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Pokalhit Bayern gegen Dortmund: Ist Gündogan der bessere Schweinsteiger?

Bayern gegen Dortmund - ein Highlight für alle Fußballfans. Bleibt die Borussia der Angstgegner der Münchner? Und: Wer gewinnt das Duell der Spielmacher? Fünf Fragen und fünf Antworten.

Von Maximilian Koch

Es ist das Spiel, auf das die Fußballfans schon seit Wochen warten. Pokal-Viertelfinale. Bayern gegen Dortmund. Mehr geht nicht. "Ganz Deutschland freut sich drauf - wir auch! Das sind die zwei besten Mannschaften in Deutschland", sagt Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm vor dem Duell der beiden großen Rivalen heute Abend (20.30 Uhr/ARD und im stern.de-Liveticker).

Die aktuelle Form spricht für die Bayern, die in der Bundesliga einsam ihre Kreise ziehen und bereits 17 Punkte Vorsprung haben. Für Brisanz dürfte dennoch gesorgt sein. Schließlich war es der BVB, der den erfolgsverwöhnten Münchnern in den vergangenen zwei Jahren die Meisterschaft wegschnappte. Nicht zu vergessen der 5:2-Sieg der Borussen im Pokalfinale vergangenes Jahr.

Vor dem Anpfiff beantwortet stern.de die fünf wichtigsten Fragen zum Spiel.

1. Welches Team hat mehr zu verlieren?

Eindeutig die Bayern. Da kann die Saison bislang noch so gut verlaufen sein. Der Dortmunder Gipfelsturm in den vergangenen beiden Jahren hat dem riesengroßen Ego der Münchner mächtig zugesetzt. Fünf Niederlagen in sechs Pflichtspielen – Dortmund ist für die Bayern zur "Bestia Negra" geworden. Also zum absoluten Angstgegner, den die Münchner ihrerseits für den spanischen Giganten Real Madrid darstellen.

Man kann sich deshalb gut vorstellen, mit welcher Motivation der FCB heute ins Spiel gehen wird. "Dortmund wird versuchen, die Serie gegen uns fortzusetzen. Da haben wir aber mal richtig was dagegen", sagt Thomas Müller. Es geht für die Bayern längst nicht nur um den Einzug ins Pokal-Halbfinale. Es geht darum, endlich mal wieder gegen Dortmund zu gewinnen. Es geht um Ehre. Und um die Nummer eins im deutschen Fußball.

2. Auf welches Duell kommt es besonders an?

Robben gegen Piszczek, Reus gegen Lahm, Dante gegen Lewandowski – die Fans dürfen sich am Abend auf packende Duelle freuen. Doch ein Zweikampf stellt alle anderen klar ins Abseits: Im zentralen Mittelfeld treffen Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan aufeinander. Eine brisante Konstellation. Denn nicht wenige glauben, dass der Dortmunder schon bald den Platz des Münchners im Nationalteam einnehmen könnte. Was nicht unbedingt an Schweinsteiger liegt – der Bayern-Regisseur hat in dieser Saison seine Top-Form wiedergefunden –, sondern an der Leistungsexplosion Gündogans.

Der Dortmunder gehört inzwischen zu den besten "Sechsern" der Liga. Neulich, im Länderspiel gegen Frankreich, zeigte der 22-Jährige eine Weltklasse-Vorstellung. Wie schon zuvor regelmäßig in der Champions League. Es wird deshalb interessant zu beobachten sein, wie Schweinsteiger seinem Kronprinzen begegnet: Markiert hier einer sein Revier? Wird der Bayern-Star tatsächlich noch zum echten Leader? Den Beweis dafür hat Schweinsteiger noch immer nicht geliefert. Das direkte Duell zweier herausragender Spielmacher verspricht sehr viel Spannung.

