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Trainerwechsel bei Bayern: Der Sturz des Schleifers

Mit Felix Magath hat der FC Bayern einen Trainer gefeuert, der mit zwei Double-Siegen in zwei Jahren eine starke Bilanz aufzuweisen hat. Doch Magaths Abstieg begann schon am Anfang.

Von Nico Stankewitz

Ein Ende mit Schrecken für Felix Magath an diesem 31. Januar 2007: Trotz der nahezu perfekten Bilanz im nationalen Geschäft mit zwei Double-Siegen 2005 und 2006 hat der eigenwillige Aschaffenburger nach nur zwei Rückrundenspielen seinen Arbeitsplatz auf der Bank des FC Bayern München verloren.

Ein hartes Los für den Schleifer, der allerdings selber völlig demoralisiert wirkte nach dem trostlosen Spiel gegen die Abstiegskandidaten aus Bochum. Nachdenklich und kritisch wirkte Felix Magath, das Eingeständnis, die Meisterschaft abhaken zu können, brach ihm in den Augen der Vorstandsmitglieder wohl das Genick.

Alle Vorschusslorbeeren gerechtfertigt

Nach seinem Amtsantritt hatte Magath zunächst alle Erwartungen erfüllt, die der FC Bayern an ihn hatte: Die Mannschaft machte Bekanntschaft mit den typischen Trainingsmethoden des Trainers, die er unmittelbar zuvor schon in Bremen, Frankfurt und Stuttgart mit wechselndem Erfolg demonstriert hatte: Medizinbälle, Treppensprints und Klettern kamen neu in den Wortschatz der zumeist fremdländischen Bayern-Belegschaft. Häufig war in der zu Ende gehenden Ära des Vorgängers Ottmar Hitzfeld von "mangelnder Fitness" und "fehlender Motivation" der Spieler die Rede gewesen, mit Felix wurde alles anders.

Zwei Meistertitel und zwei Pokalsiege stehen auch als Belege für gute Resultate. Aus neutraler Sicht konnte man den Coach noch nicht einmal für die Viertel- und Achtelfinalpleiten in der Champions League verantwortlich machen, standen doch mit den Gegnern Chelsea und Milan zwei europäische Topteams mit erheblich größeren personellen Möglichkeiten auf dem Platz.

Armseliger Fußball und verärgerte Fans

Aber der Fußball! Magaths Erfolge konnten schon in den beiden vergangenen Spielzeiten nicht verschleiern, dass die Zuschauer immer häufiger unzufrieden aus der Allianz-Arena nach Hause gingen - der Unterhaltungswert sank ständig. Bei den Spielern war der Trainer nie beliebt, sondern nur geachtet, besonders zu kümmern schien ihn das nicht. Die Forderungen von "oben" (Beckenbauer, Rummenigge, Hoeneß) quittierte er meistens mit Achselzucken, setzte teilnahmslos und geradlinig seinen Weg fort.

Ein extrem unglückliches Händchen hatte der Aschaffenburger auch mit der Weiterentwicklung der Mannschaft durch Transfers. Hashemian, Dos Santos und Ali Karimi kann man als glatte Fehleinkäufe abhaken, mit Frings lag der Trainer noch aus Bremer Zeiten über Kreuz. Ismael scheiterte durch Verletzung, zuvor war ihm mit dem überschätzten van Buyten auch bereits ein Spieler vor die Nase gesetzt worden. Mit Lukas Podolski ist niemand zufrieden, er scheint nur noch ein Schatten des Nationalspielers der WM 2006 zu sein. Fakt ist jedenfalls, dass die Mannschaft sich zuletzt ebenso wenig weiterentwickelt hat wie die einzelnen Spieler - kein guter Arbeitsnachweis für den verantwortlichen Coach.

Quo vadis Bayern? Quo vadis Felix?

Der FC Bayern glaubt mit einer Rolle rückwärts die Wende schaffen zu können. Ausgerechnet der mit Schmäh verabschiedete Ottmar Hitzfeld soll das verunsicherte, konzeptlose Team wieder auf die Erfolgsspur bringen. Auf den ersten Blick scheint es ein ähnlich einfallsloses Manöver zu sein, als wenn Werder Bremen wieder mit Otto Rehhagel ins Gefecht ziehen würde. Nicht unterschätzen sollte man allerdings auch den Gentleman-Trainer Hitzfeld mit seinem Co Michael Henke: Die beiden kennen alles und jeden in München, werden keine Eingewöhnungszeit benötigen.

Für Felix Magath wird es sicher auch schnell wieder Jobangebote geben, möglicherweise noch viel schneller als man denkt. Beim Krisenclub HSV wäre der Torschütze des wichtigsten Tores der Vereinsgeschichte nach Meinung vieler Beobachter genau der richtige Mann, um nach dem Kuschel-Coach Doll wieder Disziplin in die Mannschaft zu schleifen.

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