigen Ton", charakterisierte Amerika-Rückkehrer Klinsmann seinen einstigen Assistenten, "Mit Jogi lebt meine Philosophie in der Mannschaft weiter".

Klinsmanns Philosophie fortzusetzen, ist Löw allerdings nicht genug, er will noch mehr Präzision, noch mehr Innovation. "Ich bin immer offen für neue Dinge", charakterisierte sich Löw selbst und nannte Kreativität und Zielstrebigkeit als eine seiner Haupteigenschaften. Der Bundestrainer hat im Eiltempo neue junge Spieler in die A-Elf befördert, hat ein Eliteprojekt angeschoben. Alle Talente, die in den nächsten Monaten den Sprung in die A-Nationalelf schaffen können, sind dabei erfasst.

Dass der Bundestrainer Löw wesentlich mehr in der Öffentlichkeit steht als der Assistent Löw bekam er in den vergangenen Wochen auch schon zu spüren. "Manchmal kommt jemand mitten in einem Gespräch und setzt sich mit an den Tisch", erzählte Löw. Eine Boulevard-Zeitung veröffentlichte ein Paparazzi-Foto des Bundestrainers in Badehose, mit iPod im Ohr und Zigarette im Mundwinkel auf einer Pool-Liege. Inzwischen hat er das Rauchen aufgegeben und festgestellt, "dass mir eigentlich nichts fehlt". Löw weiß, die größeren Stürme kommen noch: "Das hängt natürlich vorrangig von den Ergebnissen ab."

Kein großes Sommerturnier

Der berauschenden WM-Saison folgt ein Jahr ohne Turnier-Highlight, doch Joachim Löw will 2007 die Weichen für einen andauernden Höhenflug der Fußball-Nationalmannschaft stellen. In insgesamt zwölf Länderspielen - darunter der Klassiker in England am 22. August - soll nicht nur die Qualifikation für die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz so früh wie möglich perfekt gemacht werden. Der Bundestrainer will die DFB-Auswahl in ihrer Entwicklung entscheidende Schritte voran bringen. "Wir wollen dauerhaft zur Spitze gehören. Es gibt Punkte zur Verbesserung", sagte Löw. Auch nach den sommerlichen WM-Glanzstunden und dem erfolgreichen zweiten Halbjahr 2006 sieht der 46-Jährige seine Auswahl "in manchen Bereichen erst am Anfang".

Erstmals seit vier Jahren steht 2007 kein großes Sommerturnier an. Nach EM 2004, Confed-Cup 2005 und WM 2006 hält der durch die FIFA vorgegebene Kalender im Zwischenjahr ein Dutzend Länderspieltermine bereit. Zum Auftakt geht es für das DFB-Team am 7. Februar in Düsseldorf in einem Test gegen EM-Gastgeber Schweiz. Schon danach folgt am 24. März die wohl härteste Prüfung mit dem Spitzenduell in der EM-Qualifikationsgruppe D in Prag gegen Tschechien.

In der Ausscheidungsrunde stehen zudem die Heimspiele gegen San Marino (2. Juni/Nürnberg), die Slowakei (6. Juni/Hamburg), Tschechien (17. Oktober/München), Zypern (17. November/Hannover) und Wales (21. November/Frankfurt) sowie die Auswärtsaufgaben in Wales (8. September/Cardiff) und Irland (13. Oktober/Dublin) an. Für einen Test am 12. September in Köln sucht der DFB wie für den Termin am 28. März noch einen Gegner. Eine vom Verband seit langem angedachte Südamerika- oder China-Reise wird es wegen der Diskussion mit den Bundesliga-Clubs um überlastete Spieler vorerst wohl nicht geben.

Die Länderspiele der Nationalelf 2007

DatumWettbewerbGegnerOrt
07. FebruarTestländerspielSchweizDüsseldorf
24. MärzEM-QualifikationTschechienPrag
28. MärzTestländerspieloffenDuisburg
02. JuniEM-QualifikationSan MarinoNürnberg
06. JuniEM-QualifikationSlowakeiHamburg
22. August TestländerspielEnglandLondon
08. SeptemberEM-QualifikationWalesCardiff
12. SeptemberTestländerspieloffenKöln
13. OktoberEM-QualifikationIrlandDublin
17. OktoberEM-QualifikationTschechienMünchen
17. NovemberEM-QualifikationZypernHannover
21. NovemberEM-QualifikationWales
Arne Richter und Jens Mende/DPA / DPA

Wissenscommunity