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Bundesliga im stern-Check: Was an dieser Saison alles nervte - und was gut war

Die abgelaufene Saison hat viele Aufreger geboten, aber sportlich war sie enttäuschend. Die Dominanz der Bayern, langweilige Spiele und Debatten um den Videobeweis nervten gewaltig. Aber zum Glück gab es auch schöne Geschichten.

Dreierkombo Buli-Check

Jupp Heynckes, randalierende HSV-Hools und der Videobeweis - drei Geschichten der abgelaufenen Bundesliga-Saison

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 34. Spieltages, die Tabelle und Highlights zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Die Aufreger der Saison 

Videobeweis ist das Reizwort der Saison. Es gibt nicht wenige Menschen in diesem Land, die bekommen bei seiner Erwähnung Schaum vor dem Mund oder laufen vor Wut blau-lila an. Die Kritiker halten die Einführung des schlicht für den Untergang des Fußballs. Das ist übertrieben, aber auch Befürworter müssen zugeben: In der sogenannten Testphase lief doch einiges schief. Das Problem: Selbst im dunklen Keller im Kölner Videoraum sitzen Menschen - und die machen Fehler. Dennoch: Glaubt man den Zahlen, hat der Videoassistent die Liga gerechter gemacht.

Ein weiteres Reizwort ist Pierre-Emerick Aubameyang, und das nicht nur in . Wie einst Ousmane Dembélé provozierte der Angreifer gezielt mit Eskapaden, um in der Winterpause seinen Wechsel zu Arsenal London zu erzwingen. Diese peinlichen Ego-Profis nerven alle. Und sie schaden dem Ansehen des Fußballs.

Gehen wir nach zur Eintracht. Dort löst die Nennung des Namens Niko Kovac bei vielen Anhängern und Klub-Verantwortlichen ähnliche Reaktionen aus wie die Worte Aubameyang in Dortmund oder Videobeweis in ganzen Land. Dass er zu den Bayern wechselt - geschenkt. Doch in Frankfurt nehmen sie ihm übel, dass der Wechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt mitten im Saisonfinale öffentlich wurde und Kovac offenbar nicht ganz die Wahrheit sagte, was den Zeitpunkt der Einigung mit den Bayern angeht. Und es kam, wie es kommen musste. Die Eintracht zog zwar ins Pokalfinale ein, verpasste aber den Europa-League-Platz in der Bundesliga. Dabei waren sie zwischendurch sogar Vierter. Kovac galt mal als Held in Frankfurt, er geht als Buhmann, und daran ist er selbst schuld. 

Die Gewinner der Saison

war die Lichtgestalt der abgelaufenen Spielzeit. Einserseits. Andererseits wurde die Liga durch ihn wieder ziemlich langweilig, weil er die Bayern national zur gewohnten Dominanz zurückführte. Das ist schön für den ruhmreichen FCB und all diejenigen, sie sich gern die Lobeshymnen anhören, die über Heynckes massenweise erzählt wurden. Zudem gab es einen weiteren Effekt. Heynckes besitzt eine derartige Strahlkraft, dass man gar nichts mehr Schlechtes an den Bayern fand, weil sie so einen altersweisen Coach haben. Dennoch führte die erneute Dominanz der Bayern allen vor Augen, welche sportlichen Defizite die Liga hat. Unterstrichen wurde die Diagnose durch das schlechte Abschneiden der deutschen Vereine im Europapokal.

