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Selbstmordversuch vor Bundesligaspiel: Das Drama um Babak Rafati

Der Fall Babak Rafati erschüttert den deutschen Fußball: DFB-Präsident Zwanziger schilderte am frühen Abend Einzelheiten zu dem Suizidversuch des Schiedsrichters.

Von Dirk Benninghoff

Die Bundesliga steht unter Schock. Der 13. Spieltag, die Bremer Demontage, das Spitzenspiel in München - sie gerieten zur Nebensache. Der Selbstmordversuch von Schiedsrichter Babak Rafati erschüttert die Liga. Dass das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 abgesagt werden musste, war die harmloseste Konsequenz.

Der DFB bestätigte am Nachmittag das Drama um Rafati, der kurz vor dem Spiel versucht hatte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Präsident Theo Zwanziger sorgte auf einer eilig in Köln einberufenen Pressekonferenz für Aufklärung. Seine Schilderung: Gegen 13.40 Uhr hatten die drei Assistenten des Schiedsrichters zusammen mit einer Servicekraft des Kölner Hotels, in dem die vier abgestiegen waren, den 41-Jährigen blutend in der Badewanne seines Zimmers gefunden. Die Männer waren berunruhigt gewesen, weil der "immer pünktliche" Schiedsrichter nicht zur Spielbesprechung um 13.30 Uhr erschienen war.

Am Vorabend, so Zwanziger, sei Rafati seinen Assistenten noch "völlig normal" vorgekommen. Beim gemeinsamen Frühstück habe er zwar gefehlt, aber das sei häufiger der Fall gewesen. Zwanziger rechnet es Rafatis Assistenten an, dass der Schiedsrichter überlebt hat. Laut Polizei ist er außer Lebensgefahr. In seinem Zimmer wurden "Notizen" gefunden. Über den Inhalt wollte Zwanziger allerdings nichts sagen. Die Polizei in Hannover informierte Rafatis Lebensgefährtin über den Suizidversuch.

Raum für Spekulationen

Ob der Selbstmordversuch mit dem jüngsten Skandal um Steuerhinterziehungen von Bundesligaschiedsrichtern zusammenhängt, ist nicht bekannt. Auch über Erscheinungen wie Burnout oder Depressionen, die im Profifußball zuletzt häufiger aufgetreten sind, kann nur spekuliert werden.

Rafati gehört seit 1997 zum DFB-Kader und hat seit 2005 bereits mehr als 100 Bundesligaspiele geleitet. Seit 2008 steht er auch auf der Liste des Fußball-Weltverbandes FIFA. Er wurde im Fachblatt "Kicker" mehrmals von den Bundesligaprofis zum schlechtesten Schiedsrichter der Liga gewählt.

Verantwortliche aus der Bundesliga zeigten sich erschüttert. "Ich bin geschockt. Ich muss mich erstmal sammeln, er war ja jahrelang in meinem Team", sagte der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Uwe Kemmling, der aus Burgwedel bei Hannover kommt. Der Trainer von Hannover 96, Mirko Slomka, sagte dem TV-Sender "Sky": "Ich bin nicht über Einzelheiten im Detail informiert. Ich bin sehr geschockt, zumal Babak Rafati Hannoveraner ist und ich ihn sehr gut kenne." Schalke-Coach Huub Stevens: "Da ist Fußball nur Nebensache. Ich kann mir vorstellen, dass nach solch einer Nachricht niemand spielen will." Den Gedanken hatte offenbar auch Werders Sportdirektor Klaus Allofs, der seinen Spielern vor dem Anpiff nichts von dem Vorfall erzählen wollte.

mit DPA

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