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Stefan Effenberg exklusiv: Heynckes' Fehler mit Toni Kroos

stern.de-Kolumnist Stefan Effenberg glaubt im Meisterschafstkampf nicht mehr an Bayer Leverkusen - auch weil Trainer Jupp Heynckes Fehler macht. Den Bayern attestiert Effe ein Ausstrahlungsproblem.

Von wegen Big Point: Die Bayern haben es nach ihrer unnötigen Niederlage in Frankfurt verpasst, sich ein bisschen Luft nach unten zu verschaffen. Die Chance war groß, vor allem auch, weil die Konkurrenz aus Schalke und Leverkusen Federn gelassen hat. Das 1:2 nun auf ein Kopfproblem zu schieben, ist mir zu einfach. Für mich gibt es gar keine Ausrede. Als wir früher mit den Bayern auswärts 1:0 geführt haben, sind wir auf das 2:0 "gegangen". Das hat auch meistens geklappt. Du musst als Bayern-Spieler eine Ausstrahlung auf dem Platz haben. Deine Körpersprache muss so sein, dass der Gegner denkt: Hier geht heute "eh" nix gegen die Jungs. Aber das ist bei der aktuellen Mannschaft leider nicht so. In Frankfurt haben die Bayern nach der Führung nur reagiert. Das geht nicht. Gerade vor dem Hintergrund, dass jetzt knüppelharte Wochen anstehen, war diese Pleite Gift. Der Druck wird jetzt immer größer. Plötzlich kann in drei Wochen alles vorbei sein. Meisterschaft, Pokal, Champions League. Alles steht auf dem Spiel. Jetzt muss in der Führung gegengelenkt werden.

Die Leverkusener haben mich an diesem Wochenende fast noch mehr enttäuscht als mein Ex-Club, der FC Bayern. Bayer fehlt der Killerinstinkt. Das Team ist nicht da, wenn es da sein muss. Diese Chance, aus der Niederlage der Bayern Kapital zu schlagen, kriegt man nicht oft innerhalb einer Saison. In Dortmund präsentierte sich die Mannschaft von Jupp Heynckes in der zweiten Hälfte als mutlose Angsthasentruppe, sie hat sich wehrlos ergeben. Dem Trainer werfe ich ganz konkret vor, dass er Toni Kroos - der ja in den letzten Wochen überragende Leistungen gezeigt hat - nach seiner abgesessenen Gelbsperre nicht wieder in die Startformation integriert hat. Dafür gab es keinen Grund. Kroos ist eine Waffe! Niemals hätte ich auf ihn verzichtet. Nun muss man am Rhein aufpassen, nicht nach hinten durchgereicht zu werden. Die Konkurrenz aus Dortmund und Bremen hat derzeit einen Lauf. Das sollte Warnung genug sein.

Schalke kritisiere ich nach dem 2:2 in Hamburg nicht. Warum auch? Beim HSV unentschieden zu spielen, das war wichtig für Felix Magath. Bei den "Knappen" sieht alles ganz stabil aus, die wackeln nicht. Unspektakulär und erfolgreich, bis zum Saisonende wird das im Zweifel so weitergehen. Was dann am Ende dabei herausspringt? Alles ist möglich, das ist meine Meinung. Ganz viel wird vom Ausgang des Pokalspiels am Mittwoch zwischen Schalke und den Bayern abhängen. Sollte S04 gewinnen, ist für auch die Meisterschaft möglich.

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