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P. Köster: Kabinenpredigt: Fall Aubameyang: Der BVB zeigt, wie man klug mit Erpressung umgeht

BVB-Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang nach seiner jüngsten Provokation zu suspendieren, war richtig. Ihn zu verkaufen, ist aber keine Option. Die Dortmunder sollten sich nicht vorführen lassen, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Nach Kritik durch "Kicker"-Chefreporter: Aubameyang greift Journalisten für das Wort "Affenzirkus" an

Seit 19 Jahren ist Michael Zorc im Management von tätig, seit 2005 ist er Sportdirektor beim BVB. Und es ist wohl all seiner Erfahrung geschuldet, dass er am Sonntagnachmittag mit moderaten Worten die erneute Suspendierung des BVB-Stürmerstars Pierre-Emerick Aubameyang kommentierte. "Das was jetzt abgeht, ist von unserer Seite nicht zu tolerieren", sprach Zorc, vergaß aber nicht, einen Blick zurückzuwerfen: "Diese Verhaltensweise habe ich bei ihm über Jahre nicht gesehen. Er war sonst immer diszipliniert."

Niemand wäre Zorc wohl gram gewesen, hätte er deutlich schärfere Worte für den Stürmer gefunden, der sich seit Wochen und Monaten einen Spaß daraus macht, die Grenzen der Leidensfähigkeit der BVB-Funktionäre auszutesten. Mal ließ er ohne Erlaubnis ein Kamerateam aufs Gelände, mal schwänzte er das Training, mal verpasste er eine Besprechung, hinzu kamen öffentlich geäußerte Abwanderungsgelüste und exzentrische Shoppingtrips mit privatem Charterjet. Und all das inmitten einer der schwierigsten Situationen des Klubs seit langem. Gerade bemüht sich der BVB, nach halbwegs überstandener Krise und schmerzhaftem Trainerwechsel, wieder in ruhiges Gewässer zu navigieren, da beschäftigt die boulevardeske Posse um den Klub so sehr, dass sich gar Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer zu öffentlicher Kritik am nicht enden wollenden Kasperle-Theater genötigt sah.

Der BVB ist in der Zwickmühle 

So klar sich nun positioniert hat, so machtlos ist der Klub dennoch dem Gebaren des Spielers ausgeliefert. Denn BVB-Coach Peter Stöger mochte noch so überzeugend darlegen, dass er den anderen Stürmern des BVB vollends vertraue, an die Klasse und Treffsicherheit Aubameyangs reicht derzeit keiner der Angreifer heran. Und weil das so ist, könnte das Theater um den Stürmer womöglich noch ein paar Wochen und Monate so weiter gehen.

Besonders schmerzhaft ist das deshalb, weil der BVB ein ähnliches Theater ja schon vor ein paar Monaten mit Ousmane Dembélé erlebt hat: Zwar hatte die Dreistigkeit, mit der der junge Kicker offenbar auf Geheiß seines Managements dem BVB-Training fernblieb, um seinen Wechsel zum zu erzwingen, noch einmal eine andere Qualität. Das Prinzip, die eigene gute Verhandlungsposition rücksichtslos auszunutzen, ist bei beiden Kickern ähnlich.

Aubameyang und Dembelé sind dabei Schrittmacher einer Entwicklung, die dem Ruf der Kickergilde nachhaltig schadet. Sie prägen das Bild junger Spieler, denen alles außer dem eigenen Fortkommen, herzlich egal ist. Die aus den enormen Gehältern und der überbordenden Zuneigung, die ihnen entgegengebracht wird, keinerlei Verantwortungsgefühl entwickeln.

Klubs dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen

Umso mehr wären eigentlich die Klubs in der Verantwortung, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Was wäre das für ein kraftvolles Signal gewesen, wenn der FC Barcelona nach Dembelés unwürdigen Theater von einer Verpflichtung Abstand genommen hätte. Und wenn auch Klubs wie der FC Arsenal davon absehen würden, in den Poker um Aubameyang einzusteigen. Dann bestünde eine gewisse Aussicht, dass Querulantentum keine erfolgversprechende Strategie mehr wäre, um den Klub zu wechseln. Aber im Spitzenfußball scheint sich derzeit jeder selbst der nächste, das betrifft Klubs ebenso wie Spieler und Berater.

Um nun aber nicht alljährlich mit derlei ärgerlichen Psychospielchen konfrontiert zu werden, sollte der BVB eine klare Linie fahren. Was bedeutet, den Stürmer zu disziplinieren, ihn aber auf jeden Fall nicht auf dem Transfermarkt feilzubieten. Weil der BVB dem Stürmer braucht, weil sich auch Aubemeyang gut überlegen wird, den Rest der Serie auf der Bank oder Tribüne zu hocken, und weil es auch ein wichtiges Signal an die Mannschaft ist, die ihrerseits ja sehr professionell auf die ständigen Extravaganzen des Mitspielers reagiert hat.

Insofern war es klug von Michael Zorc, klare Grenzen gesetzt zu haben, aber zugleich dem Stürmer einen Weg zurück in den Kader zu skizzieren. Es ist der beste Weg für den BVB.

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