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Robert Hoyzer: Spur führt zur kroatischen Mafia

Schiedsrichter Robert Hoyzer scheint noch tiefer als bisher angenommen in kriminelle Machenschaften verstrickt zu sein. Laut stern soll er Kontakt zur kroatischen Mafia gehabt haben.

Die Schiedsrichter-Betrugsaffäre wird durch neue Anschuldigungen gegen den Unparteiischen Robert Hoyzer immer brisanter. Nach einem Bericht des stern soll der unter Manipulationsverdacht stehende Hoyzer regelmäßige Verbindungen zur kroatischen Mafia gehabt haben. "Ich habe bestätigt, dass dies der Fall sein soll. Es soll Verbindungen nach Berlin gegeben haben. Diese Hinweise lagen uns vor", erklärte Harald Stenger, Pressesprecher des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), in Frankfurt. Allerdings könne der DFB nicht einschätzen, ob es tatsächlich eine Mafia-ähnliche Struktur um den Schiedsrichter herum gäbe.

Anwalt ficht Hoyzer-Rücktrittserklärung an

Unterdessen kämpft der 25-jährige Hoyzer mit juristischen Mitteln um seinen Ruf. Sein Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner hat die "Rücktrittserklärung" angefochten, die sein Mandant am vergangenen Freitag bei der Anhörung durch den DFB unterschrieben hat. Hoyzer sei dabei mit den Vorwürfen konfrontiert und «zur Vermeidung weiterer Nachteile für ihn» mit Nachdruck zum Unterschreiben der Erklärung veranlasst worden, hieß es in einer Mitteilung der Essener Kanzlei. Außerdem sei Hoyzer bisher aus dem Verein Hertha BSC "nicht wirksam ausgetreten" und werde "dies auch in Zukunft nicht tun". Damit unterliegt der Jung-Referee weiter der Verbandsgerichtsbarkeit.

Schwere Vorwürfe erhebt Holthoff-Pförtner gegen den DFB. "Was der DFB mit meinem Mandanten bei der Vernehmung gemacht hat, war keine Untersuchung, sondern eine Hinrichtung", sagte er. Holthoff-Pförtner hatte sich gestern zu einem Gespräch mit Hoyzer in Berlin getroffen. "Die Geschichte, die ich gehört habe, ist eine völlig andere als jene, die der DFB verbreitet", sagte Holthoff-Pförtner. Hoyzer selbst wies alle Vorwürfe zurück: "Das ist falsch, das kann ich klar von der Hand weisen."

Ihm wird vorgeworfen, Spiele im DFB-Pokal, in der 2. Liga und der Regionalliga manipuliert und zuvor darauf gewettet zu haben. Hinweise auf mögliche Betrügereien lagen dem DFB bereits im Sommer 2004 vor. Die Oddset-Sportwette hatte direkt nach dem Pokalspiel SC Paderborn - Hamburger SV am 21. August 2004 den DFB und die Polizei über ungewöhnlich hohe Wetteinsätze auf einen Paderborner Sieg informiert, hieß es in einer Mitteilung.

Möglicherweise auch Spieler in Skandal verwickelt

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig schließt derzeit nicht aus, dass auch Spieler in die Affäre verwickelt sein könnten. Man müsse in Betracht ziehen, "dass noch andere Personen bis hin zu Spielern an der Sache beteiligt sind", sagte Staatsanwalt Joachim Geyer. Alles andere "wäre blauäugig". Dieser Spekulation sollen nun seine Kollegen in Berlin nachgehen, die bereits alle Unterlagen zu den Vorermittlungen erhalten haben.

"Wir müssen mit der gebotenen Sorgfalt vorgehen, besonders bei einem Beschuldigten, dessen Name, Bild und Wohnung in der Öffentlichkeit bekannt sind", sagte Klaus Ziehe, Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft. Die rechtliche Prüfung der Betrugsvorwürfe erweise sich als schwierig, da nachgewiesen werden müsse, dass bei einer falschen Tatsachen-Entscheidung des Schiedsrichters Vorsatz vorliege.

Wie Hellmut Krug, Leiter der Schiedsrichter-Abteilung im DFB, mitteilte, habe er schon auf einer Tagung am 15./16. Januar in Frankfurt mit Hoyzer über seine zuletzt "schwachen" Leistungen gesprochen. Anzeichen für einen Tatverdacht habe es da nicht gegeben. "In der Saison 2003/2004, als Hoyzer erstmals acht Spiele in der 2. Bundesliga leitete, brachte er für einen Neuling ungewöhnlich gute Leistungen", sagte Krug.

In dieser Saison habe man einen "Leistungseinbruch beobachtet, "der für einen jungen Referee aber durchaus normal ist". Allerdings gebe es auch Lücken im Kontrollsystem der Schiedsrichter-Beobachtung. Bei der Pokal-Partie zwischen Paderborn und dem HSV (4:2), in der Hoyzer unter Verdacht geriet, saß kein DFB-Beobachter im Stadion. "Die erste Runde im Pokal wird nie besetzt", so Krug.

DFL-Chef Hackmann fordert Profi-Schiedsrichter

Deshalb fordert Werner Hackmann, Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL), das Beobachtungs-System auf alle Pokal-Spiele auszuweiten. Auch kurzfristigere Schiedsrichter-Ansetzungen könnten helfen, Betrugsversuche zu vereiteln. "Die Liga hat ein besonderes Interesse, das Schiedsrichterwesen zu überprüfen", sagte Hackmann. Die DFL hat in einem bis 2009 gültigen Grundlagenvertrag die Gerichtsbarkeit und das Schiedsrichterwesen dem DFB überantwortet.

Hackmanns Vorstoß, erneut über die Einführung von Profi-Referees nachzudenken, trifft auf wenig Zustimmung. "Ich weiß nicht, was das bringen soll", meinte WM-Organisationschef Franz Beckenbauer. Auch der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und Bundestagsabgeordnete Bernd Heynemann hält nichts davon: "Es ist keine Lösung, jetzt wieder nach Profi-Schiedsrichtern zu rufen. So wie niemand als Alkoholiker geboren wird, fängt auch kein Schiedsrichter als Betrüger an."

Schily besorgt über Ruf deutscher Schiedsrichter

Eine "schnelle und lückenlose Aufklärung" der Affäre fordert auch Bundesinnenminister Otto Schily. "Deutsche Schiedsrichter haben international einen hervorragenden Ruf. Den dürfen sie nicht aufs Spiel setzen", sagte Schily. Trotz der Betrugsvorwürfe an Hoyzer ist Schily überzeugt: "Die große Mehrheit der Schiedsrichter ist ehrlich und hoch professionell. Ein Generalverdacht gegen alle ist unfair."

Andreas Schirmer/DPA / DPA

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