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NATIONALMANNSCHAFT: Gut gespielt und verloren

Märchenhaftes Comeback für Fredi Bobic - ernüchternder Jahresabschluss für die deutsche Fußball- Nationalmannschaft. trotz einer insgesamt guten Leistung, verlor Rudi Völlers Notelf 1:3 gegen die Niederlande.

Märchenhaftes Comeback für Fredi Bobic - ernüchternder Jahresabschluss für die deutsche Fußball- Nationalmannschaft. Der mit einer Verlegenheitself angetretene Vize- Weltmeister kassierte am Mittwochabend mit dem 1:3 (1:1) gegen WM- Zuschauer Niederlande in Gelsenkirchen die erste Niederlage seit der Weltmeisterschaft und bekam dabei deutlich die Grenzen aufgezeigt. Vor 60 597 Zuschauern in der Arena »AufSchalke« genügte aus deutscher nur die erste Stunde des Spiels, in der Rückkehrer Bobic mit seinem ersten Länderspiel-Tor seit dem 9. Oktober 1996 der Ausgleich nach dem 0:1 durch Patrick Kluivert (22.) gelungen war, höheren Ansprüchen. Als in der Schlussphase die Konzentration nachließ, musste das Team von Rudi Völler weitere Gegentore durch Jerrel Hasselbaink (69.) und Ruud van Nistelrooy (79.) hinnehmen.

»Gelungendes Comeback«

»Ich glaube, wir haben ein ordentliches Spiel gemacht. Der einzige Unterschied war, dass die Holländer ihre wenigen Chancen genutzt haben und wir unsere vielen nicht«, sagte Völler, der Bobic eine »sehr, sehr gute Leistung« bescheinigte: »Es war ein gelungenes Comeback.« Der Gelobte freute sich über einen »tollen Einstand«. »Aber ich wäre natürlich noch glücklicher, wenn wir das Spiel gewonnen hätten«, sagte der Torschütze, der bei seiner Auswechslung gegen Gerald Asamoah in der 68. Minute frenetisch gefeiert wurde.

Deutschland mit Notelf

Die nach zahlreichen Ausfällen zur Notelf gewordene deutsche Mannschaft zog sich gegen die mit Weltklassespielern gespickten und in Bestbesetzung angetretenen Oranjes besser als erwartet aus der Affäre. In einer gutklassigen und trotz der großen Rivalität wohltuend fair geführten Partie wirkte das Völler-Team konzentriert und gut organisiert. Die DFB-Elf ließ lange Zeit kaum Chancen des seit dem Neuaufbau unter Bondscoach Dick Advocaat noch unbesiegten Gegners zu und setzte die Niederländer selbst entschlossen unter Druck.

Nach fünf Jahren wieder dabei

Als belebendes Element des zuletzt meist lahmen Angriffsspiels erwies sich Bobic. Der 31-Jährige, erst durch die Absage von Carsten Jancker von Völler kurzfristig in den Kader aufgenommen, spielte bei seinem ersten Einsatz im DFB-Trikot seit dem 22. Februar 1998 (3:0 in Riad gegen Saudi-Arabien) seine Stärken im Kopfballspiel und Zweikampf aus und wurde mit seinem dritten Länderspiel-Treffer belohnt. An der Seite des Rückkehrers blühte selbst der seit Wochen seiner Form hinterher laufende Miroslav Klose förmlich auf. Pech für den Lauterer, dass er nach der Pause wegen einer Augenverletzung seinen Platz für Paul Freier räumen musste.

Gelegentliche Probleme offenbarte die deutsche Mannschaft indes beim schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff. Dabei zeigte sich, dass Michael Ballack die Fäden im Mittelfeld nicht wie gewünscht in die Hand bekam. Die meisten Offensivaktionen wurden über die rechte Seite vorgetragen, wo Torsten Frings und Bernd Schneider mehr Dampf entfachten als auf dem linken Flügel Lokalmatador Jörg Böhme und Arne Friedrich. Die nach den Absagen von Christoph Metzelder, Christian Wörns, Jens Nowotny und Carsten Ramelow völlig umgekrempelte Abwehr stand lange Zeit sicher und ließ sich nur bei einer Standardsituation überrumpeln. Eine überzeugende Leistung in der Defensive boten bis zu seiner Auswechslung Jens Jeremies und Frank Baumann als Abwehrchef.

»Knipser« Bobic

Mit seinem von Frank de Boer abgefälschten Schuss war Klose Ausgangspunkt der ersten deutschen Torgelegenheit. Den folgenden Eckball von Schneider köpfte Bobic (8.) knapp über die Latte. Der 31- jährige Hannoveraner war auch im weiteren Verlauf torgefährlichster Angreifer. In der 27. Minute verpasste Bobic noch knapp eine Flanke von Klose, doch sieben Minuten später wurde er nach Schneiders Freistoß seinem Ruf als »Knipser« gerecht. Mit einem Flugkopfball drückte er die hohe Hereingabe an Edwin van der Sar vorbei zum verdienten 1:1 ins Tor.

Erinnerungen an Glanztaten

Der Oranje-Führung war ein Foul von Böhme an Clarence Seedorf vorausgegangen. Den Freistoß von Edgar Davids spitzelte Kluivert, der sich am Fünf-Meter-Raum energisch gegen Marko Rehmer durchsetzte, an Oliver Kahn vorbei. Mit einer prächtigen Fußabwehr gegen den eingewechselten van Nistelrooy (49.) weckte der Bayern-Keeper kurz nach Wiederbeginn Erinnerungen an seine Glanztaten während der WM.

Hoher Druck und spielerische Akzente

Mit zunehmender Spielzeit erhöhte die deutsche Mannschaft den Druck und setzte auch spielerische Akzente. In der 59. Minute vergab Freier die mögliche Führung, als er Bobic anspielen wollte, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. Ein Ballverlust von Sebastian Kehl, der seinen Vorgänger Jeremies nicht gleichwertig ersetzen konnte, führte schließlich zur erneuten Führung für die Gäste durch den gerade eingewechselten Hasselbaink. Weitere zehn Minuten später war die unglückliche deutsche Niederlage endgültig besiegelt, als van Nistelrooy eine Seedorf-Flanke völlig frei vor Kahn erwischte und das von 6000 Oranje-Fans bejubelte 3:1 markierte.

Oliver Hartmann und Jens Mende, dpa

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