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Start der Bundesliga: Konkurrenz sagt Bayern den Kampf an

Kurz vor dem Start der 41. Bundesligasaison hat die Konkurrenz dem Ligaprimus Bayern den Kampf angesagt. Wegen der Finanzmisere blieben spektakuläre Neuverpflichtungen aus.

Die 41. Saison der Fußball-Bundesliga steht im Zeichen der großen Jagd auf Titelverteidiger Bayern München, der Geldknappheit und der Hoffnung, dass die Not die sportliche Kreativität fördert. Der Zwang zur Sparsamkeit macht den Kampf "alle gegen einen" für die Verfolger des finanzstarken "Double"-Gewinners von der Isar nicht einfacher. Vielleicht werden aber die von Bayern- Chefcoach Ottmar Hitzfeld gesteckten großen Ziele zum Fallstrick: "Wir wollen beide Titel erfolgreich verteidigen. Außerdem möchte ich schon ins Endspiel der Champions League - und gewinnen."

Wer wird Bayern den Titel streitig machen können?

Bayern klarer Favorit

Dennoch hegen seine Bundesliga-Kollegen wenig Zweifel, dass der FC Bayern dem 19. Meistertitel entgegenstrebt. 14 von 18 Trainer hoben in einer dpa-Umfrage die Bayern auf den Favoritenschild. Dem Trio Borussia Dortmund, Schalke 04 und Hertha BSC wird am ehesten zugetraut, dem Vorjahressieger auf den Fersen zu bleiben. "Einen Durchmarsch wie in der vergangenen Saison gibt es mit Sicherheit nicht", prophezeit Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. In der Spielzeit 2002/2003 war das langweilige Solo mit einem 16-Punkte- Vorsprung zu Ende gegangen.

Kein Geld für spektakuläre Neuverpflichtungen

Angesichts der immensen Sparzwänge mussten die vermeintlichen Hauptwidersacher der Münchner jedoch auf große Investitionen in neue Spieler verzichten. Die 18 Erstligaclubs haben ihre Ausgaben für Neuverpflichtungen insgesamt um zwei Drittel auf nur 32,5 Millionen Euro gesenkt. Der rapide Rückgang der TV-Gelder nach der Kirch-Pleite von ursprünglich 460 auf nun 290 Millionen Euro lässt keinen Raum für große Sprünge. Dennoch ist der Gesamtetat der Lizenzspieler- Abteilungen leicht auf 596,2 Millionen Euro (2002/2003: rund 590) gestiegen, da der 1. FC Köln, SC Freiburg und Eintracht Frankfurt die relativ finanzschwachen Absteiger aus Bielefeld, Cottbus und Nürnberg mit etwas üppigeren Etats im Oberhaus ersetzen.

VfL Wolfsburg legt kräftig zu

Finanziell mächtig ins Zeug gelegt hat sich unerwartet der VfL Wolfsburg. Dank der Hilfe von Titelsponsor VW wurden 12,65 Millionen Euro in neue Spieler verpflichtet. Den Löwenanteil verschlang dabei das Engagement des Argentiniers Andres D’Alessandro (9 Millionen Euro). Die Bayern kauften bislang für «nur» neun Millionen Euro ein, darunter Talent Tobias Rau (2,5) und Martin Demichelis (4,5).

"Zurück zum Fußball"

Die wirtschaftliche Krise hat auch ihr Gutes, glaubt Bayer Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler: "Der drohende Gang zum Arbeitsamt sollte jedem Profi Warnung genug sein, sich die Hacken abzurennen." Dass die Clubs den ruinösen Wettstreit um die Superstars der Branche, wie er zum Beispiel in Spanien mit der Hysterie um David Beckham zu erleben war, nicht mitmacht, hält er für vernünftig: "Ich finde, wir haben in den vergangenen Jahren schon viel zu viel Show geboten. Wir müssen zurück zu den Ursprüngen, zum Fußball", sagte Augenthaler.

"Die Leistungen werden besser"

Ein bisschen mehr Spielkultur könnte es im Land des Vizeweltmeisters aber auch sein, waren doch die Leistungen bei Spitzenclubs wie dem FC Bayern, dem BVB oder Schalke 04 in der vergangenen Saison selten prickelnd. "Die Spieler wissen, dass schwierige Zeiten angebrochen sind. Die Leistungen werden besser werden, auch wenn es manche nie kapieren", glaubt Hitzfeld.

Stuttgart stapelt tief

Dass der Überraschungs-Vizemeister VfB Stuttgart das vor zwei Jahren ausgegebene Ziel, 2004 um den Titel mitspielen zu wollen, erreicht, hält selbst Trainer Felix Magath für eine Illusion: "Dazu hätten wir finanziell in der Lage sein müssen, mehr Qualität von außen hinzu zu kaufen."

Geheimfavorit Schalke

Für Schalke 04 könnte die Wahl des neuen Chefcoachs Jupp Heynckes die entscheidende Personalie gewesen sein. Dem Trainer-Fuchs, der mit Real Madrid 1998 die Champions League gewann, traut DFB-Teamchef Rudi Völler einiges zu: "Jupp Heynckes wird Schalke näher an die Bayern heranführen."Nicht ausgeschlossen ist, dass der Kampf um den Klassenverbleib erneut spannender wird als der um den Titel. "Die halbe Liga wird gegen den Abstieg kämpfen", meint Beckenbauer. Dabei sind die drei Aufteiger die ersten Anwärter. Vom Existenzkampf verschont bleiben möchte der viermalige Vizemeister, der 2002/2003 als Tabellen-16. nur knapp dem Abstieg entging. "Wir haben mehr Qualität als im letzten Jahr und wollen zur Verfolger-Gruppe der Topclubs gehören", steckt Bayer-Manager Ilja Kaenzig das Saisonziel.

Andreas Schirmer / DPA

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