3. Mit welcher Taktik begegnet Dortmund den Super-Bayern?

Die meisten Tore in der Champions League, die meisten Tore in der Bundesliga – der FC Bayern war offensiv selten so gefährlich wie in dieser Saison. Grund dafür ist neben Top-Neuzugang Mario Mandzukic das flexible Spiel, das die Heynckes-Elf auszeichnet: Gerade Thomas Müller und Mandzukic wechseln sich häufig zwischen Rechtsaußen- und Mittelstürmerposition ab. Franck Ribéry ist sowieso überall zu finden. Dass der Franzose heute eine Rotsperre absitzt, spielt Dortmund in die Karten. Ribéry-Ersatz Arjen Robben ist in seinen Aktionen leichter auszurechnen. Dennoch kann man im Bayern-Mittelfeld mit einem munteren Wechselspiel zwischen Müller, Robben und Toni Kroos rechnen.

Der BVB wird darauf mit seinem bekannten System antworten: 4-2-3-1 heißt die Formel von Jürgen Klopp, die den Münchnern in den vergangenen sechs Duellen die Lust am Fußball nahm. Das Geheimnis der Dortmunder ist das kollektive Pressing. Gewinnt die Borussia den Ball, wird blitzschnell in die Spitze gespielt. Dort warten in Reus, Lewandowski und Götze exzellente Abnehmer. Man darf gespannt sein, ob die Bayern diesmal ein Mittel dagegen finden. Mut sollte aus bayrischer Sicht das in dieser Spielzeit stark verbesserte Defensivverhalten machen.

4. Bleibt Lewandowski der Bayern-Schreck?

Robert Lewandowski steht heute Abend im Mittelpunkt. Nicht nur, weil der polnische Angreifer seit Wochen mit den Münchnern in Verbindung gebracht wird. Lewandowski ist der personifizierte Bayern-Schreck: Fünf Tore in sieben Einsätzen gegen den Rekordmeister – kein Wunder, dass der Stürmer das Interesse des Bundesliga-Tabellenführers geweckt hat.

Gerade die Leistung im Pokalfinale vergangene Saison ließ aufhorchen: Lewandowski steuerte drei Treffer zur 5:2-Demütigung der Münchner bei. Gut möglich, dass Uli Hoeneß bereits an diesem Abend der Gedanke durch den Kopf ging, den Polen zu verpflichten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bayern die Konkurrenz durch einen Transfer entscheidend schwächen.

Aber man kann sie ja verstehen: Lewandowski würde dem Bayern-Angriff noch mehr Raffinesse verleihen. In Sachen Ballbehandlung, Übersicht und Spielverständnis erreicht in Deutschland kein Stürmer das Niveau des 24-Jährigen. Das wird Lewandowski seinem möglichen neuen Arbeitgeber heute nochmal demonstrieren.

5. Wer hat in einem möglichen Elfmeterschießen Vorteile?

Manuel Neuer und Roman Weidenfeller sind nicht unbedingt als Elfmeter-Killer bekannt. Der Dortmunder Keeper kommt in seiner Profi-Karriere auf eine Bilanz von fünf parierten Strafstößen bei 29 Versuchen. In der vergangenen Saison entschärfte Weidenfeller aber einen ganz wichtigen Elfmeter. Im Meisterschaftsduell gegen die Bayern am 30. Spieltag verhinderte er beim Stand von 1:0 für Dortmund den Ausgleich durch Arjen Robben. Der Vorsprung des BVB wuchs auf sechs Punkte, die Titelverteidigung war damit so gut wie eingetütet.

In der Elfmeterhistorie Manuel Neuers zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Der ehemalige Schalker brachte es vor Beginn der vergangenen Spielzeit auf ebenfalls nur fünf parierte Schüsse bei 22 Versuchen. Doch in der heißen Phase der Saison 2011/12 drehte Neuer auf: Erst hielt er im DFB-Pokal-Halbfinale den Schuss von Gladbachs Havard Nordtveit und brachte die Bayern ins Finale. Dann zeigte Neuer im Champions-League-Halbfinale in Madrid sein bestes Spiel im Bayern-Trikot. Der Höhepunkt: zwei gehaltene Elfmeter gegen die Real-Stars Ronaldo und Kaka. Die Münchner bekamen ihr "Finale dahoam", Neuer war der Held. Für Weidenfeller und Neuer kann es deshalb nur heißen: die Elfer-Form aus der vergangenen Saison mitnehmen!

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  • Maximilian Koch