Nationalmannschaft Projekt 2006 startet jetzt


Bei der Nominierung für das Länderspiel gegen Österreich sind personelle Überraschungen ausgeblieben. Die Vorbereitung für die WM 2006 läuft dennoch auf vollen Touren.

Mit drei Torhütern, aber nur einem Neuling und ohne personelle Überraschung geht Jürgen Klinsmann in seine Länderspiel-Premiere als Fußball-Bundestrainer. Für das Prestigeduell der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch in Wien gegen Österreich nominierte der neue Coach 19 Spieler, von denen gleich 17 an den unrühmlichen EM-Auftritten in Portugal beteiligt waren. Unbelastet von der EURO sind lediglich Debütant Frank Fahrenhorst und dessen Bremer Teamkollege Tim Borowski, der vor zwei Jahren zwei Mal zum Einsatz gekommen war. "Die Jungs sollen merken, dass das Projekt 2006 jetzt losgeht", betonte Klinsmann bei der Präsentation des Kaders am Donnerstag in Frankfurt/Main.

Nur 16 Feldspieler wurden nominiert

Das Spektakulärste an der ersten Co-Produktion von Klinsmann und Assistent Joachim Löw sind die geringe Anzahl von nur 16 Feldspielern und die Umstände der Zusammenstellung. Denn mehr noch als seine Vorgänger hört der neue Teamchef auf die Meinung der Bundesliga-Trainer. Auf den wieder erstarkten Sebastian Deisler und Junioren- Nationalspieler Andreas Görlitz habe er verzichtet, weil ihm Bayern Münchens Trainer Felix Magath von einer Nominierung abgeraten habe.

"Felix sagte, der braucht noch seine Zeit und wird noch ein paar Täler durchmachen. Die Botschaft ist angekommen", sagte Klinsmann zum Verzicht auf Görlitz. Und auch bei Deisler habe er sich überzeugen lassen, dass ein Länderspiel-Comeback zum jetzigen Zeitpunkt für Deislers weitere Entwicklung nicht förderlich sei. "Bei mir gibt es keinen Machtkampf, sondern den offenen Dialog", betonte Klinsmann.

30 bis 40 Spieler auf der Perspektivliste

Peter Neururer, Coach des VfL Bochum, kritisierte hingegen im Sportmagazin "kicker" fehlende Kommunikation mit dem neuen DFB-Sportchef. "Ich hätte erwartet, dass sich Klinsmann mal bei mir meldet", wetterte er: "Aber vielleicht interessiert ihn Bochum ja nicht."

Aus dem EM-Aufgebot fehlen neben dem zurück getretenen Jens Jeremies und dem verletzten Christian Wörns auch Fredi Bobic, Christian Ziege, Sebastian Kehl und England-Legionär Dietmar Hamann. Doch auch sie stünden ebenso wie der formschwache Neu-Leverkusener Paul Freier auf der Perspektivliste "von 30 bis 40 Spielern, die beobachtet werden." Berücksichtigt wurden dagegen Lukas Podolski vom Zweitligisten 1. FC Köln und der zum Saisonstart noch angeschlagene Münchner Bastian Schweinsteiger.

Timo Hildebrand als lachender Dritter?

"Wir wollen ein Gespür entwickeln für die gesamte Mannschaft, wollen ein persönliches Verhältnis zu den Spielern aufbauen, ihre Gedanken lesen können", formulierte Klinsmann die Zielsetzung für die ersten Testspiele unter seiner Regie. In den Mittelpunkt des ersten "Schnupperkurses", der mit dem gemeinsamen Abendessen am Sonntag im DFB-Stammquartier in Neu-Isenburg beginnt, stellte der 108-malige Nationalspieler die Torhüter. "Wir wollen uns ein Bild machen, wie die Chemie untereinander ist", erklärte Klinsmann, dem die Differenzen zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann im zwischenmenschlichen Bereich vor der EM nicht entgangen sein dürften.

Lachender Dritter könnte - im Hinblick auf die WM 2006 - der Stuttgarter Timo Hildebrand sein. Klinsmann ließ offen, wer in Wien nicht einmal Ersatzkeeper sein wird, bekräftigte aber seinen Willen zur Rotation, von der auch Kapitän Kahn nicht ausgenommen wird.

Keine Chance auf einen Platz im DFB-Team hat indes Stürmerstar Ailton. Auch nach seiner Wahl zum "Fußballer des Jahres" kommt der Neu-Schalker für das Nationalteam nicht in Frage. Klinsmann: "Bei aller Wertschätzung, aber er ist in Brasilien aufgewachsen und Brasilianer durch und durch. Ich hoffe, dass er den Durchbruch im brasilianischen Nationalteam schafft."

Reinhard Schwarz und Oliver Hartmann/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker