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Selbstmordversuch von Babak Rafati Ein Schiedsrichter unter Dauerdruck


Auf Facebook wurde er gemobbt und von den Profis zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt. Auch Deutschlands Vorzeige-Schiri hatte ihn kritisiert. Wurde für Babak Rafati der Druck zu groß?
Von Klaus Bellstedt

Babak Rafati hat seinen Job als Schiedsrichter geliebt. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls bei einem Blick auf die Homepage seiner Bank in Hannover. Rafati, in seinem zweiten Beruf Filialleiter bei der Sparkasse, wirbt dort mit folgenden Worten für den pfeifenden Nachwuchs: "Als Schiedsrichter hast du viele Vorteile. Du hast beispielsweise die Möglichkeit, dich persönlich weiterzuentwickeln, denn das Pfeifen fordert und fördert deine Teamfähigkeit, deine Stressbeständigkeit - in schwierigen Situation gilt es cool zu bleiben - und dein Selbstbewusstsein."

Jetzt liegt der 41-Jährige nach einem Selbsttötungsversuch in einem Krankenhaus in Köln. Nach Informationen der "Bild" soll zum Zeitpunkt der Tat auch Alkohol im Spiel gewesen sein. Liebte der Deutsch-Iraner seinen Job doch nicht mehr so sehr? Fest steht: Wie kaum ein anderer Referee musste der 41-Jährige in den vergangenen Jahren lernen, mit Kritik umzugehen.

"Babak, alles Gute"

Auf Facebook gibt es eine Anti Rafati-Seite. Die hat immerhin knapp 2.500 Unterstützer. Dort werden meist tief unter der Gürtellinie Rafatis Leistungen auf dem Platz beurteilt. Derzeit diskutieren die User allerdings, ob sie den Schiedsrichter gemobbt hätten. Und ob man diese Seite nicht besser hätte löschen sollte. Das ist bisher noch nicht geschehen.

"Ich wünsche mir nur eines: Babak, alles Gute." Der Satz stammt von Markus Merk, Deutschlands Vorzeige-Schiri. Er sprach ihn als Experte am Samstagabend bei "Sky" direkt in die Kamera. Das war bewegend, aber auch ein bisschen heuchlerisch. Denn Merk selbst hatte Rafati, nachdem der 2008 von den Bundesligaprofis zum schlechtesten Schiedsrichter der Saison gewählt wurde, kritisiert. "Ich denke, bei ihm ist die Entwicklung, die man erwartet hatte, ausgeblieben", so kommentierte Merk damals die Wahl Rafatis.

Fandel geschockt

Umfragen wie diese stehen bei den Unparteiischen ohnehin in der Kritik, zumal auch nicht der schlechteste Profi gewählt wird. Man werde, so ein Kollege Rafatis, damit monatelang konfrontiert. Dabei stehen die Spielleiter sowieso schon unter einer enormen Drucksituation.

In der Schiedsrichter-Gilde herrscht weiter Schockstarre. "Wir Schiedsrichter sind alle tief betroffen. Das Wichtigste ist zunächst, dass es Babak Rafati gesundheitlich schnell wieder besser geht", so Herbert Fandel.

Der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission wollte nach Rafatis Selbsttötungsversuch nicht über mögliche Gründe spekulieren, sondern verwies in einer Mitteilung auf ein Zitat von DFB-Boss Zwanziger: "Das Wichtigste ist immer der Mensch. Auch wenn wir die Gründe für diesen ausweglosen Schritt nicht kennen, wird Babak Rafati von uns alle Unterstützung bekommen, die wir ihm geben können."

Rafati auf der Karriereleiter auf dem Weg nach unten

84 Bundesliga-Spiele hat Babak Rafati bis heute gepfiffen. Er leitete in seiner Karriere zwei Länderspiele und sechs Europacup-Spiele. Für 2012 hat ihn der DFB allerdings von der Liste seiner internationalen Referees genommen. Weil einige Unparteiische in den nächsten Jahren die Altersgrenze von 45 erreichen, müsse ein ständiger Austausch stattfinden - so heißt es beim DFB. Rafati hätte seiner Karriereleiter also einen Schritt zurückgehen müssen. Um das zu akzeptieren, braucht ein Mensch viel Selbstbewusstsein – und eine stabile Psyche.

mit DPA

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