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UEFA-Pokal: Schalke im Pech, Dortmund desaströs

Nach Schalke 04 ist am Donnerstag auch Borussia Dortmund als letzter Fußball-Bundesligist in der 2. Runde des UEFA-Pokals ausgeschieden.

Nach Schalke 04 ist am Donnerstag auch Borussia Dortmund als letzter Fußball-Bundesligist in der 2. Runde des UEFA-Pokals ausgeschieden. Der BVB kam beim Vierten der französischen Liga FC Sochaux mit 0:4 unter die Räder. Salvatore Gambino sah nach einer "Notbremse" die Rote Karte . Schalke unterlag Bröndby Kopenhagen im Elfmeterschiessen mit 1:3.

Ausgerechnet Geburtstagskind Salvatore Gambino hat Borussia Dortmunds Ausscheiden im UEFA-Pokal und die höchste Europapokal-Pleite seit 1987 besiegelt. Fünf Tage nach seinen Treffern zum Unentschieden gegen Leverkusen leistete sich der 20- Jährige am Donnerstag im strömenden Regen von Sochaux nach nur vier Minuten eine "Notbremse", die mit der Roten Karte, einem Foulelfmeter und dem frühen 0:1-Rückstand durch Pierre-Alain Frau (6.) bestraft wurde. Mit den Treffern zum 4:0 (1:0)-Endstand schossen Santos (67.), der beste Spieler auf dem Platz, Wilson Oruma (76.), und Jeremy Mathieu (89.) nach dem 2:2 im Hinspiel im Westfalenstadion den Vierten der französischen Fußball-Liga souverän in die dritte Runde, in der nach dem Aus auch von Schalke 04 kein Bundesligist mehr vertreten ist.

Der Youngster zeigte Nerven

BVB-Trainer Matthias Sammer wurde für seinen Mut böse bestraft. Statt des Europacup erfahrenen Lars Ricken hatte er sich für Youngster Gambino in der Anfangsformation entschieden, der sich seinen Einsatz durch zwei Treffer in der Bundesliga verdient hatte. Doch in der Hitze des Gefechts im Stadion von Sochaux, wo der Gastgeber seit 30 Spielen nicht mehr verloren hat, spielten Gambino die Nerven einen Streich. Als ihm Santos enteilt war, wusste er sich nur durch ein Foul zu helfen. Doppeltes Pech für die Borussen, dass Keeper Roman Weidenfeller zwar mit den Fingerspitzen am Ball war, den Rückstand aber nicht verhindern konnte.

Erschreckende Abspielfehler

Doch nicht nur Europacup-Frischling Gambino hatte seine liebe Not mit Santos. Auch Nationalspieler Christian Wörns lief dem Brasilianer ein ums andere Mal hinterher. Allein Santos hätte in der 27. und 35. Minute den Sack bereits zumachen können. Und auch Frau fehlte im Abschluss nur das Quäntchen Glück. In Unterzahl hatten die Borussen nichts zu bestellen. Sochaux ließ sich danach von den geschwächten Dortmundern, die sich überdies durch erschreckend viele Abspielfehler um alle Chancen brachten, nicht aus der Erfolgspur drängen.

Dabei hatten sich Sammers Sorgen zumindest leicht gemildert. Denn in dem Bundesliga gesperrten Sebastian Kehl sowie Ewerthon konnte er zwei Spieler aufbieten, die ihm noch in Leverkusen gefehlt hatten. Auf Ricken, der bei Bayer beide Tore Gambinos vorbereitet hatte, verzichtete der Coach allerdings auch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Erst in der 74. Minute durfte er für Tomasz Rosicky auf den Platz.

Doppelschlag

Mit eklatanten Abspielfehlern brachten sich die Dortmunder immer wieder in Gefahr. Doch selbst die besten Chancen vergaben die Franzosen, die in der Liga seit acht Spielen unbesiegt sind. Das galt auch für Matieu und Oruma, die mit einem Doppelschlag in der 57./58. Minute schon alles hätten klar machen können. Angst um den verdienten Lohn ihrer Arbeit mussten sie freilich auch nicht haben. Zu harmlos waren die Angriffe der Borussen, die die Tore durch Santos, Oruma und Mathieu folgerichtig mit haarsträubenden Fehlern vorbereiteten.

