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Nationalmannschaft: Versöhnlicher Jahresabschluss in Paris

Die Deutsche Nationalelf erspielt sich gegen Frankreich ein hoch verdientes 0:0. Die deutsche Abwehr hielt sich überraschend gut. Schweinsteiger sorgte in der zweiten Hälfte für Schwung

Mit der bislang besten Saisonleistung hat die deutsche Nationalelf das Jahr 2005 abgeschlossen und sich beim Weltranglisten-Fünften Frankreich ein verdientes 0:0-Unentschieden erspielt. Bei einer besseren Chancenauswertung in der zweiten Hälfte wäre sogar ein Sieg für das Klinsmann-Team möglich gewesen. So reichte es in der kurzweiligen Partie am Samstagabend vor knapp 60.000 Zuschauern im Stade de France in Paris erneut nicht zu einem Sieg gegen einen großen Gegner. Gegen die Franzosen bleibt das deutsche Team damit auch nach 18 Jahren ohne Sieg. Die deutsche Mannschaft spielte konzentriert und engagiert. Insbesondere im Zweikampfverhalten zeigte sich das Team im Vergleich zu den vorangegangen Partien stark verbessert.

Abwehr überraschend stark

Auch die viel gescholtene Abwehr mit Per Mertesacker und Robert Huth hatte die Weltklassestürmer Thierry Henry und David Trezeguet sowie später Nicolas Anelka und Djibril Cissé über weite Strecken gut im Griff. Bei Frankreich machte sich vor allem das Fehlen der verletzten Mittelfeld-Asse Zinedine Zidane und Patrick Viera deutlich bemerkbar. Zudem verzichtete Trainer Raymond Domenech freiwillig auf den Keeper des Weltmeisterteams von 1998, Fabian Bartez.

Das Spiel begann verhalten, erst in der 14. Minute gab es die erste Torchance: Nach einem Konter über Sebastian Deisler kam Lukas Podolski zum Schuss und verfehlte aus 18 Metern den Torwinkel nur um Zentimeter. Fünf Minuten später setzte sich Stürmerstar Thierry Henry gegen Mertesacker durch und verzog nur knapp. Es war die einzige nennenswerte Chance der Franzosen in der ersten Halbzeit. Während sich das deutsche Team ab der 20. Minute ein leichtes Übergewicht erspielte, verstiegen sich die Franzosen zunehmend in Nickeligkeiten.

Unnötiges Foulspiel

Unrühmlicher Höhepunkt war kurz vor der Pause das Foul von Verteidiger William Gallas an Deisler, der dabei eine stark blutende Fleischwunde am Fuß erlitt und ausgewechselt werden musste. Die zweite Hälfte begann dann wesentlich temporeicher. Vor allem der für Deisler eingewechselte Bastian Schweinsteiger sorgte für viel Schwung und scheiterte in der 54. Minute nach tollem Pass von Ballack allein vor Torhüter Grégory Coupet. Auf der Gegenseite hatten Trezeguet und Anelka in der 52. Minute eine gute Gelegenheit. Bis zur Schlussviertelstunde dominierte das deutsche Team und ließ weitere gute Chancen ungenutzt. Dann erhöhten die Franzosen wieder das Tempo und brachten die Klinsmann-Elf noch einmal gehörig unter Druck. In der letzten Spielminute wäre der starke Huth beinahe noch zum tragischen Helden des Spiels geworden, als er bei einem Rettungsversuch haarscharf am eigenen Tor vorbeiköpfte.

Klinsmann sieht Mannschaft im Plan

Bundestrainer Jürgen Klinsmann sagte nach dem Spiel, die Mannschaft habe die Vorgaben gut umgesetzt: "Wir wollten sehr kompakt spielen und haben das sehr intensiv trainiert. Wir haben Vertrauen in die Mannschaft, und das haben wir ihr auch gesagt. Das hat geklappt. Ich glaube, wir haben mehr Chancen herausgespielt als die Franzosen." Insgesamt wirkten die Spieler inzwischen frischer und wesentlich aktiver als noch vor ein paar Wochen. "Ich denke, die Jungs haben viel Lob verdient." Insgesamt sei man im Plan, sagte Klinsmann weiter. "Wir haben immer noch ein bisschen Abstand nach oben. Das wissen wir, daran werden wir arbeiten. Ich denke, wir können optimistisch in die Zukunft schauen. Es macht Spaß, es ist eine gute Kameradschaft. Darauf kann man aufbauen."

Torsten Holtz und Stephan Köhnlein/AP

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