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Martin Ödegaard bei Real Madrid: Der 16-Jährige, der jetzt zwei Millionen Euro verdient

Real Madrid kauft einen 16-Jährigen Nachwuchsspieler und bezahlt ihn königlich. Der Norweger Martin Ödegaard gilt als "Wundertalent". Doch er wäre nicht der erste, der an diesem Prädikat scheitert.

Von Felix Haas

Martin Ödegaard spielte bereits mit 15 Jahren in Norwegens Nationalmannschaft - nun wechselt er zu Real Madrid

Martin Ödegaard spielte bereits mit 15 Jahren in Norwegens Nationalmannschaft - nun wechselt er zu Real Madrid

Die große Frage der nächsten Jahre wird nun also sein, ob der kleine norwegische Ort Drammen irgendwann einmal in einem Atemzug mit der argentinischen Großstadt Rosario und dem hübschen, madeirischen Städtchen Funchal genannt wird. Oder ob sich Drammen eher zu dem ghanaischen Ort Tema gesellt - und damit in der Fußballwelt in Vergessenheit gerät. Aber dazu später mehr.

Martin Ödegaard heißt der neue Nachwuchs-Stern am Fußball-Himmel. Mehrere Monate jagte die Fußball-Elite den 16-Jährigen. Bayern, Manchester, Liverpool, Barcelona - Ödegaard hat in seiner jungen Fußballerkarriere schon die schönsten Trainingsplätze dieser Erde gesehen. Er konnte sich seine neue Mannschaft aussuchen. Nun wechselt er zu Real Madrid. Am Donnerstag soll er dort vorgestellt werden.

Die Königlichen haben einiges aufgeboten, um ihn zu umgarnen. Sie versprechen ihm, dass er nicht in Jugendteams spielen muss - sondern in der ersten Mannschaft mittrainiert. Er will nur von den Besten lernen - das hat er gleich betont. Ein fürstliches Gehalt bekommt er natürlich auch. Real serviert ihm mehr als zwei Millionen Euro jährlich. Nicht schlecht. Ödegaard ist schließlich erst 16 Jahre alt.

Hält er, was er verspricht?

Der Wahnsinn hat also ein neues Level erreicht. Wirklich überraschend kommt das nicht. Seit Jahren reißen sich die Spitzenclubs um die "Wunderkinder" dieser Welt. Der FC Barcelona bekam wegen Transfers von Minderjährigen schon ein Transferverbot aufgebrummt. Jetzt also dieser Ödegaard zu Real? Da könnte der Fußballfan auch einfach mit den Achseln zucken und sich wieder den Bundesliga-Nachrichten widmen. Doch so einfach ist das nicht.

Jedes "Megatalent" birgt schließlich ein Versprechen, weckt eine Vorstellung. Nichts weniger als DEN nächsten Superstar erwarten die Fans. An dieser Stelle kommt die Einstiegsfrage zurück ins Spiel. Es ist die einzig entscheidende Frage im Fall Ödegaard.

Hält dieser 16-jährige Norweger, was er verspricht? Beerbt er, der 1998 in Drammen geborene Blondschopf, einmal die besten Fußballer dieser Welt: Lionel Messi aus Rosario und Cristiano Ronaldo aus Funchal. Oder wird er eines der "Wunderkinder", die später keiner mehr kennt. Wird er einer, wie der ehemalige US-Nationalspieler Freddy Adu (geboren im ghanaischen Tema), der mit 14 seinen ersten Sponsoren-Deal unterschrieb und heute mit 25 Jahren keinen Verein mehr findet, weil er es zuletzt in der serbischen Liga nicht packte.

Ödegaards steile Karriere

Im Fall Ödegaard ist bislang nur eines klar: Seine Karriere verlief (mega-)steil. Mit 13 debütierte er bei einem Freundschaftsspiel des norwegischen Erstligisten Strömsgodset in der ersten Mannschaft. Am 13. April 2014 absolvierte er sein erstes Ligaspiel. Er legte gleich mal einen Treffer auf. Einen Monat später erzielte er sein erstes Profi-Tor. Im Oktober 2014 streifte er sich das Trikot der norwegischen Nationalmannschaft über - mit 15 Jahren.

Natürlich kursieren bereits Vergleiche mit Messi. Das muss so sein bei einem Wunderkind. Ödegaard könne alle Offensiv-Positionen flexibel besetzen, berichten Scouts. Er ist Linksfuß - wie Messi. Sein Dribbling soll phänomenal sein. Auch Bayern-Trainer Guardiola sieht in ihm den neuen Messi. Doch offenbar hat Ödegaard sogar noch bessere Anlagen: "Es steckt nicht nur Messi in Ödegaard", schreibt zumindest Fußball-Blogger Constantin Eckner in seinem Porträt, "eine Prise David Silva, eine Portion Arjen Robben, ein Schuss Koke und etwas Henrikh Mkhitayan runden das norwegische Offensivpaket ab." Na dann.

"Madrid hat alles richtig gemacht"

Obwohl Ödegaard bei Real noch nicht einmal offiziell präsentiert worden ist, geschweige denn aufgelaufen ist, blickt die Konkurrenz neidisch auf den Real-Transfer. Der FC Bayern wollte Ödegaard unbedingt nach München lotsen. Reals Mammut-Gehalt hat Guardiola und Co. ausgestochen. Von den Verantwortlichen gibt es noch keine Reaktion. Die Bayern-Fans trauern Ödegaard aber bereits nach: "Leider ist der Spieler nun für immer vom Transfermarkt. Diese Tatsache ist eigentlich das bitterste daran. Madrid hat alles richtig gemacht", schreibt "Vizsla" auf der Facebook-Seite des Rekordmeisters.

Ob Real wirklich alles richtig gemacht hat, dürfte sich frühestens in einigen Jahren zeigen. Bislang hat Ödegaard schließlich nur den Verteidigern in Norwegen Knoten in die Beine gespielt. Bei Sergio Ramos dürfte das deutlich schwieriger werden. Auch im Training.

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