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Kommentar zur Bundesliga-Revolution Torlinientechnik? Super! Aber bitte keinen Videobeweis


Die Torlinientechnik wird funktionieren, weil sie eine einfache Frage beantwortet. Das gilt nicht für alle technischen Neuerungen - wie den Videobeweis.
Ein Kommentar von Felix Haas

Eigentlich gibt es nicht viel zu diskutieren. Die Torlinientechnik kommt und das ist gut so. Phantomtore wie das von Leverkusens Stefan Kießling gehören der Vergangenheit an. Wembley-Tore wird's auch nicht mehr geben. Nichts ist hässlicher, als wenn sich Meisterschaften, Champions-League-Qualifikationen oder Abstiege durch nicht oder fälschlich gegebene Tore entscheiden. Nun herrscht in der Bundesliga Klarheit. Die Kernfrage wird immer geklärt sein: Tor oder kein Tor. So soll es sein.

Doch so groß der Vorteil der Technik auch sein mag - man sollte nicht so weit gehen, nun alle technischen Möglichkeiten im Fußball willkommen zu heißen. Kurioserweise betonen genau das aber die Kritiker - weil ihnen die Änderungen nicht weit genug gehen. Augsburgs neuer Präsident Klaus Hoffmann sagte: "Ich bin ein Befürworter des Video-Beweises. Das muss ja nicht permanent der Fall sein, aber zweimal pro Halbzeit könnte es doch möglich sein." Sein Verein lehnte die Torlinientechnik ab.

Videobeweis würde Spiel verändern

Das verstehe, wer will. Denn genau der Videobeweis ist es, der das Spiel wirklich verändern würde. Fußball ist kein American Football. Das Spiel wird zwar durch Fouls, Ecken oder Abstöße unterbrochen. Aber es gibt keine in sich abgeschlossenen Spielzüge. Das Geschehen ist komplex. Dort ein kleines Foul, das nicht geahndet wird, eine Zehntelsekunde später wieder ein kleines Foul, das eigentlich kein richtiges war, dann fällt das Tor. Wo fängt der Videobeweis in dieser Szene an, wo hört er auf? Wo beginnt die Kausalkette, die zum Tor führt?

Ein sehr gutes Beispiel sind zudem Abseitssituationen: Wie soll man sich den Videobeweis dort vorstellen? Es mag technisch möglich sein, diese Entscheidungen schnell abklären zu lassen (wird gerade mit dem Video-Schiedsrichter in den Niederlanden geprüft). Ja, Tore, die aus Abseitsposition erzielt wurden, könnten verhindert werden. Aber wie ist es beim umgekehrten Fall? Wenn ein Spieler in aussichtsreicher Position fälschlicherweise zurückgepfiffen wird? Darf er dann nochmal alleine aufs Tor zulaufen? Oder muss immer abgewartet werden, bis der Spielzug zu Ende gebracht wurde? Eine absurde Vorstellung. Es wäre nichts weniger als ein Eingriff in die Gerechtigkeit des Spiels.

Einfache Frage im Hintergrund

Nur weil er technisch möglich ist, macht ein Videobeweis im Fußball also noch nicht in allen Fällen Sinn.

Die Torlinientechnik hingegen wird funktionieren. Weil sie eine einfache Frage beantwortet: War der Ball drin oder nicht drin?


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