Schalke weiter im Pech

Der FC Schalke 04 hat seine Talfahrt mit dem Ausscheiden in der 2. Runde des UEFA-Cups ungebremst fortgesetzt. Die in der Bundesliga auf Platz 13 abgerutschte Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes verlor am Donnerstagabend mit 1:3 im Elfmeterkrimi bei Bröndby Kopenhagen. Bröndbys Torhüter Karim Zaza hielt den entscheidenden Elfmeter gegen Tomasz Hajto und wurde so zum Helden des Abends.

Im mit 25.817 Zuschauern ausverkauften Bröndby-Stadion stand es nach 90 Minuten und Verlängerung 2:1 für den dänischen Tabellenführer. Das Hinspiel hatte Schalke mit 2:1 gewonnen. Andreas Jakobsson (16./Foulelfmeter) und Matthias Jonson (71.) erzielten die Tore für den neunmaligen dänischen Meister. Victor Agali (55.) hatte den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt.

"Schade, die Mannschaft hat bravourös gekämpft. Wir haben es versäumt, in der zweiten Halbzeit das Spiel zu entscheiden. Aber ich kann meinen Spielern keinen Vorwurf machen", sagte der enttäuschte Heynckes nach dem Spiel. Durch das Ausscheiden entgehen Schalke weitere Zusatzeinnahmen im internationalen Geschäft.

"An erster Stelle steht die Ehre, nicht der wirtschaftliche Erfolg"

Das Geld spielt für den UEFA-Cup-Sieger von 1997 nach offizieller Version jedoch nicht die Hauptrolle. "An erster Stelle steht die Ehre, nicht der wirtschaftliche Erfolg", hatte Schalke-Manager Rudi Assauer vor der Partie gesagt und an die Moral der verunsicherten Mannschaft appelliert. Vergeblich. Schalke ist nicht mehr im Lostopf, wenn am 12. Dezember die Paarungen für die 3. Runde ermittelt werden.

Ebbe Sand war gegen seinen Ex-Verein bis zum Beginn der Verlängerung zur Tatenlosigkeit verurteilt. Der Däne, der bis zu seinem Wechsel zu Schalke sieben Jahre für Bröndby aktiv war, musste wegen seiner chronischen Ladehemmung auf der Bank Platz nehmen. Der 31-Jährige hat sein letztes Bundesliga-Tor am 20. April erzielt. Den Vorzug vor Sand bekam Mike Hanke. Der Youngster, der alle bis zum Spiel in Kopenhagen alle drei Europacup-Tore für Schalke 04 in dieser Saison erzielt hatte, stürmte neben Agali.

Unberechtigter Elfer

In den Blickpunkt rückte zunächst jedoch die Schalker Abwehr. Tomasz Waldoch ging im Strafraum zu ungestüm gegen den heranstürmenden Jonson vor. Obwohl Kapitän Waldoch den Schweden bei seinem Tackling gar nicht berührte, pfiff der tschechische Schiedsrichter Michal Benes Elfmeter. Der Ex-Rostocker Jakobsson, der schon beim 1:2 in Gelsenkirchen getroffen hatte, verwandelte den Elfmeter sicher zur 1:0-Führung (16.).

Durch den Rückstand hatte Schalke seinen Vorteil früh aus der Hand gegeben, und die formschwachen "Knappen" schienen nicht in der Lage zu sein, das Spiel noch zu kippen. Bröndby indes hätte in seinem 100. Europapokal-Spiel das Weiterkommen schon vor der Pause sichern können. Doch die glänzende Vorarbeit von Jonson machte Karsten Johansen mit einem verunglückten Abschluss zunichte (27.).

Hoffnung durch Agali

Mit dem Mut der Verzweiflung kamen die Schalker Spieler aus der Kabine. Und der Wille, die Partie zu kippen, übertrug sich auf ihre Aktionen. Ausgerechnet der zuletzt viel gescholtene Agali brachte Schalke zurück ins Spiel. Er köpfte eine Flanke von Sergio Pinto freistehend zum 1:1 ein (55.). Doch das Zittern begann von vorn, als der starke Jonson einen von Frank Rost zuvor bravourös parierten Ball im Nachsetzen in die Maschen drückte (71.). In den Schlussminuten der regulären Spielzeit spielte sich ein offener Schlagabtausch zwischen beiden Mannschaften ab, die schließlich aber nicht nur in die Verlängerung, sondern auch noch ins Elfmeterschießen mussten.

Heinz Büse, Ulli Brünger; dpa / DPA

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