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Kommentar

Champions-League-Halbfinale: Hört auf, Sven Ulreich die Schuld am Bayern-Aus zu geben

Nein, Sven Ulreichs Patzer gegen Real Madrid sah nicht gut aus. Beim Studium von Twitter und Co. könnte man den Eindruck bekommen, dass die Bayern deswegen aus der Champions League ausgeschieden sind. Was für ein Blödsinn.

Sven Ulreich Real Madrid Bayern München

Wird sich sicher ein paar Tage nicht so gut fühlen: Sven Ulreich nach seinem Patzer von Madrid

Getty Images

Als Sven Ulreich vor drei Jahren vom VfB Stuttgart zu Bayern München wechselte, war ihm der Platz auf der Bank sicher. Wer war er denn, als dass er je an Über-Torwart Manuel Neuer vorbeikommen könnte? Außer, Neuer würde sich verletzen. Nur: Wann verletzen sich Torhüter schon großartig? Als Sven Ulreich also zu Bayern München wechselte, wirkte das, als habe er eine anständige Karriere freiwillig gegen die Frührente eingetauscht. Doch es kam anders. Und am Dienstagabend könnte Ulreich das möglicherweise bedauert haben.

Wer ist Schuld? Sven Ulreich und nur er!

Wer Kommentare, Twitter und Presse zum rasanten Halbfinale gegen Real Madrid überfliegt, bekommt den Eindruck, dass Sven Ulreich und nur Sven Ulreich Schuld am Aus der Bayern in der Champions League ist. Was für ein Blödsinn. Natürlich hat der 29-Jährige einen Fehler gemacht. Natürlich sieht das alles andere als gut aus, wie er da halbherzig auf den Ball zufliegt. Wie er ihn verpasst und Reals Stürmer Benzema die unverhoffte Chance zum 2:1 für die Madrilenen nutzt. Geholfen hat der Treffer den Bayern sicher nicht. Aber war da nicht etwas davor? Tolisso und sein, ja – was eigentlich? Ein Pass, eine Rückgabe?

Oliver Kahn hatte nach dem Spiel eigentlich alles dazu gesagt: Der Ball von Tolisso war so uneindeutig gespielt, dass er Ulreich vor eine Wahl stellte, die zu treffen kostbare Zehntelsekunden kostete. Ball in die Hand nehmen oder nicht? Der Torwart war gezwungen, sich in der Bewegung neu zu entscheiden - da sieht man eben aus wie der letzte Idiot.

Bayern München: Pech und Unvermögen im Sturm

Dabei ist die Rechnung auch ohne Ulreich ganz einfach: Die Bayern haben einfach nicht genug Tore geschossen, obwohl sie zum Siegen verdammt waren. Und obwohl sie die Möglichkeiten hatten. Hätte Ulreich nicht danebengegriffen, hätte es weiter 1:1 gestanden. Wäre es dabei geblieben, wären die Bayern ausgeschieden. Selbst ein 2:1 hätte nur für die Verlängerung gereicht. Ja, die Bayern hatten deutlich mehr Torchancen als Real - richtig gefährlich waren davon vielleicht zwei oder drei. Was unter anderem daran lag, dass bei jeden Schuss der Deutschen bereits ein Sergio Ramos im Weg herumlag. Oder an einem Robert Lewandowski, der Möchtegern-Madrilene, der aus unerklärlichen Gründen irgendwo abgetaucht war.

Nein: Sven Ulreich war nicht Schuld am Bayern-Aus. In einer Partie auf Augenhöhe fehlte den Deutschen nach einem misslungenen Hinspiel schlicht einfach etwas Glück und Vermögen vor dem Real-Tor. Nicht mehr und nicht weniger.


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