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Transfer-Wunsch: Der Fall Aubameyang: Wie Fußball-Profis ihre Vereine erpressen

Offensichtlich will Pierre-Emerick Aubameyang seinen Abgang aus Dortmund erzwingen. Mit seinen bewussten Provokationen steht der Stürmer aber nicht allein. Seit Jahrzehnten ist Fußballern (fast) jedes Mittel recht, um einen Wechsel zu erzwingen.

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Michael Zorc hat mal wieder Stress. Zu seinem Leidwesen gehört es zu den unangenehmen Aufgaben eines Fußball-Managers, sich mit Profis herumzuschlagen, die einen Wechsel gegen den Willen des Vereins erzwingen wollen. Sein jüngster Problemfall ist , 28 Jahre alt und einer der besten Stürmer Europas. Aubameyang schwänzte am Samstag vor dem Rückrundenauftakt der Dortmunder gegen Wolfsburg die Mannschaftssitzung. Trainer Peter Stöger strich ihn daraufhin aus dem Kader, eine saftige Geldstrafe wird er ebenfalls erhalten. Es war offensichtlich ein bewusst provozierter Eklat, um den Verein unter Druck zu setzen. Wohin die Reise gehen soll, ob nach China oder zu Arsenal London, ist unklar. Dazu äußert sich der Angreifer nicht.

Der Gabuner will den BVB eigentlich schon seit Längerem verlassen, doch kurz vor Weihnachten teilte er dann überraschend mit, seinen Vertrag verlängert zu haben, bis 2021. Doch wer zwischen den Zeilen las, erkannte schon da, dass der neue Vertrag wohl am ehesten dazu diente, Aubameyangs Preis in die Höhe zu treiben und ihn kurzfristig etwas mehr bei Laune zu halten. Zorc sagte: "Wir planen ganz klar mit Auba, er hat einen langfristigen Vertrag in Dortmund. Irgendwann wird er Dortmund verlassen, aber für uns ist er ein extrem wichtiger Spieler".

Los ging das Theater vor einem knappen Jahr. Da äußerte Aubameyang erstmals Wechselabsichten. Er nervte damit den damaligen Trainer Thomas Tuchel und die Vereinsführung. Im November zuvor hatte sich Aubameyang die erste Undiszipliniertheit geleistet, als er unerlaubterweise zur einer Shoppingtour nach Mailand geflogen war. Im Sommer machten die BVB-Bosse dann klar: Aubameyang bleibt in . Es folgten prompt weitere Undiszipliniertheiten. Die Methode Aubameyangs: wiederholt zu spät zum Training kommen. Tuchels Nachfolger Peter Bosz warf den Gabuner daraufhin ebenfalls für ein Spiel aus dem Kader.

Pierre-Emerick Aubameyang ist kaum zu halten

Ob der BVB den schnellen Angreifer halten kann, ist nach der jüngsten Provokation mehr als zweifelhaft. Zorc machte nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen Wolfsburg eine verräterische Aussage: "Das Wichtigste ist immer - und darauf wird unser ganzes Handeln ausgerichtet sein - der Klub und dessen Ziele, und die werden wir nicht gefährden." Anders ausgedrückt: Der kann es sich nicht erlauben, dass Aubameyang ihm auf der Nase herumtanzt und die Stimmung in der Mannschaft verdirbt, auch wenn sein Weggang eine sportliche Schwächung wäre.

In Dortmund haben sie Erfahrung mit Provokationen von wechselwilligen Spielern. Im vergangenen Sommer erzwang Ausnahmetalent Ousmane Dembélé seinen Transfer nach Barcelona, indem er einfach das Training in der Vorbereitungsphase schwänzte. Dembélé bekam seinen Willen. Aber Dortmund profitierte auch schon von solchen Methoden. Der vom berüchtigten Berater Mino Raiola betreute Armenier Henrikh Mkhitaryan griff vor seinem Wechsel zum BVB im Jahr 2013 ebenfalls zu unlauteren Mitteln. Ähnlich wie Dembélé ging der Mittelfeldspieler bei seinem damaligen Klub Schachtjor Donezk einfach nicht mehr zum Training. Vor seinem Wechsel zu Manchester United drei Jahre später drohte sein Berater wieder mit Streik, und der BVB ließ Mkhitaryan ziehen.

Dortmund steht nicht alleine da. Auch wenn es selten vorkommt, ist es im Profi-Fußball weltweit seit Jahren üblich, dass Spieler mit Streiks und einen Wechsel erzwingen. Beim HSV haben sie gerade einen ähnlichen Fall. Dort will der brasilianische Mittelfeldspieler Walace den Verein verlassen und verlängerte eigenständig seinen Winterurlaub um vier Tage. Konsequenz: Er flog aus dem Kader. Es ist zu vermuten, dass seine Botschaft in Hamburg angekommen ist und er den Verein verlassen wird. Der frühere Hamburger Rafael van der Vaart ließ sich einst im Trikot des FC Valencia ablichten, obwohl der HSV nicht in einen Transfer eingewilligt hatte. Van der Vaart musste ein weiteres Jahr im kühlen Norden bleiben, bevor er zu Real Madrid wechselte. Der türkische Nationalspieler Hakan Çalhanoğlu ließ sich vor drei Jahren einfach krankschreiben, als er seinen Wechsel vom HSV zu Bayern Leverkusen forcieren wollte. Kaum war er in Leverkusen angekommen, erfolgte eine Blitzheilung.

Julian Draxler ging subtiler vor

Einer subtileren Methode bediente sich ein deutscher Weltmeister. Julian Draxler wollte trotz eines langen Vertrages schon nach einem Jahr den VfL wieder verlassen. Die Wolfsburger pochten allerdings auf den bestehenden Kontrakt, und Draxler musste vorerst bleiben. In der Folge spielte Draxler so schwach, dass die Wolfsburger irgendwann keinen Sinn mehr darin sahen, ihn zu halten und gaben ihn vor einem Jahr an Paris Saint-Germain ab. In die gleiche Riege gehört auch Demba Ba, der sich einst von Hoffenheim wegstreikte, als das Geld aus der Premier League lockte.

Für den ersten Fall dieser Art, der für eine größere Aufregung sorgte, war im übrigen ein Fußballer verantwortlich, der jetzt Trainer von Bayer Leverkusen ist. Heiko Herrlich stand vor über 20 Jahren in Diensten von Borussia Mönchengladbach und wollte zum BVB wechseln. Angeblich hatte er eine mündliche Zusage des damaligen Managers Rolf Rüssmann erhalten. Als Gladbach sich dennoch weigerte, Herrlich abzugeben, trat der in den Streik - und wechselte am Ende zum BVB.

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