Aber wir wollen nicht nur meckern, sondern auf die positiven Geschichten erzählen. Die von Domenico Tedesco zum Beispiel. Der 32-jährige Frischling führte Schalke zur Vizemeisterschaft. Muss man auch erst einmal schaffen. Dann ist da . In Hannover, Leverkusen und Kaiserslautern war er gescheitert. Als der VfB Stuttgart Korkut im Frühjahr verpflichtete, um den Abstieg zu verhindern, lachten alle über den Verein bzw. seine Fans waren entsetzt. Das Ergebnis: Stuttgart hat als Aufsteiger nicht nur den Klassenerhalt, sondern womöglich sogar den Sprung in die Europa League geschafft. Dafür müssen nur die Bayern das Pokalfinale gewinnen. Wie schnell sich ein Image wandeln kann. Auch Hoffenheim und Trainer Julian Nagelsmann gehören zu den Gewinnern. Nach einer Durststrecke qualifizierten sie sich als Dritter für die Champions League - der größte Erfolg für den Hopp-Klub bislang. Man stelle sich nur vor, Nagelsmann hätte seinen Wechsel zu Bayern bekanntgegeben, der Erfolg wäre ziemlich sicher ausgeblieben. 

Die Verlierer der Saison 

Sie sind leichter zu identifizieren als die Gewinner. Mit Köln und dem HSV steigen zwei große Traditionsklubs ab, die viele Anhänger und große Stadien haben. Das ist ein Verlust für die Liga. An eine Bundesliga ohne den HSV muss man sich erstmal gewöhnen nach 55 Jahren Liga-Zugehörigkeit. Nicht vermissen werden wir die wenigen HSV-Hools, die das letzte Spiel ihres Vereins für einen peinlichen Auftritt nutzten, als sie Rauchbomben zündeten und auf das Spielfeld warfen. Überhaupt nerven einige Ultra-Gruppen ganz gewaltig, nicht nur durch das Abrennen von Pyrotechnik im Stadion, sondern weil sie immer so tun, als gehöre ihnen der Fußball alleine. Das ist aber nicht so. Das hat am letzten Spieltag die überwältigende Mehrheit der Hamburger Fans beweisen, als sie die Randalierer aus der Nordkurve mit "Wir sind Hamburger und ihr nicht" aus dem Volkspark brüllten.

So schlimm wie in Köln oder Hamburg lief die Saison in Dortmund nicht. Aber seien wir ehrlich: Wie haben mehr erwartet, Der gute, alte BVB und sein neuer Trainer Peter Bosz würden die Liga (und die Bayern) rocken. Und was war? Selbstzerfleischung, peinliche Auftritte in der Europa League gegen RB Salzburg und ein verlorenes Derby. Immerhin sicherten sie sich mit Ach und Krach auf Rang vier die Champions League.  

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen


Wow, was für ein Tor: Jonas Hector erzielte bei der 1:4-Niederlage gegen Wolfsburg den vorerst letzten Bundesliga-Treffer für Köln. Das Tor war von einer technischen Eleganz, die wahrscheinlich nur möglich ist, wen man vollkommen befreit aufspielt oder im Training ist. Für Köln ging es um gar nichts mehr, der Abstieg stand längst fest. Hecor drehte sich durch zwei Wolfsburger Spieler hindurch und lupfte den Ball aus spitzem Winkel über den Keeper. Das fragt man sich glatt: Warum spielt der Mann bei einem Absteiger wie Köln und nicht für Real Madrid?

Bild des Tages

Jupp Heynckes Schale

Ein glücklicher, älterer Herr: Jupp Heynckes

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Jupp Heynckes ist 73 Jahre alt. Als er im Herbst zu den Bayern zurückkam, stellten sich viele die Frage, ob er den Job als Bayern-Coach noch meistert. Die Frage stellt niemand mehr. Er zeigte allen, dass er es immer noch drauf hat: Der Fußball lässt einen eben nicht los. Dennoch war es erstaunlich, dass Heynckes nach vierjähriger Rente in allen Belangen, auch in taktischen Fragen, auf der Höhe war. In seiner ersten Rentner-Zeit ist er immer am Ball geblieben und hat sich weiter fleißig Spiele angeschaut. Nun hat er zum vierten Mal die Meistertitel gewonnen, jedesmal mit den Bayern. Auf dem Bild wirkt er glücklich und gelöst. Vielleicht ist doch ein bisschen froh, sich den ganzen Stress nicht mehr anzutun und Fußball wieder von der Couch aus genießen zu dürfen.

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