Skurrile Debatte "Für eine Österreich-freie EM"


Dürfen schlechte Fußballer das Image eines Landes ruinieren? Eine österreichische Initiative meint Nein. Weil sich die Alpen-Kicker in einem desaströsen Zustand präsentieren, fordert sie einen Verzicht der Nationalmannschaft auf die EM-Teilnahme. Die Kampagne wird auf höchster Ebene diskutiert.

Österreichs Fußball hat einen historischen Tiefpunkt erreicht und mit Pleiten am Fließband die skurrile Debatte um einen Verzicht der Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft 2008 weiter angeheizt. "Die Anzeichen, eine Umsetzung unserer Forderung könnte bald anstehen, verdichten sich", behauptet Michael Kriess. Der Innsbrucker erregt mit seiner Aktion "Österreich zeigt Rückgrat - für eine Österreich-freie Fußball-EM" immer mehr Aufsehen in der Alpenrepublik. Und Österreichs Fußballer liefern ihm die besten Argumente: Der in diesem Jahr noch sieglose EM-Gastgeber hat mit dem 1:3 am Samstag gegen die Schweiz den 33 Jahre alten Negativrekord von neun Niederlagen in Serie eingestellt.

Mit der Initiative, die nach den desaströsen Auftritten der Fußballer im September gegen Japan (0:0) und Chile (0:2) gegründet wurde, verfolgen Kriess und seine Mitstreiter den unrealistischen Plan, dass die Mannschaft freiwillig auf die Teilnahme an der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz verzichtet. Der frei werdende Platz soll an den bestplatzierten aus den sieben Qualifikationsgruppen weitergereicht werden. 235 Tage vor dem EM- Start haben bereits 10 000 gleichgesinnte Österreicher die im Internet bereitgestellte Petition an den Fußballbund (ÖFB) unterzeichnet. Eine Million Unterschriften sind das Ziel der Innsbrucker.

"10.000 Idioten"

Dass die Kampagne auf höchster Ebene diskutiert wird und das Österreichische Fernsehen (ORF) auf eine Übertragung des Länderspiels in der Schweiz verzichtete, sind laut Kriess Signale dafür, "dass bereits an der Realisierung eines solchen Szenarios gearbeitet wird." Das ORF habe ein unübersehbares Zeichen gegeben, sich vollinhaltlich der Initiative anschließen zu wollen, behauptet der Sohn des 15fachen österreichischen Nationalspielers Werner Kriess.

Die selbst ernannten Retter des österreichischen Fußballs haben Sorge, ihr Land der "Schöngeister" könne durch die "unästhetischen" Kicker Schaden nehmen. Für die Betroffenen ist die Idee der Hobby- Humoristen aus Tirol ein schlechter Witz. Das sei "absoluter Schwachsinn", den man nicht ernst nehmen könne, empörte sich Teamchef Josef Hickersberger. Der ehemalige Nationalspieler Andreas Herzog machte sich über die hohe Zahl der EURO-Gegner im eigenen Land lustig: "Ich habe gar nicht gewusst, dass es in Österreich 10 000 Idioten gibt."

Uefa-Präsident Platini empört

Auch der europäische Verband Uefa in Person von Präsident Michel Platini hat sich schon mit der Möglichkeit einer Österreich-freien EM beschäftigt. Dass Platini von der "dümmsten Idee, die ich je gehört habe" gesprochen hat, sehen Kriess und Co. als durchaus positiv. Nach vielen Jahren in den Uefa-Gremien, in denen er fraglos eine große Anzahl absurder Ansinnen vernehmen durfte, sei Platinis Aussage durchaus als Auszeichnung für "Österreich zeigt Rückgrat" zu verstehen, ließen sie verlauten.

Gerd Münster/DPA


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