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Torlinientechnik: 8000 Euro pro Spiel - für wenige Entscheidungen im Jahr

Die Bundesligisten müssen für die Torlinientechnik weniger bezahlen als befürchtet. Dennoch sind Kritiker der Meinung: Die Torlinientechnik lohnt sich nicht.

Die Bundesligisten setzen auf die Torlinientechnologie Hawk-Eye.

Die Bundesligisten setzen auf die Torlinientechnologie Hawk-Eye.

Tor oder nicht Tor? In der Bundesliga entscheidet über diese Frage im Land des Weltmeisters im Zweifelsfall nicht mehr der Schiedsrichter, sondern die Technik. Wann die Technologie eingeführt wird, welche Technik zum Einsatz kommt - und was sie kostet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Änderungen.

Wann wird die Technik eingeführt?

Die Vereine haben die Einführung der Torlinientechnologie zum 1. Juli 2015 beschlossen. Ab der kommenden Saison wird die Technik also im Einsatz sein. Die zweite Bundesliga ist davon vorerst nicht betroffen.

Welches System kommt zum Einsatz?

Den Zuschlag für die nächsten drei Jahre erhielt das Hawk-Eye-System, das derzeit bereits in der englischen Premier League zum Einsatz kommt. Ein überzeugendes Argument der System-Befürworter war die Toleranz des Anbieters von weniger als einem Zentimeter. Der Weltverband Fifa, der die Torlinientechnik (GoalControl) bereits bei der Fußball-WM in Brasilien eingesetzt hatte, erlaubt derzeit noch eine Toleranz von 1,5 Zentimetern. Die Konkurrenz reagierte mit Unverständnis. Der Chef der deutschen Firma GoalControl, Dirk Broichhausen, sagte: "Wir sind schockiert und bitter enttäuscht".

Wie teuer wird das Ganze?

Die Kosten der Hawk-Eye-Technik sollen sich laut DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auf weniger als 8000 Euro pro Spiel belaufen. Damit müssen die Vereine in einer Saison rund 135.000 Euro für die Technik berappen. "Wir haben einen exzellenten Preis erzielen können", frohlockte Rettig. Bei der ersten Abstimmung über die Einführung der Technik war noch von dem doppelten Preis die Rede.

Wie funktioniert die Hawk-Eye-Technik?

Hawk-Eye ist ein System, das auf Hochgeschwindigkeits-Kameras basiert. 14 Hochgeschwindigkeitskameras (sieben pro Tor) werden im Stadion installiert. Die Kamera-Aufnahmen werden an einen Computer gesendett. Dieser setzt die Bilder zusammen.

Was sagen die Schiedsrichter?

Die Unparteiischen nahmen die Nachricht mit Begeisterung auf. "Im Namen aller Bundesliga-Schiedsrichter kann ich den Vereinen der DFL zu ihrem heutigen Beschluss nur gratulieren. Die Einführung der Torlinientechnologie bedeutet ein zusätzliches Stück Sicherheit in der wichtigsten Entscheidung des Fußballs - Tor oder kein Tor", sagte DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel. Und Deutschlands WM-Referee Felix Brych erklärte: "Ich bin sehr froh, dass der Wunsch der Schiedsrichter erfüllt worden ist. Die Torlinientechnik wird uns Schiedsrichtern den Job erleichtern."

Kommt jetzt der Videobeweis?

Holland und Deutschland haben ein Pilotprojekt gestartet. Dort wird mit einem "Video-Schiedsrichter" experimentiert. Dabei geht es um Szenen außerhalb von Toren, also um Elfer- und Abseits-Situationen. Diese werden von einem Schiri bewertet, der nicht auf dem Spielfeld steht, sondern die Szenen an einem Fernseher überwacht und eine Meldung an den Hauptschiedsrichter funkt. Wolfsburgs Sportdirektor Klaus Allofs sagte: "Ich glaube, dass die Torlinientechnik ein erster Schritt sein kann, um den Videobeweis noch einzuführen."

Was sagen die Kritiker?

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen war von Beginn an gegen die Technik-Revolution und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Er glaubt, dass sich die Technik nicht lohnt, weil es kaum Anwendungsfälle gibt: "Es wird dadurch sicher keine entscheidenden Veränderungen im Fußball geben. Wenn wir bei der Eintracht vor zehn Jahren die Torlinientechnologie eingeführt hätten, hätten wir sie zehn Jahre lang gehabt - ohne sie einmal zu nutzen."

feh/DPA / DPA

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