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Thesen zum Champions-League-Halbfinale: Bayerns Trainer Guardiola ist viel zu weich

Bayern München dominiert bei Real Madrid und verliert. Die Spieler betonen, sie hätten gut gespielt. Doch diese Zufriedenheit ist gefährlich: Nur das Team mit dem größeren Willen erreicht das Finale.

Von Felix Haas

Real hat den größeren Willen

Ganz tief hinten im Kopf sitzt er bei den Bayern, dieser kleine Gedanke: Wir haben letztes Jahr alles erreicht. Wenn wir dieses Mal nicht gewinnen, dann ist das okay, Real ist eben auch ein super Team. Und genau dort liegt der Unterschied zur vergangenen Saison. Alle, wirklich alle Spieler schindeten Kopf und Körper von Anfang August 2012 bis Ende Mai 2013, sie wollten allen beweisen: Wir können und werden das Trauma des verlorenen Finales dahoam überwinden. In diesem Jahr ist Real das hungrigere Team. Trainer Carlo Ancelotti hat der Mannschaft den richtigen Gedankengang eingepflanzt: Real will es dieses Jahr allen zeigen.

Guardiola ist viel zu weich

Die Champions League erneut zu gewinnen, das wäre ein großer Triumph für die Mannschaft. Es wäre aber vor allem auch ein Triumph für Trainer Pep Guardiola. Es ist die Aufgabe des Trainers, diesen kleinen Gedanken der Zufriedenheit aus den Köpfen der Spieler zu radieren, sie voll auf Triple-Verteidigung einzustellen. Das hat lange hervorragend funktioniert in dieser Saison, doch ausgerechnet in der entscheidenden Phase wird Guardiola weich: "Ich bin optimistischer als vor dem Spiel", sagte der Coach nach dem Real-Spiel. Ist das sein Ernst? Was hat er denn erwartet? Dass seine Spieler 3:0 verlieren? Für einen Welt-Trainer ist dieser Schmusekurs zu weich und zu nett. Zufriedenheit wird dafür sorgen, dass Bayern mit strahlenden Gesichtern rausfliegt.

Der Louis-van-Gaal-Modus schadet

Das Kopfproblem, das Problem des unbedingten Willens, es zeigt sich auf dem Platz. Wie zu schlimmsten Nationalmannschaftszeiten unter Erich Ribbeck spielen die Bayern hauptsächlich Querpässe. Es scheint als hätten die Bayern das alte Nationalmannschafts-Credo, man wolle den Gegner locken, aus der Schublade gekramt. Das Problem: Ohne Risiko gibt es keine Torchancen. Einen solch schematischen Modus kennen die Bayern gut - auch in der Saison 2011, als Louis van Gaal als Bayern-Coach entlassen wurde, lullten die Münchner sich selbst ein, spielten zu ausrechenbar. Erst Jupp Heynckes brachte eine neue Note ins Bayern-Spiel. Gegenpressing und Umschaltspiel.

Bayern wird auch im Rückspiel keine Durchschlagskraft haben

Die Aussagen der Verantwortlichen lassen darauf schließen, dass es im Rückspiel ähnlich zugehen wird wie im Hinspiel. Bayern will und darf wohl nicht zu viel Risiko gehen, die Gefahr der Konter wäre zu groß. Und ein Gegentor kann der FCB zu Hause wirklich nicht gebrauchen. Also werden die Münchner noch geduldiger spielen als in Madrid. Nur: Zu viel Geduld führt zu zu wenig Durchschlagskraft. Geduldig spielen, heißt schematisch spielen. Und darauf kann sich Real nun wirklich einstellen. Wenn Bayern nichts ändert, wird Real Madrid ins Endspiel einziehen.

Der FCB braucht ein Stück BVB-Wagnis

Zugegeben, die Ausganslage ist nicht dieselbe: Dortmund hatte im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real nichts zu verlieren - konnte offen spielen und volles Risiko gehen. Bayerns Ausgangslage ist nicht so schlecht. Doch München braucht wieder mehr vom gelegentlichen BVB-Harakiri. Das bringt Unberechenbarkeit und Tempo ins Spiel. Nur so entfacht man die nötigen Emotionen - auch beim Publikum - um ein großes Spiel zu zeigen und ins Finale einzuziehen.

Von Felix Haas

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