Theo Zwanziger Trainerwechsel ist "Schnapsidee"


DFB-Präsident Theo Zwanziger glättet die Wogen in der Diskussion um Jürgen Klinsmann. Er fordert die Streit-Parteien auf, sich ausschließlich auf die Mannschaft zu konzentrieren. Auch der "Kaiser" wird vom DFB-Boss zurückgepfiffen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat ein sofortiges Ende der öffentlichen Auseinandersetzungen um Bundestrainer Jürgen Klinsmann angemahnt, um die deutsche WM-Mission mit einem jungen Nationalteam nicht in größere Gefahr zu bringen. "Ich wünsche mir, dass der Streit schnell beendet wird, weil weitere Diskussionen keinen Sinn machen", erklärte der Verbandschef. Zwanziger ist überzeugt, dass die scharfe Kritik am Fernbleiben von Klinsmann beim FIFA-Workshop beim Bundestrainer in den USA angekommen ist. "Ich denke, dass Jürgen Klinsmann die Kritik spürt und annehmen wird sowie in den nächsten Wochen und Monaten wenig Angriffsfläche bietet", ergänzte der Geschäftsführende Präsident.

Fans zurückgewinnen

Vorrangige Aufgabe sei es jetzt, "alles dafür zu tun, dass die Nationalelf am 22. März in Dortmund gegen die USA ein gutes Spiel liefert und die Fans zurückgewinnt", sagte Zwanziger, der mit dem Bundestrainer darüber auch sprechen will. "Jetzt muss die Arbeit mit der jungen, unerfahrenen Mannschaft im Vordergrund stehen. Das dürfen wir jetzt nicht aufs Spiel setzen", meinte der 60 Jahre alte Funktionär, der Klinsmann schon am Dienstag eine Job-Garantie ausgesprochen hatte. Den Bundestrainer rund 90 Tage vor der Weltmeisterschaft noch auszuwechseln, wäre eine "Schnapsidee", betonte Zwanziger nochmals. Daran denke niemand nur eine Sekunde.

Zwanziger verwies auf die Persönlichkeit des 108-maligen Nationalspielers Klinsmann, der schon als Profi stets seine Linie und seine eigenen Ziele rigoros verfolgt hatte. Auch bei seinem Amtsantritt als Bundestrainer im Juli 2004 hatte er die Not der DFB- Führung um Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei der Trainer-Suche dazu genutzt, seine Bedingungen im Vertragswerk zu diktieren. Das ganze Ausmaß von Klinsmanns Modernisierungs-Plänen und Erneuerungen war einigen DFB-Funktionären und Liga-Vertretern offenbar lange nicht bekannt. Klinsmann sprach später von einer "Carte Blanche", also einer Art Vollmacht in allen Beziehungen, die ihm der Verband damals für seine WM-Mission eingeräumt hatte.

Druck auf Klinsi bringt nichts

Klinsmann ist auch in schwierigen Situationen nicht bereit zu Kompromissen, selbst wenn dadurch wie in den vergangenen Tagen seine Glaubwürdigkeit leidet. "Der Versuch, Druck und Zwang auf Jürgen Klinsmann auszuüben, ist der falsche Weg, wenn man an Ergebnissen interessiert ist", sagte der DFB-Präsident in der "Welt". Das darf wohl auch als Hinweis in Richtung einiger Präsidiums- Kollegen und WM-Chef Franz Beckenbauer gewertet werden, der Klinsmann scharf für die Abwesenheit bei der FIFA-Veranstaltung in Düsseldorf gerügt hatte. Die DFB-Vizepräsidenten Hans-Georg Moldenhauer und Engelbert Nelle halten es laut "Sport-Bild" bei einer möglichen Vertrags-Verlängerung für notwendig, dass es unter anderem in den Fragen von Klinsmanns Wohnsitz und den Freiflügen neue Festlegungen geben müsse.

"Franz hat sich jetzt beim Workshop als Gastgeber der WM gesehen", sagte Zwanziger nochmals zur "kaiserlichen" Schelte, deshalb könne er den Ärger verstehen. Dennoch will der Verbands-Chef, zugleich Vizepräsident des Weltmeisterschafts-Organisationskomitees, die interne Kommunikation mit Beckenbauer in Sachen Klinsmann intensivieren. "Ich mag Franz Beckenbauer in seiner Art. Aber ich muss auch sagen, dass eine Kritik am Fehlen des Bundestrainers in Düsseldorf sehr heftig ist. Das werden wir sicherlich in einem Gespräch mit ihm noch einmal erörtern."

DPA DPA

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