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Rücktritt aus der Nationalelf: Die seltsam ähnlichen Äußerungen von Kroos, Neuer und Müller zu Özil nähren einen Verdacht

Mit Manuel Neuer, Thomas Müller und Toni Kroos haben sich mittlerweile drei erfahrene Nationalspieler zum Rücktritt des Teamkollegen Mesut Özil geäußert. Aber warum nur reden sie permanent am Thema vorbei?

Nur lauwarmes Bedauern: Manuel Neuer, Mesut Özil und Toni Kroos

Nur lauwarmes Bedauern: Manuel Neuer, Mesut Özil und Toni Kroos

Getty Images

Lange haben sie geschwiegen. Manuel Neuer war schließlich der Erste, der sich nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalelf zu Wort meldete. Zwei Wochen benötigte der DFB-Kapitän für sein Statement. Das war Anfang August. Es folgten Thomas Müller und aktuell Toni Kroos

Letzterer äußerte sich differenzierter als seine Kollegen. Kroos bezeichnete den Mitspieler, mit dem er 2014 Weltmeister geworden war, als "lieben Kerl". Weiter sagte er:  "Die Art und Weise seines Rücktritts war aber nicht in Ordnung. Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet. Ich denke, dass er selbst weiß, dass es Rassismus innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB nicht gibt." Kroos sagte aber auch in aller Deutlichkeit, dass er es "peinlich" fände, wenn man die Özil-Debatte als Grund für das destaströse Scheitern bei der WM vorschieben würde.

Mesut Özil hat der Nationalelf nie Rassismus vorgeworfen

Die Aussagen von Neuer, Müller und Kroos haben gemeinsam, dass sie Rassismus in der Nationalelf zurückweisen. Das Absurde ist: Davon hat Özil in seiner mittlerweile berühmt-berüchtigten Erklärung nie gesprochen. Er hat lediglich DFB-Boss Reinhard Grindel Rassismus vorgeworfen. Vom DFB habe er sich "ungewollt" gefühlt. Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff lobte Özil hingegen. Die seien für ihn "aufgestanden". Das ist ein bedeutsamer Unterschied. 

Warum weisen Neuer, Kroos und Müller einen Vorwurf zurück, den es gar nicht gibt? Verstehen sie vielleicht nicht die Dimension der Debatte? Oder sind sie ignorant? Sind sie zu abgehoben? Oder zu feige? Oder geschieht das absichtlich?

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Man kann nur spekulieren - und keine der Versionen spricht für die Spieler. Als erstes drängt sich der Verdacht auf, dass die Aussagen zwischen dem DFB und den Spielern in diesem Punkt abgesprochen sind. Sie klingen ähnlich wie die Stellungsnahme des DFB. Darin ging der Verband ebenfalls nicht auf die Vorwürfe gegen Grindel ein, sondern verwahrte sich als gesamter DFB gegen jeden Rassismus. 

Nur lauwarmes Bedauern und Kritik an Özil

Schade ist es zudem, dass keiner der drei gestandenen Profis auf die wüsten Pöbeleien eingegangen ist, die es in den Kommentarspalten der sozialen Medien kübelweise gab. Das soll alles keine Rolle gespielt haben bei der Entscheidung Özils, sich aus der Nationalelf zu verabschieden? Auch kein Wort dazu, dass man sich vielleicht hätte öffentlich zu Özil und Gündogan bekennen sollen, so wie es die schwedische Nationalmannschaft getan hat, als sich einer ihrer Spieler wüsten Schmähungen ausgesetzt sah.  

Stattdessen: lauwarmes Bedauern und Kritik an Özil. Vielleicht ist es einfach so, dass Neuer, Kroos und Müller die Erfahrungen Özils nicht kennen und ihn deshalb nicht verstehen. Vielleicht machen sie es sich zu leicht. Auch das kann sein.

Tatsache ist, dass das unrühmliche Ende Özils die Nationalelf noch lange beschäftigen wird. Ausgestanden ist die Debatte nicht. Was wohl erst passiert, wenn der sportliche Neuaufbau, den die drei Spieler wie ein Mantra beschwören, nicht gelingt? Die Fragen werden nicht enden.

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